Sommerreifen 2018: Neu, gebraucht oder runderneuert?

Quelle: ADAC/Wolfgang Grube. / ADAC SRT_EPG Italy 2016

Von O bis O – von Oktober bis Ostern – ist in Deutschland und in der Schweiz Winterreifenzeit. Danach darf in der Regel wieder auf Sommerreifen zurückgegriffen werden. Reicht die Profiltiefe nicht mehr aus, muss ein neuer Satz Pneus her. Das kann eine tiefe Lücke ins Budget reißen. Muss es unbedingt der neueste Premiumreifen sein? Was taugen eigentlich gute gebrauchte oder runderneuerte Reifen? Wir haben uns für Sie umgeschaut. Alles Wichtige rund um Sommerbereifung, Sicherheit und die Top-Reifen 2018.

 

Sinnvolle Faustregel?

Ostern fällt jedes Jahr auf einen anderen Tag. Das Osterdatum hängt vom Mondkalender ab: Ostersonntag ist immer der Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühjahr. Das macht die in Deutschland und in der Schweiz geltende Faustregel ungenau. Wer sicher gehen will, dass er die Reifen nicht zu früh umzieht, kann sich an der Temperatur orientieren. Nachts sollten Werte über 7° C erreicht werden. Dann kann die Sommerbereifung aufgezogen werden.

In Österreich gilt zwischen dem 01. November und dem 15. April die Winterausrüstungspflicht. Winterreifen dürfen 4 mm Profil nicht unterschreiten.

Die Schweiz schreibt eine Winterbereifung zwar nicht verbindlich vor. Kommt es allerdings aufgrund falscher Bereifung zu einem Unfall bei Glätte, Schnee und Eis, drohen Bußgelder. Inoffiziell wird meistens auch auf die Faustregel „von O bis O“ zurückgegriffen. Mindestens 1,6 mm Profiltiefe sind bei Reifen generell Pflicht. Empfohlen werden allerdings mindestens 3 mm bei Sommerreifen und mindestens 4 mm bei Winterreifen.

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Warum überhaupt Sommerreifen?

In Österreich dürfen abgefahrene Winterreifen bis zu einer Profiltiefe von 1,6 mm legal im Sommer verwendet werden. Das nutzt laut ARBÖ (Auto-, Motor- und Radfahrerbund Österreichs) jeder vierte Autofahrer im Burgenland.

Es ist in Deutschland ebenfalls erlaubt, im Sommer auf Winterreifen unterwegs zu sein. Allerdings ist das nicht nur Geldverschwendung, sondern ein echtes Sicherheitsrisiko. Winterreifen sind für das Fahren bei Matsch und Schnee optimiert. Sommerreifen für das Fahren bei Hitze und Nässe.

  • Mehr Sicherheit und Grip bei Aquaplaning: Sommerreifen verfügen über Längsrillen, durch die das Regenwasser abgeleitet wird. So verlieren die Reifen ihre Bodenhaftung nicht. Mit Winterreifen beginnt der Wagen bei Aquaplanung zu schwimmen. Er ist nicht mehr kontrollierbar.
  • Weniger Abnutzung: Sommerreifen verfügen über eine deutlich härtere Gummimischung als Winterreifen. Diese hält hohen Umgebungstemperaturen und der Erhitzung durch Reibung stand. Die weicheren Winterreifen nutzen sich sehr viel schneller ab. Schlimmstenfalls muss die Bereifung dann vor dem nächsten Wintereinbruch erneuert werden, weil die Profiltiefe nicht mehr für eine weitere Saison ausreicht.
  • Kürzere Bremswege: Wer Winterreifen im Sommer fährt, muss damit rechnen, dass sich der Bremsweg bei 100 km/h um bis zu 16 Meter verlängert. Das Unfallrisiko ist deutlich erhöht.
  • Mehr Laufruhe: Hochwertige Winterreifen unterscheiden sich in Bezug auf ihre Laufruhe nicht mehr so stark von Sommerreifen. Trotzdem fahren sich Sommerpneus leiser.
  • Geringerer Kraftstoffverbrauch: Der Spritverbrauch ist bei der Nutzung von Sommerreifen geringer.

Welche Profiltiefe sollten Sommerreifen aufweisen?

Wenn Reifen frisch aus der Fertigung kommen, besitzen sie in der Regel eine Profiltiefe von 8 mm. Der Gesetzgeber in Deutschland, Österreich und der Schweiz schreibt eine Mindestprofiltiefe von 1,6 mm vor. Experten des ADAC (Allgemeiner Deutscher Automobil-Club e.V.) raten jedoch dazu, 3 mm Profiltiefe bei Sommerreifen nicht zu unterschreiten. Die Bodenhaftung, gerade bei Aquaplaning, sei mit einer niedrigeren Profiltiefe deutlich schlechter.

Diese Empfehlung hält der deutsche Michelin-Direktor Jürgen John für übertrieben. Der Reifenspezialist spricht von Geld- und Ressourcenverschwendung: „Wenn sie unbeschädigt sind, können moderne Reifen problemlos bis zur gesetzlich vorgeschriebenen Mindestprofiltiefe genutzt werden“, zitiert Focus.

Ein geringeres Reifenprofil wirke sich auf die Beweglichkeit der Profilblöcke aus. Der Rollwiderstand sinkt. Würden Reifen konsequent bis zur Grenze von 1,6 mm Profil genutzt, ließen sich laut Michelin 900 Millionen Liter Kraftstoff sparen. Zusätzlich könne der Kohlendioxidausstoß um drei Millionen Tonnen verringert werden. Es müssten weniger Reifen neu produziert werden. Das wiederum würde sogar sechs Millionen Tonnen an Kohlendioxidemissionen sparen.

Quelle: Fotolia/Jürgen Fälchle

Wie lange dürfen Sommerreifen gefahren werden?

Nach spätestens sechs bis acht Jahren sollten Sommerreifen laut ADAC ausgetauscht werden. Das gilt selbst dann, wenn die Reifen kaum benutzt sind und die Profiltiefe prinzipiell noch ausreicht. Der Grund: Die Gummimischung wird im Laufe der Zeit spröde und rissig. Vorsicht ist besonders bei Fahrzeugen mit einer geringen Jahresfahrleistung geboten.

Wer beispielsweise nur im Sommer mit dem Wohnmobil in Urlaub fährt, setzt die Reifen in diesen Wochen einer starken Belastung aus: Hitze, weite Fahrstrecken, intensive Beladung. Aus Sicherheitsgründen sollte der Reifenwechsel nicht erst auf den letzten Drücker erfolgen.

Runderneuert, gebraucht oder neu?

Die meisten Verbraucher kennen den Test mit der Euromünze: Der Rand des Geldstücks ist 3 mm breit. Im Idealfall sollte er laut ADAC im Profil verschwinden. Ist das nicht mehr der Fall, müssen Sie entscheiden, ob Sie bis zur gesetzlich erlaubten Profiltiefe heruntergehen oder lieber vorher in einen Satz Reifen investieren. Der Neukauf reißt allerdings ein erhebliches Loch ins Budget. Da stellt sich die Frage, ob es unbedingt fabrikneue Modelle sein müssen. Tut es nicht ein Satz runderneuerter oder gut gebrauchter Reifen genauso? Wir werfen einen Blick auf die Alternativen.

Was sind runderneuerte Reifen?

Bei diesem Recycling-Verfahren wird von ausrangierten Reifen die alte Gummischicht maschinell entfernt. Anschließend wird mithilfe von Druck und Hitze eine neue Profillauffläche aufgetragen. Damit sind die Reifen „runderneuert“. PKW-Pneus dürfen im Gegensatz zu LKW-Reifen nur ein einziges Mal aufbereitet werden. Dafür nutzen Aufbereiter in Deutschland nach eigenen Angaben ausschließlich Karkassen namhafter Hersteller. Karkassen sind die Grundgerüste des Reifens. Sie sorgen für die Stabilität der Reifen.

Vorteile:

  • Niedriger Preis: Runderneuerte Reifen sind im Durchschnitt 50 % günstiger als neue.
  • Umweltfreundlichkeit: Für die Produktion eines Neureifens fallen laut BRV beinahe 30 Liter Erdöl an. Für die Runderneuerung sind es rund 6 Liter weniger. Durch das Recycling der Karkasse werden gegenüber der Neuherstellung zusätzlich 70 % Energie gespart.

 

Nachteile:

  • Höherer Verschleiß: Der Abrieb ist 30 – 35 % höher als bei einem Satz neuer Reifen. Vielfahrer sparen hier also nicht. Vor allem Wenigfahrer (rund 10.000 km/Jahr) und Menschen, die nicht auf der Überholspur leben, profitieren von einem Kauf.
  • Unklare Materialqualität: Die Herkunft des Ausgangsmaterials ist nicht bekannt. Der Käufer weiß nicht, wie alt die aufbereiteten Karkassen in Wirklichkeit sind und wie viele Bordsteinkanten sie im Laufe ihres Lebens bereits „rasiert“ haben. Außerdem kann theoretisch jeder Reifen eine andere Karkasse besitzen. Das hat unter Umständen Auswirkungen auf das Fahrverhalten.
  • Ablösung der Lauffläche: In seltenen Fällen lösen sich bei hohen Geschwindigkeiten die Laufflächen ab.
  • Nicht alle Größen verfügbar: Es gibt runderneuerte Reifen nur in den gängigsten Dimensionen.
  • Keine Kennzeichnungspflicht mit dem EU-Label: Beim Kauf erhalten Verbraucher keine Informationen über den Kraftstoffverbrauch, die Laufgeräusche oder die Nasshaftungseigenschaften der runderneuerten Pneus.
Ressourcenverschwendung? Alte Autoreifen
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Woran sind runderneuerte Reifen zu erkennen?

Auf der Flanke von runderneuerten Reifen steht bei PKW-Pneus die ECE-Nummer 108, bei LKW-Reifen die 109. Außerdem findet sich dort der Code für das Land, das für Prüfung und Zulassung zuständig war. In Deutschland handelt es sich um „E1“, in Österreich um „E12“, in der Schweiz um „E14“. (Hinweis: Das bedeutet nicht, dass der Reifen in dem entsprechenden Land hergestellt worden ist!) Ohne E-Kennzeichnung dürfen die Reifen in der EU nicht montiert werden. Zusätzlich findet sich der Vermerk „runderneuert“ („retread“) mit dem Datum der Runderneuerung auf dem Pneu.

Gebrauchte Sommerreifen?

Durch den Kauf von gebrauchten Reifen lässt sich zweifellos eine Menge Geld sparen. Das Angebot auf eBay und Reifenportalen ist groß. Allerdings weiß man nie, ob es bei den angebotenen Pneus versteckte Mängel gibt. Wie ist der Vorbesitzer mit den Reifen umgegangen? Ist er ständig überladen gefahren? Hat er womöglich jede Bordsteinkante mitgenommen?

Reifen, die bereits auf Felgen gezogen sind, kann man sich nicht von der Innenseite her anschauen. Dadurch bleiben eventuelle Schäden unentdeckt. Um sicherzugehen, könnten Sie beim Kauf von gebrauchten Sommerreifen eine qualifizierte Reifenfachwerkstatt mit der eingehenden Prüfung beauftragen. Das kostet zwar eine entsprechende Gebühr. Dafür gibt es Ihnen mehr Sicherheit. Der Reifenkauf ist Vertrauenssache. Wer am falschen Ende spart, riskiert womöglich sein Leben. Wer von einer Privatperson einen Satz Reifen erwirbt, muss sich auf das Wort allein verlassen. Garantie oder ein Rückgaberecht gibt es nicht.

Sommerreifen
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Kriterien beim Kauf gebrauchter Sommerreifen:

Profiltiefe: Je mehr Profil, desto besser. Messen Sie genau nach. Beim Erwerb fabrikneuer Reifen beträgt die Profiltiefe 8 mm.

Alter: Mit 6 bis 8 Jahren haben Autoreifen das Ende ihres Lebens bereits erreicht. Prüfen Sie das Alter der Gebrauchtreifen. Ablesen lässt es sich an der DOT Nummer auf der Flanke. Es handelt sich um vier Ziffern. Die vorderen zeigen die Kalenderwoche, die hinteren das Herstellungsjahr. DOT 1214 bedeutet, die Reifen wurden in der 12. Kalenderwoche des Jahres 2014 hergestellt.

Bisherige Lagerung erfragen: Autoreifen sollten trocken, kühl und dunkel aufbewahrt werden. Sie dürfen nicht mit Benzin oder Öl in Berührung kommen. Ohne Felge empfiehlt sich eine senkrechte Aufbewahrung. Sie sollten regelmäßig gedreht werden. Komplette Räder können einzeln aufgehängt oder gestapelt werden. Tipp: Fragen Sie den Verkäufer nach der Art der Lagerung. Durch eine unsachgemäße Aufbewahrung kann eine Unwucht entstehen. Das Wuchten verursacht zusätzliche Kosten.

Allgemeinzustand beurteilen: Sind detaillierte Fotos im Internet eingestellt? Können Sie die Reifen persönlich besichtigen? Vor einem Kauf sollten Sie die Reifen auf Schnitte, Risse, Beschädigungen oder Verfärbungen untersuchen. Betrachten Sie die Laufflächen und die Flanken. Die Felgen sollten keine Roststellen aufweisen. Entdecken Sie einen Makel, nehmen Sie lieber Abstand von einem Kauf. Möglicherweise ist es ein Hinweis auf eine tiefergehende Beschädigung.

Ausgediente Sommerreifen
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Fabrikneue Sommerreifen!

Wir empfehlen – zu Ihrer eigenen Sicherheit – den Kauf fabrikneuer Reifen beim Fachhändler Ihres Vertrauens. Geld sparen können Sie mit etwas Umsicht dennoch. Das zeigt der aktuelle Sommerreifentest des ADAC: Bei den großen Herstellern können Sie beruhigt die Zweitmarken wählen. Wer die neueste Technik will, muss bei den Premiumprodukten der Hauptmarken zugreifen. Allerdings reizt nicht jeder Fahrer das Potenzial dieser Top-Reifen aus. Wer als Gelegenheitsfahrer mit der Technik der Vorjahre leben kann, findet bei den Zweitmarken echte Schnäppchen. Der ADAC hat 16 Modelle der Reifengröße 205/55 R16 (Kompaktklasse) und 14 Modelle der Dimension 175/65 R14 (Kleinwagen) aufwendig getestet.

Maßgebliche Kriterien waren:

  • Das Verhalten bei trockener und nasser Fahrbahn
  • Verschleißerscheinungen
  • Spritverbrauch
  • Verhalten bei hohen Geschwindigkeiten

Testsetting und Übersicht Reifengröße 205/55 R 16

Getestet wurde bei den Reifen eine Laufleistung von 15.000 Kilometern. Rund 60 % wurden auf der Landstraße, ca. 40 % auf der Autobahn zurückgelegt. Testfahrzeug war ein VW Golf VII 2.0 TDI mit halber Zuladung.

Ergebnisse:

  • Kompaktklasse-Modelle (Dimension: 205/55 R 16): Der Firestone Roadhawk (ab ca. 71,- € / Reifen) erreicht das gleiche Ergebnis wie der Turanza T001 Evo (ab ca. 85,- € / Reifen) von Bridgestone.

 

Übersicht Reifengröße 175/65 R 14

Die 175er-Reifen schneiden im ADAC-Test etwas schlechter ab. Ein Grund könnte darin liegen, dass Neufahrzeuge mit 14-Zöllern nicht mehr hergestellt werden. Möglicherweise ist die Industrie deswegen nicht mehr so stark um diese Dimension bemüht. Die Nachfrage wird in Zukunft deutlich sinken. Momentan fahren noch ältere Modelle mit dieser Reifengröße. Über kurz oder lang wird sich das allerdings erledigen.

Ergebnisse:

Kleinwagen-Modelle (Dimension: 175/65 R 14): Der Falken Sincera SN8 32 Ecorun (ca. 38,- € / Reifen), ein Ableger des japanischen Herstellers Sumitomo) und die Conti-Zweitmarke Semperit Comfort-Life 2 (Ca. 42,- € / Reifen) sind mit den Noten 2,3 beziehungsweise 2,4 Testsieger.

 

 

Spartipps beim Sommerreifen-Kauf:

  1. Sind Sie Vielfahrer? Sinnvoll ist in dem Fall der Kauf eines teureren Premium-Reifens, der sich weniger schnell abnutzt.
  2. Schauen Sie sich als Gelegenheits- oder Wenigfahrer die Angebote der Zweitmarken an.
  3. Vergleichen Sie die Preise bei unterschiedlichen Händlern.
  4. Laut dem Vergleichsportal Idealo sind Sommerreifen im April günstiger zu erwerben als in den Monaten davor und danach. Das ergab eine Jahresauswertung. Wer neue Reifen braucht, sollte also möglichst gleich nach Ostern zuschlagen.

Michaela Hövermann

 

Michaela Hövermann ist freiberufliche Texterin und Journalistin. Nach Beendigung ihres Studiums im Jahr 2000 hat sie ihren Traum wahrgemacht und angefangen zu schreiben. Ihre Schwerpunkte sind unter anderem Wirtschaft und Karriere, Technik, Sicherheit, Pädagogik, Psychologie, Liebe, Beziehung und Partnerschaft sowie Gesundheitsthemen. Portfolio: https://michaelahoevermann.contently.com/

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