Die Szene der phantastischen Literatur auf dem BuCon getroffen

Buchmesse eingangshalle
nile / Pixabay

Im Oktober blickt die Buchwelt nach Frankfurt, denn in den Messehallen der Frankfurter Buchmesse tummelt sich die schreibende Zunft. Zeitgleich fand dieses Jahr zum 33. Mal eine kleine, feine Messe statt, auf der sich die deutschsprachige Phantastik-Szene trifft und selbstbewusst feiert, der Buchmesse Convent. Eine Veranstaltung für alle, die Bücher lieben und dabei in fremde Welten eintauchen wollen.

Raus aus Frankfurt in eine neue Dimension

Was wäre, wenn es ein Dimensionstor gäbe, das einen direkt vom Gedränge der großen Frankfurter Messehallen in eine überschaubarere Welt aus Büchern und Texten katapultiert? Wer schon einmal auf der Frankfurter Buchmesse, der größten Veranstaltung dieser Art weltweit, gewesen ist, wird das Gefühl des „Erschlagen-werdens“ von der schieren Anzahl der ausgestellten Bücher und Angebote sicher kennen. Zu viele Möglichkeiten, so viele interessante Lesungen und überall endlose Menschentrauben. Kein Zweifel, die Buchmesse ist das Mekka der Lesenden und Schreibenden. Dennoch, etwas mehr Ruhe, Muse und Zeit wären schön. Oder?

Der BuCon hält, was die große Messe verspricht

Dieses Dimensionstor gibt es nicht. Aber nur eine kurze Autofahrt südlich liegt das beschauliche Dreieich und das verwandelt sich einmal im Jahr, zeitgleich zum großen Bruder in Frankfurt, in das Eldorado der Phantastik. Auf dem Buchmesse Convent, kurz BuCon, treffen sich diejenigen Verlage, Autoren und Leser, die sich mit ihren Büchern am liebsten in fremde Welten entführen lassen, Abenteuer erleben, durch die Galaxien gleiten, epische Schlachten schlagen, exotische Wesen treffen und den Alltag weit, weit hinter sich lassen wollen. In den Bürgerhäusern Dreieichs drängen sich etwa 50 Aussteller und jedes Jahr gibt es mehr Anfragen für die begehrten Tische. Im Schnitt mehrere hundert Besucher lockt der BuCon am Messe-Samstag an; Tendenz steigend. Und so manche interessante Karriere begann schon auf diesem höchst fruchtbaren Nährboden.

Im Bild: Autor Jörg Fuchs Alameda, Marc Hamacher vom Leseratten verlag und Autor Isbjörn Laurence (von links)

Debüt-Autoren, Kleinverlage und die Großen der Branche

Auf dem BuCon präsentieren sich vor allem kleine Verlage, häufig One-Man- bzw. One-Woman-Shows, die mit richtig viel Herzblut und Unternehmergeist genau die Bücher verlegen, die sie selber gerne lesen. Autoren-Neulinge, die sich auf dem deutschen Buchmarkt, der in weiten Teilen hauptsächlich von ausländischen Lizenzen lebt, naturgemäß schwer tun, finden hier ein einmaliges Umfeld, das zu einem echten Sprungbrett werden kann. Aber auch die großen Namen der Szene kehren immer wieder gerne dorthin zurück, wo ihre Karrieren ihren Anfang nahmen. Der seit 2014 jährlich verliehene BuCon-Ehrenpreis zeichnet diejenigen von ihnen aus, die sich besonders um die Phantastik verdient gemacht haben. Diesjähriger Preisträger ist Erik Schreiber, der sich damit in die Riege illustrer Vorgänger wie die Phantastik-Stars Wolfgang Hohlbein, Bernhard Hennen oder Thomas Le Blanc, der Gründer der Phantastischen Bibliothek in Wetzlar einreiht.

Sehen und gesehen werden

Das größte Treffen für phantastische Literatur in Deutschland ist vor allem eins: ein großes Familientreffen. Man kennt sich, begleitet sich gegenseitig oft schon viele Jahre, oder man lernt sich kennen, denn der BuCon bietet – anders als die Frankfurter Messe – noch viel Raum für Gespräche. Neben der Ausstellung im Hauptsaal, während der sich die Standbesitzer gern und ausgiebig ihren potentiellen Kunden und Autoren widmen, findet ein buntes Programm an Lesungen und Buch-Präsentationen statt. Auch für das leibliche Wohl der Besucher und Aussteller ist natürlich gesorgt und dieses Jahr ließ es sich sogar noch hervorragend vor dem Eingang in der Sonne sitzen, um zu verschnaufen oder in die frisch erworbenen und persönlich signierten Buch-Käufe hineinzuschmökern.

Fantasy ist ja keine richtige Literatur

Gerade die Phantastik kämpft in Deutschland immer noch mit dem sich hartnäckig haltenden Vorurteil, sie wäre zu seicht, hätte keinen Tiefgang und würde lediglich unterhalten wollen. Dabei bieten doch gerade Genres wie Science-Fiction, traditionelle Fantasy oder auch Horror hervorragende Möglichkeiten der realen Welt einen fiktiven Spiegel vorzuhalten und die gesellschaftlichen oder politischen Entwicklungen zu konterkarieren, zu persiflieren und satirisch aufzuarbeiten. Im englischsprachigen Raum gibt es die hierzulande verbreitete Unterscheidung zwischen ernsthafter Literatur und reiner Unterhaltung gar nicht, vielleicht ist auch deshalb die britische oder amerikanische Phantastik schon bedeutend weiter. Das heißt jedoch nicht, dass es keine guten deutschsprachigen Phantastik-Autoren gäbe oder diese von deutschen Verlagen nicht ausreichend repräsentiert würden. Dafür sorgen schon die vielen Kleinverlage und Selfpublisher, die tapfer den großen Publikumsverlagen trotzen. Auf dem BuCon kommen sie alle zusammen, treffen sich, tauschen sich aus, bahnen neue spannende Projekte an, spinnen Pläne und feiern. Sie feiern sich und die Buntheit und Vielfalt der Buch-Welt, die sie selbst am allermeisten bereichern.

Weiterführende Links:

www.buchmesse.de/
www.buchmessecon.de/index.php
www.dreieich.de/
www.buergerhaeuser-dreieich.de/
www.hohlbein.de/neu/aktuelles.php
www.bernhardhennen.de/
www.phantastik.eu/
de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Le_Blanc

Veronika Lackerbauer 

Veronika Lackerbauer lebt und schreibt in der Nähe von Landshut, Niederbayern. Sie ist Diplom-Kauffrau für Tourismus und hat einen Master in European Studies, seit 2013 arbeitet sie als Dozentin für Deutsch als Fremdsprache und berufliche Integration. Ihre wahre Leidenschaft ist jedoch das Schreiben. 2014 debütierte sie mit ihrem Fantasy-Roman “Burgfried” im Verlag ohneohren. Neben Fantasy schreibt Veronika auch Regional-Krimis, historische Romane und Kurzgeschichten.

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