Hilfe, meine Waage geht vor! Teil 1

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Es ist 22:30 Uhr  und ich komme aus der Waschküche. Den letzten Automaten aufhängen und den Tumbler leeren. Da war nicht viel zu trocknen. Ein paar Handtücher, Geschirrtücher, Schlüpper und Socken.

Gleich gelegt ist es nicht ganz ein Arm voll und kann gleich mit hoch genommen und in die Schränke versorgt werden. Vor dem Kleiderschrank stehe ich und pumpe wie ein Maikäfer. Das waren 28 Stufen! Normale, genormte Stufen. Nicht übermässig hoch oder steil.

Und ich pumpe die Atemluft in mich rein wie nach 3000 Metern im Kampfanzug, damals anno ‘82. Ich erlebe meinen 58. Sommer und mir fehlen zu meinem Idealgewicht noch 15 cm. Aber nur wenn ich der Waage vertrauen kann. Ich glaube sie geht permanent vor. Da die Chance zu wachsen in meinem Alter aber dann doch eher gegen Null geht, brauche ich eine andere Lösung.

Alter = fester Wert, steigend, Grösse = mit steigendem Alter eher fallend. Bleibt noch das Gewicht. Gewicht = variabel. Seit etwa 2 Jahren nehme ich mir vor das Gewicht zu reduzieren um, durch die Stabilisierung des Verhältnisses zwischen Alter und Gewicht, die Kondition zu steigern.

Beim Nachdenken über die Methoden der Gewichtskontrolle wurde dann doch so manches Gummitier und etliche Chips verstoffwechselt. Wenigstens keine Cola dazu. Und jetzt stehe ich nackt vor dem Spiegel und betrachte das humanoide Elend. Um mein Sixpack hat sich ein feiner Speckmantel gebildet und auch die Nieren werden gut gedämmt.

Eine leichte Fehlstellung der Hüfte, durch einen zu kurzen Unterschenkel, rechts. Links vor kurzem noch die Sache mit dem Fersensporn, die mich an allen sportlichen Betätigungen gehindert hat, was natürlich nur eine faule Ausrede ist. Dabei bewege ich mich doch gerne. Ob mit oder ohne Räder ist da schon fast egal. Wandern, Radfahren, Joggen, Skaten, sogar Skifahren im Winter.

Aber, und das ist kein Geheimnis, nur wenn mehr Energie verbraucht als zugeführt wird, greift der Körper auf die Reserven zurück und die Speckschicht schmilzt wie beim Schmalz auslassen. Schon wieder Essen. Wer kennt diese Versuchung nicht? Eine Scheibe frisches, dunkles, ofenwarmes Brot. Dazu das Schmalz, wie damals von Oma. Mit Grieben und vielleicht noch Zwiebel drin. Da tropft der Zahn. Schon der Gedanke setzt an.

Ich brauche einen Plan. Irgendwie muss eine Ersatzdroge her. Wie damals, als ich mit dem Rauchen aufgehört habe. Das ging ja auch, von zwei Schachteln auf Null in 6 Stunden. Aber, die Ersatzdroge: Schokolade. Der Preis für das gesunde Leben als Nichtraucher ist also die Fettleibigkeit. Oder halt der schwache Wille. Aber ist es mit 57 besser als mit 23? Kann ich den Versuchungen diesmal widerstehen? Oder mach ich es wieder wie der Mond, regelmässig ab- und zunehmen?

Abnehmen durch Kopfschütteln ist der Weg. Was ist aber wenn ich das Ziel erreicht habe? Gibt es als Belohnung Dinge des Verzichts? Gummizeugs bis mir schlecht ist, Chips bis zur Paprika-Salz-Kruste auf den Lippen, Pudding, die grossen Becher. Einen guten Rotwein, aber nur zur Vorbeugung gegen kardiologische Probleme. Oder allgemein alles essen was auf -isch endet, Chinesisch, Italienisch, Nachtisch. Es ist schwer das Gewicht zu halten, wenn man es erreicht hat. Für jeden. Doch wie sagte einst ein weiser Mann: Auch der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt. Und in dem Fall mal nicht: der Weg ist das Ziel, sondern: das Ziel liegt am Ende des Weges. Jeder Morgen ist der Beginn des Rest deines Lebens, also meines Lebens in dem Fall. Dann fange ich mal an aufzuhören …

Amadeus Stur

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