FORL – Zahnkrankheit Nummer Eins bei Katzen

Forl, die Geißel der Katze
Jede zweite Katze über fünf ist betroffen. Foto: (c) skeeze / Pixabay

Jede zweite Katze über fünf Jahre ist betroffen: Die schmerzhafte Zahnkrankheit FORL beginnt unter dem Zahnfleischrand im Wurzelbereich. Für das menschliche Auge ist die Autoimmunerkrankung lange Zeit unsichtbar. Wir erläutern die Hintergründe und verraten, wie Sie Ihrer Katze unnötige Qualen ersparen können.

Katzen zeigen ihre Schmerzen nicht. Es kann sein, dass Ihr Stubentiger ganz normal frisst und sich nicht anmerken lässt, wie sehr er leidet.

Was ist FORL?

FORL steht für „Feline Odontoklastische Resorptive Läsion“. Bis heute sind die Ursachen der schmerzhaften Zahnerkrankung ungeklärt. Es handelt sich nicht um eine „typische Zivilisationskrankheit“: Bei Ausgrabungen entdeckte Katzenknochen aus dem 13. und 14. Jahrhundert weisen bereits auf die Zahnerkrankung hin. [1] FORL tritt nicht nur bei domestizierten Hauskatzen, sondern auch bei wilden Klein- und Großkatzen auf. [2] Sogar Katzen, die sich von Tischabfällen oder fangfrischer Beute ernähren, können an FORL erkranken. [3] Allerdings ist die Erkrankung bei diesen Tieren vermutlich seltener zu finden.

Übrigens: Die Gabe von Trockenfutter kann Studien zufolge weder Zahnstein noch FORL verhindern. [4] Was die Zähne wirklich pflegt, ist das Zerkleinern von Beutetieren. Wohnungskatzen können Sie durchaus ab und zu einen Brocken Rindfleisch (roh) anbieten.

Auch Katzen, die regelmäßig Beutetiere verzehren, können an Forl erkranken. Foto: (c) rihaij / Pixabay

Was passiert bei FORL?

FORL wird als Autoimmunkrankheit eingestuft. Im Mund der Katze werden körpereigene Zellen, die sogenannten Odontoklasten, aktiv. Eigentlich besteht ihre Aufgabe darin, die Milchzahnwurzeln bei Kätzchen abzubauen. Bleiben diese Zellen bei ausgewachsenen Tieren aktiv, entsteht FORL. Die Zellen greifen die harte Substanz der Zähne an und zerlöchern sie. In den meisten Fällen beginnt die Erkrankung im Wurzelbereich. Mit bloßem Auge ist sie darum nicht zu erkennen. Selbst wenn das Katzengebiss einen guten Eindruck macht, heißt das nicht, dass FORL ausgeschlossen werden kann. FORL beginnt unterhalb des Zahnfleischrandes. Kleinere Löcher in den Zähnen werden häufig durch Zahnstein verdeckt. Darum wird die Zahnerkrankung oft erst im Endstadium entdeckt und behandelt.

Wie kann ich feststellen, ob meine Katze FORL hat?

Zahnschmerzen merkt man Katzen lange Zeit nicht an. Wenn Halter beobachten, dass die Katze schlechter frisst, Schmerzlaute von sich gibt oder speichelt, sind ihre Schmerzen in der Regel massiv und die Krankheit schon sehr weit fortgeschritten.

Symptome bei extremen Zahnschmerzen und Verdacht auf FORL

  • Die Katze hat starken Mundgeruch.
  • Sie schleicht um den Napf herum.
  • Sie frisst schnell, hektisch und lässt dabei immer wieder Futter fallen.
  • Aus dem Mund tritt Speichel aus.
  • Die Katze legt den Kopf beim Fressen schief.
  • Sie verliert Gewicht.

Wie kann FORL festgestellt werden?

Sie brauchen unbedingt einen Tierarzt, der über ein (digitales) Dentalröntgengerät verfügt. Mit dem bloßen Auge ist FORL bei einer Zahnuntersuchung nicht zu erkennen. Zum Röntgen muss die Katze in Narkose versetzt werden. Bei der Gelegenheit kann der Tierarzt die Mundhöhle, das Zahnfleisch und die Zähne eingehend untersuchen.

Häufige Zahnprobleme bei Katzen sind:

  • Zahnfleischentzündungen,
  • chronische Gingivitis/Stomatitis (schmerzhafte Entzündung der Mundschleimhäute),
  • Zahnstein,
  • hochwachsendes Zahnfleisch und
  • fehlende oder abgebrochene Zähne.
Zahnschmerzen und Forl sind bei Katzen nicht leicht zu erkennen.
Katzen lassen sich Schmerzen nicht anmerken. Foto: (c) Sasquillian / Pixabay

Wie kann FORL behandelt werden?

Leider gibt es bislang nur eine einzige Therapie: Die Zähne müssen raus. Alle. Von FORL betroffene Zähne sind unrettbar verloren. Es bringt nichts, Wurzelbehandlungen durchzuführen und Füllungen einzusetzen. Die Zahnzerstörung würde an anderer Stelle weitergehen.

Wodurch entsteht FORL bei Katzen?

Dazu gibt es unterschiedliche Theorien. Untersuchungen zufolge könnte eine Überversorgung mit Vitamin D 3 eine Erklärung sein. Möglich ist ebenfalls eine Unausgewogenheit im Calcium-Phosphor-Verhältnis. [5] Das bedeutet: Es hängt aller Wahrscheinlichkeit nach mit der Art der Ernährung zusammen.

Tipp: Achten Sie beim Kauf von Tiernahrung auf die angegebenen Werte. Verwenden Sie am besten Feuchtnahrung mit einem hohen Fleischanteil von 90 %. Die übrigen 10 % können aus Reis, Käse und ähnlichem bestehen. Nicht vergessen: Katzen sind Fleischfresser. Geschmacksverstärker, Konservierungsstoffe, Farbstoffe oder Zucker sollten im Futter nicht enthalten sein. Stiftung Warentest hat industriell gefertigtes Katzenfutter unter die Lupe genommen. Fazit: Jedes zweite enthält zu viel Phosphor. Das ist nicht nur eine mutmaßliche Gefahr für die Zähne. Zu viel Phosphor schadet den Nieren. Laut dem Verband der europäischen Tiernahrungsindustrie sind pro 100 Gramm 0,59 g Calcium und 0,5 g Phosphor empfehlenswert. Diese Menge wird häufig um das bis zu Sechsfache überschritten, wie Markt berichtet.

Schmerzfrei ohne Zähne: Bei Forl gibt es keine Alternative. Foto: (c) ticha750 / Pixabay

Kann man FORL verhindern?

Nach heutigem Kenntnisstand ist das nicht möglich. Eine gute Mundhygiene ist sinnvoll und wichtig. Falls Sie ein junges Kätzchen aufnehmen, gewöhnen Sie es an regelmäßiges Zähneputzen. Zahnpflegeartikel und gelegentliche Rohfleischfütterung können zur Zahngesundheit beitragen. Einmal im Jahr sollte ein Tierarzt den Zahnzustand prüfen. Lassen Sie Zahnstein bei Ihrer Katze unbedingt entfernen. Allerdings ist jegliche Zahnbehandlung nur sinnvoll, wenn vorher Dentalröntgenaufnahmen gemacht werden können. Sonst entfernt der Tierarzt womöglich den sichtbaren Zahnstein und poliert die Zähne, und unter dem Zahnfleischrand tobt der Schmerz trotzdem weiter. Experten gehen davon aus, dass Zahnfleischentzündungen die Entstehung von FORL und das Fortschreiten von Zahnverlust begünstigen.

Verhindern können Sie FORL nicht. Aber Sie können dabei helfen, dass die Krankheit früh entdeckt wird. Sind die betroffenen Zähne gezogen, ist Ihre Katze schmerzfrei.

Michaela Hövermann

Quellen:

[1] Berger, M.; Stich, H.; Hüster, H., Roux, P., Schawalder, P. (2004): Feline dental resorptive lesions in the 13th to 14th centuries. Journal of Veterinary Dentistry, 21(4), pp. 206-213.

[2] Berger, M.; Schawalder, P.; Stich, H.; Lussi, A. (1995): “Neck Lesion” bei Großkatzen; Untersuchungen beim Leoparden (Panthera pardus). Kleintierpraxis 40.

[3] Dobbertin, F. (1994): Zur Pathologie der Zahn- und Zahnbetterkrankungen bei Felis silvestris forma catus. Hamburg, Univ., Fachbereich Medizin, Dissertation.

[4] http://www.catsexclusive.com/educational-resources/dental-disease

[5] https://www.dentvet.de/katzenzahnarzt/

 

Hinweis:

Die hier zusammengestellten Informationen wurden nach besten Wissen und Gewissen recherchiert. Sie dienen ausschließlich zur Information und ersetzen keinesfalls den Besuch beim Tierarzt.

Michaela Hövermann ist freiberufliche Texterin und Journalistin. Nach Beendigung ihres Studiums im Jahr 2000 hat sie ihren Traum wahrgemacht und angefangen zu schreiben. Ihre Schwerpunkte sind unter anderem Wirtschaft und Karriere, Technik, Sicherheit, Pädagogik, Psychologie, Liebe, Beziehung und Partnerschaft sowie Gesundheitsthemen. Portfolio: https://michaelahoevermann.contently.com/

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