Heizungen: Gas und Öl bleiben erste Wahl

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In den Medien wird viel über Erneuerbare Energien berichtet. Gemeint sind damit aber meistens diejenigen, mit denen man Ökostrom erzeugen kann wie z. B. Photovoltaik. Im Heizungskeller – dem Schauplatz der Wärmewende – tut sich nicht viel. Seit Jahren dominieren die Fossilen, während es erneuerbare Heiztechniken nach wie vor schwer haben, sich durchzusetzen. Gebäude sind damit immer noch für rund 40 Prozent unserer CO2-Emissionen verantwortlich. Das hat seine Gründe.

Während moderne Neubauten insbesondere aufgrund gesetzgeberischer Vorgaben häufiger auch mal auf Wärmepumpen oder Solarthermie setzen, dominiert im Bestand immer noch der Kesseltausch. Der Systemtausch – also der Wechsel weg von Gas und Öl auf eine erneuerbare Energie – wird wesentlich seltener durchgeführt. So kommt es, dass immer noch die fossilen Heizungssysteme wie Gas- und Ölheizungen in den deutschen Heizungskellern dominieren. Die Gründe sind relativ einfach: Ausschlaggebend für den seit Jahren anhaltenden Sanierungsstau ist das liebe Geld.

Nach den mittlerweile deutlich mehr als 10 Jahren an vielfältigen Förderprogrammen für den Altbau auf Bundes-, Länder und auch kommunaler Ebene überrascht dieses Ergebnis jedoch. Wer sich informiert wird gerade bei der KfW als auch beim BAFA viele Fördermöglichkeiten für Heizungen mit erneuerbarem Energieanteil finden. Über zu wenige Programme kann man sich also nicht beschweren.

Was läuft also schief?

Hierzu müssen Sie zunächst den wirtschaftlichen Rahmen bedenken. Seitdem der Ölpreis und nachfolgend auch der Gaspreis Mitte 2008 den Sinkflug auf deutlich unter 100$ das Barrel angetreten haben, hat sich die Amortisation in eine Wärmepumpe, Pelletheizung & Co. verschlechtert. Viel schwerwiegender sind aber die psychologischen Folgen des Ölpreisabsturzes: Während man früher immer davon ausging, das der Welt bis 2020 das Öl ausgeht, glaubt heute keiner mehr so recht an diese These und damit auch nicht an sehr stark steigende Öl- und Gaskosten in der nächsten Dekade. Das Argument, mit einer Gas- oder Ölheizung auf ein in absehbarer Zeit teures Heizungssystem zu setzen, zieht nicht mehr.

Neben dem Heizkostenargument gibt es aber auch ein Investitionskostenargument: Denn der Systemwechsel bedingt höhere Kosten als der reine Austausch des Heizwärmeerzeugers. Das heißt ganz einfach: Es ist immer noch billiger eine Gasheizung mit einer ebensolchen zu ersetzen, als mit einer Wärmepumpe & Co. Dies belegt auch der “BDEW-Heizkostenvergleich Altbau 2017”: Hinsichtlich der Jahresgesamtkosten ist es immer noch die günstigste Alternative, beim Austauschen der Heizung – einer Teilsanierung eines bereits vorhandenen, zentralen Heizungssystems – wieder das gleiche Heizungssystem zu kaufen. Viele Öl- und Gasheizungen werden deshalb nur mit ebensolchen ersetzt.

Bei derlei Studien sollten Sie sich jedoch nicht täuschen lassen:

Denn für eine Entscheidung für oder gegen einen Systemwechsel sind die Gesamtkosten entscheidend. Und die sind in hohem Maße von den zukünftig zu erwartenden Kosten für Gas, Öl, Strom und Holz abhängig. Hinzu kommt der Kalkulationszinssatz, der sich auch daran bemisst, wieviel Zinsen wir zukünftig auf unser Erspartes bekommen. Die Randbedingungen, die ein solches Ergebnis wie das der BDEW-Studie bedingen, sind also sehr spekulativ und stark vom Studiendesign abhängig.

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Bei der ganzen Kostendiskussion geht jedoch leider immer die ökologische Seite unseres Handelns unter. Wer mit einer fossilen Heizung heizt, der trägt mit seinem CO2-Ausstoß aktiv zur Beschleunigung des Klimawandels bei. Man sollte daher nicht die aktuell “harten” Zahlen zur vermeintlichen Wirtschaftlichkeit einer Ökoheizung zur Beruhigung seines Gewissens heranziehen, sondern aktiv hinterfragen, ob es für einen persönlich nicht einen Mehrwert bietet, aus der fossilen Spirale auszusteigen.

Dieser Mehrwert muss nicht nur rein dem Klima geschuldet sein. Für eine Ökoheizung sprechen viele Gründe: Möchten Sie Ihr Haus z. B. energetisch modernisierten und auf eine nachhaltige Beheizung setzen, werden Sie bei einem späteren Verkauf bessere Chancen auf einen höheren Verkaufspreis haben. Und mit den niedrigeren Heizkosten lassen sich andere Investitionen z. B. in eine Wärmedämmung besser stemmen.

Nicht zuletzt stellen Sie langfristig die Weichen, um bei einem späteren Heizungstausch wieder ein ökologisches Heizsystem zu nutzen, da dieses ja bereits installiert war.

 

 

RJD

 

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