Warum Vegetarier Soja-Schnitzel essen.

Schnitzel für Vegetarier
Monsterkoi / Pixabay

Findest Du es nicht paradox, als Vegetarier Fleisch und Wurst aus Ersatzprodukten zu essen?“ Keine Ahnung, wie oft ich die Frage inzwischen schon gehört habe. Nein, ich finde es nicht paradox. Und ich erkläre auch gern, warum.

Vor einigen Jahren musste man sie noch für teures Geld im Reformhaus kaufen, inzwischen gehören sie zum Standardsortiment der meisten Supermärkte: Zwischen Salami, Bratwurst und Wiener Schnitzel findet man immer mehr Soja-Aufschnitt, Seitanwurst und Veggie-Nuggets. Dass sie genauso heißen wie ihre fleischlichen Doppelgänger, finden viele befremdlich – ich finde es super!

Tiertransporte – nein, danke!

Seit mehr als 20 Jahren esse ich nun schon kein Fleisch. Und zwar nicht aus gesundheitlichen Gründen, sondern ganz naiv „wegen der Tiere“. Oder besser gesagt: wegen der Tiertransporte. Und wegen der Zustände in den Schlachthöfen. Genau darüber habe ich einfach zu viele Filme gesehen, und dann gab es genau zwei Möglichkeiten. Nummer eins: „Oh, die armen Tiere, das kann ich mir gar nicht angucken!“ Fernseher aus und ins Wurstbrot gebissen. Nummer zwei: „Dafür möchte ich nicht verantwortlich sein.“ Fernseher anlassen und Essensgewohnheiten umstellen.

Ich würde lügen, wenn ich sage, dass es mir leicht gefallen ist. Ganz im Gegenteil: Schnitzel, Currywurst, Burger und Co. fand ich schon immer extrem lecker. Wenn ich an die Schmorgurken-Hack-Sauce meiner Mama denke, könnte ich heute noch schwach werden. Und den Geruch von lecker gegrilltem Bauchfleisch empfinde ich selbst heute nach all den Jahren noch als extrem gemein. Trotzdem: Ich habe mich dafür entschieden, bewusst auf Fleisch zu verzichten, und so lange sich an den Umständen nichts ändert, möchte ich dabei bleiben.

Als Vegetarier muss ich nicht mehr aufs Schnitzel verzichten.

Deshalb freue ich mich über die Flut an vegetarischen Produkten, die bei manch anderen Menschen Unverständnis auslöst. „Warum isst Du denn Schnitzel, wenn Du doch Vegetarier bist?“ Ich weiß nicht, wie oft ich diese Frage schon gehört habe. Und genauso oft habe ich mich darüber gewundert. Denn auch, wenn die Produkte „Wurst“ und „Schnitzel“ heißen – Fleisch ist ja trotzdem nicht drin. Aber sie geben mir das Gefühl, dass ich auf die Dinge, die ich lange gern gegessen habe, nicht mehr verzichten muss. Denn das ist es nach all den Jahren tatsächlich noch immer: ein Verzicht. Jetzt kann ich mir beim Grillen meine eigenen Würstchen auf den Rost legen oder mir zu den Pommes ein fleischfreies Schnitzel in die Pfanne hauen. Und auch die Schmorgurken-Hack-Sauce lässt sich mit dem Ersatz-Hack annähernd ähnlich zubereiten. Dank der Vielzahl der Produkte findet man für fast alles eine Alternative, die beinahe genauso schmeckt.

Seitan-Wurst & Soja-Schnitzel: Ist der Name das Problem?

Trotzdem stören sich vor allem Fleischesser an den Namen der vegetarischen Produkte. Anders kann ich mich nicht erklären, dass immer wieder dieselbe Diskussion aufkommt. Oder dass unter vielen Artikeln zum Thema in mehr als gereizter Stimmung diskutiert wird. Denn wenn Karl-Heinz im Supermarkt Wurst kauft, will er schließlich auch Wurst essen und nicht versehentlich einen komischen Ersatz. Mein Tipp für diesen Fall: Lesen hilft 🙂 Im Normalfall steht ziemlich gut erkennbar drauf, dass das Ganze „fleischfrei“ ist. Schließlich wollen auch die Hersteller ihre Zielgruppe erreichen und nicht passionierte Fleischesser.

Sojamilch darf nicht mehr „Milch“ heißen.

Dass die Bezeichnung der Veggie-Produkte tatsächlich ein Thema ist, hat schon das Beispiel Milch gezeigt. Auch da gab es bis Juni 2017 unzählige Alternativen: Soja-Milch, Reis-Milch, Mandel-Milch und viele andere. Die Getränke gibt es immer noch, allerdings dürfen sie nicht mehr „Milch“ heißen. Das gleiche gilt für veganen Käse, veganen Joghurt oder pflanzliche Butter. Das hat der Europäische Gerichtshof entschieden – das Thema scheint also wichtiger zu sein, als man annimmt.

Vegetarische oder vegane Produkte wie Würstchen und Schnitzel aus Seiten, Soja oder Tofu sind von der Regelung bisher nicht betroffen. Und so lange das so bleibt, genieße ich als Vegetarier weiter meine vegetarischen Würstchen, Schnitzel, Burger und Co.

Wiebke Tegtmeyer

Über Wiebke Tegtmeyer 2 Artikel
Hamburger Deern und zweifach Mama. Beschäftigt sich mit allen Themen rund um Familie, Kinder und Elternsein. Fotografiert gern und interessiert sich für Musik, Hamburg, Fußball und Veggie-Themen. Nach dem Volontariat zur Online-Redakteurin arbeitet Wiebke als Texterin mit zusätzlichen Schwerpunkten SEO und Social Media und fotografiert nebenberuflich Konzerte,

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


*