Warum Trockenfutter Ihrer Katze schadet

Enthält kaum Wasser: Trockenfutter ist für Katzen nicht die beste Wahl. (c) Michaela Hövermann

Vielbeschäftigte, gestresste Katzenhalter mögen Trockenfutter: Es ist hygienisch, billig und lässt sich gut dosieren. Was für Katzenhalter bequem ist, schadet allerdings der Katze.

Hartnäckig hält sich der Mythos, dass Trockenfutter die Zähne der Katze abschleift und so Zahnstein verhindert. Das klappt leider nicht: Entweder schlingt die Katze die Bröckchen komplett herunter und kaut überhaupt nicht. Oder aber das Trockenfutter zerfällt nach einem Biss sofort. Das heißt im Klartext, Trockenfutter trägt nichts zur Gesundheit Ihrer Katze bei. Eher das Gegenteil ist der Fall: Wer ausschließlich Trockenfutter in den Napf füllt, muss damit rechnen, dass die Katze schwere Nierenprobleme bekommt. Grund dafür ist Flüssigkeitsmangel.

Katze trinkt aus Wasserhahn.
Fließendes Wasser zieht Katzen an. (c) 165106 / Pixabay

Warum ist Nassfutter grundsätzlich besser geeignet für Katzen als Trockenfutter?

Nassfutter besteht zu bis zu 80 % aus Feuchtigkeit. Trockenfutter enthält in den meisten Fällen nur bis zu 10 % Wasser. Für Katzen ist es bei einer derartigen Ernährung kaum noch möglich, ihren Flüssigkeitsbedarf zu decken. Um das Trockenfutter auszugleichen, müssten sie viermal mehr Wasser als die gefressene Menge trinken.

 

Wie viel Wasser brauchen Katzen?

Als Faustregel gilt: Eine erwachsene Katze braucht durchschnittlich ungefähr 50 Milliliter Flüssigkeit pro Kilogramm Körpergewicht. Bei einem Gewicht von 5 Kilogramm macht das rund 250 Milliliter. Ein Viertelliter ist eine unglaublich große Menge. Einen noch höheren Flüssigkeitsbedarf haben Katzen im Sommer bei Temperaturen über 20° C. Auch aktive oder trächtige Katzen brauchen mehr Wasser.

Große Schalen mit frischem Wasser animieren Katzen zum Trinken. (c) rihaij / Pixabay

Warum trinken Katzen so wenig?

Die Vorfahren unserer Hauskatzen sind Falbkatzen oder Afrikanische Wildkatzen. Sie wurden schon um 6.000 vor Christus in Palästina und Mesopotamien domestiziert. Ihre Heimat war die Savanne. Sauberes Wasser stand nur in Bächen und Flüssen zur Verfügung. Wenn eine Katze stehendes Wasser meidet, bedeutet das einfach, dass sich ihr Instinkt meldet. Fließendes Wasser ist ungefährlich. Darum ziehen tropfende Wasserleitungen Katzen an. Manche Stubentiger fordern sogar lautstark, dass der Hahn aufgedreht wird.

 

Welche gesundheitlichen Folgen entstehen durch zu wenig Flüssigkeit?

Wenn Katzen zu wenig trinken, kann es zu einer schleichenden Erkrankung der Nieren und ableitenden Harnwege kommen. Harnwege und Nieren müssen regelmäßig gut durchspült werden. Sonst lagern sich Mineralien aus dem Harn in den Nieren an. Katzen sind dafür besonders gefährdet: Durch die kleinen Trinkmengen setzen sie einen stark konzentrierten Urin ab. Trockenfutter verschärft das Problem.

Werden Urinkristalle nicht ausgespült, entwickeln sie sich zu sandartigem Harngrieß und schließlich zu Harnsteinen wie Struvit und Kalzium-Oxalat. Beide Arten kommen bei Katzen sehr häufig vor. Harnsteine können aus der Blase in die Harnröhre geschwemmt werden. Besonders bei männlichen Tieren besteht die Gefahr, dass sich ein Harnstein vor die Harnröhre setzt. Bei einem Verschluss kann kein Urin mehr abgesetzt werden. Die Giftstoffe bleiben im Körper. In dem Fall besteht Lebensgefahr. Eine Not-Operation ist das einzige, was dem Kater dann noch helfen kann.

 

Risikofaktoren für die Entstehung von Harnsteinen:

  • Flüssigkeitsmangel
  • häufige Harnwegsentzündungen (FLUTD – Feline Lower Urinary Traft Disease)
  • unausgewogene Futtermittel (zu viel Magnesium und Phosphat)
  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel

Chronische Niereninsuffizienz (CNI)

Die Nieren sorgen dafür, dass das Blut gefiltert, gereinigt und entgiftet wird. Gleichzeitig halten sie den Wasser- und Elektrolythaushalt stabil. Bei einer chronischen Niereninsuffizienz können die Nieren der Katze diese Aufgaben nicht mehr vollständig erfüllen. Giftstoffe sammeln sich im Blut an. Die Gefahr einer Urinvergiftung (Urämie) droht.

Jede dritte Katze über 10 Jahre leidet an CNI. Diese Diagnose ist ein Todesurteil. Die fortschreitende Nierenerkrankung ist nicht rückgängig zu machen. Sie entwickelt sich schleichend über Monate oder Jahre. Wenn Katzen Symptome zeigen und Auffälligkeiten im Blutbild auftauchen, sind bereits mehr als zwei Drittel des Nierengewebes irreparabel zerstört. Das Endstadium dieser Erkrankung wird als chronisches Nierenversagen bezeichnet.

Was Sie für die Gesundheit Ihrer Katze tun können

Katzen mit Freigang decken ihren Flüssigkeitsbedarf teilweise mit dem Blut ihrer Beute. Außerdem trinken sie aus Bächen. Am artgerechtesten wäre es, täglich mehrfach frische Maus zu servieren. Die zweitbeste Möglichkeit für Katzenhalter:

  1. Füttern Sie hochwertiges Feuchtfutter. Fügen Sie ein bis zwei Esslöffel Wasser hinzu.
  2. Bieten Sie Ihrer Katze unterschiedliche Trinkmöglichkeiten an. Platzieren Sie mehrere Schalen mit frischem Wasser in der Wohnung.
  3. Es hilft mit verschiedenen Größen, Materialien und Gefäßformen zu experimentieren. Manche Katzen mögen breite Metallschalen, andere bevorzugen Wasser aus Trinkgläsern.
  4. Stellen Sie die Wasserbehälter möglichst weit entfernt von Futterschalen und Katzentoiletten auf. Katzen trinken nicht gern da, wo sie essen. Katzenstreu verschmutzt das Wasser.
  5. Eine leichte „Aromatisierung“ erhöht die Attraktivität des Wassers: Geben Sie ein bisschen Sahne, einen Schuss Katzenmilch, salzfreie Hühnerbrühe oder Thunfischsaft mit dazu.
  6. Stellen Sie einen oder mehrere Katzentrinkbrunnen auf.
  7. Erlauben Sie Ihrer Katze, aus dem Wasserhahn in Bad und Küche zu trinken.
  8. Katzenmilch kann auch die Ernährung erwachsener Katzen ergänzen. Vitaldrinks mit Fleisch und Fisch von Miamor und Milkies von Animonda sind ebenfalls einen Versuch wert. (Achtung: Die zusätzlichen Kalorien müssen bei der Fütterung mitberechnet werden.)
  9. Geben Sie Trockenfutter höchstens als gelegentliche Leckerchen. Ihre Katze nimmt kein anderes Futter an? Sprühen Sie Wasser über das Trockenfutter oder weichen Sie es ein. Geben Sie es über Feuchtfutter, um die Katze behutsam umzugewöhnen.
  10. Die meisten Katzen lecken gern an Eiswürfeln. Probieren Sie es aus.
Auch zum Spielen prima: tropfende Wasserhähne. (c) 4285105 / Pixabay

Fazit: Flüssigkeit ist entscheidend für die Gesundheit Ihres Stubentigers

Katzen sind Individualisten. Manche trinken aus frisch benutzten Duschen, manche lieben frisches Wasser, manche halten sich an leicht abgestandenes. Wieder andere bevorzugen den tropfenden Wasserhahn. Beobachten Sie Ihre Katze. Unterstützen Sie ihre Trinkvorlieben. Generell ist ein Trinkbrunnen eine sinnvolle Anschaffung. Manchmal brauchen Katzen ein bisschen Zeit, um sich daran zu gewöhnen.

Neuer Trinkbrunnen: Kater Foxy ist noch etwas sprachlos. (c) Michaela Hövermann

Michaela Hövermann

 

Michaela Hövermann ist freiberufliche Texterin und Journalistin. Nach Beendigung ihres Studiums im Jahr 2000 hat sie ihren Traum wahrgemacht und angefangen zu schreiben. Ihre Schwerpunkte sind unter anderem Wirtschaft und Karriere, Technik, Sicherheit, Pädagogik, Psychologie, Liebe, Beziehung und Partnerschaft sowie Gesundheitsthemen. Portfolio: https://michaelahoevermann.contently.com/

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