Love is in the bin – Ein Portrait des Street-Art-Künstlers Banksy

BarbaraALane / Pixabay


Niemand weiß genau, wer er wirklich ist oder wie er mit bürgerlichem Namen heißt, doch weltweit kennt man das Pseudonym. Banksy. Es steht für Street-Art, für Guerilla-Kunst, für magische Momente, politische Mitbestimmung, für Provokation, Ablehnung und Hingabe. Banksy steht für einen Ausnahmekünstler, der gerade durch seine vehemente Ablehnung jeglichen Star-Rummels zum größten Star der Graffiti-Kunstszene wurde.

Am nächsten kommt man Banksy, dem Menschen hinter dem Pseudonym, wohl über seine Kunst. Meist sind es einfach Schablonengraffiti, deren Zauber sind gerade durch ihre Schlichtheit entfaltet. Sein berühmtestes Wert, das Mädchen mit dem roten Ballon, zeigt den Scherenschnitt eines kleinen Mädchens mit vom Wind verwehtem Haar, das einen roten, herzförmigen Ballon fliegen lässt. Es tauchte 2002 an einer Hauswand in London auf. 2018 wurde es bei einer Sotheby’s Auktion für gut 1 Million Pfund versteigert. Die Marke Banksy ist in der Kunstszene ganz oben angekommen. Sie lässt sich messen mit Größen wie Andy Warhol, Roy Lichtenstein oder Keith Haring. Der Kunstmarkt hat längst einen Weg gefunden, seinen Profit mit dem Enfant-terrible Banksy zu machen.

Star wider Willen

Doch Banksy will kein Star sein. Er tritt nicht öffentlich auf, zeigt bei Interviews niemals sein Gesicht, gibt keine Einblicke in sein Leben. In seinem Wikipedia-Artikel steht vermutlich 1974 in Bristol geboren. Genauer weiß man es nicht. Es spielt keine Rolle für das Phänomen Banksy. Auch das ist Teil der Inszenierung. Er hält der Gesellschaft den Spiegel vor, mit seinen Bildern, mit seinen Installationen und mit seiner Verweigerungshaltung. Als das Ballon-Girl im renommierten Auktionshaus über den Ladentisch gehen soll, zerstört es sich mittels im Rahmen eingebautem Schredder selbst. Vor den Augen der Welt rutscht das teure Werk durch den Schredder und kommt in Streifen geschnitten unten wieder heraus. Die Käuferin wollte es dennoch. Seitdem heißt es “Love is in the bin” und vermutlich hat es durch den Vorfall eher noch an Wert gewonnen.

Immer auch dort, wo’s weh tut

Er könnte längst nur noch dort sprayen, wo seine Werke Anerkennung finden. Die größten Museen der Welt würden dafür ihre Wände freimachen, wenn der große Street-Art-Künstler sich die Ehre gäbe. Doch Banksy macht nie das, womit seine Bewunderer rechnen oder was von ihm erwartet wird. Seine Bilder tauchen einfach auf. Zum Beispiel auf der Grenzmauer zwischen Israel und den palästinensischen Autonomiegebieten. In Disneyland installierte Banksy 2006 die stilisierte Puppe eines Guantanamo-Häftlings. Er schont sein Publikum nicht. Er legt den Finger in die Wunde, genau dorthin wo es weh tut. Seine Werke sind dabei immer auch ein politisches Statement.

Exit through the gift shop

2010 erschien der Dokumentarfilm „Exit through the gift shop“, in dem der französische Filmemacher Thierry Guetta den Street-Art-Künstlern Invader und Banksy folgt und ihre Arbeit dokumentiert. Im Laufe des Filmes wechselt die Perspektive, denn Banksy verführt Guetta selbst zur Straßenkunst. Und plötzlich wird aus dem Filmemacher der Hauptakteur des Films, den Banksy inszeniert. „Exit through the gift shop“ ist ein geniales Beispiel der Banksy-Kunst, ein beeindruckender Einblick in die Welt der Street-Art und ein Gesamtkunstwerk, das 2011 sogar für den Oscar nominiert wurde. Und Thierry Guettas Kunst ist inzwischen ebenso bekannt wie die Banksys.

Der Unbegreifliche

Graffiti-Sprayer bewegen sich oft jenseits der Grenze zur Legalität. Sie kommen nachts, bringen ihre Werke hastig auf Brücken, Unterführungen, Eisenbahnwagons oder Hauswände an und tauchen dann schnell wieder unter. So einer ist Banksy. Oder war? Straßenkunst, die im Kunstbetrieb bis dahin ein Schattendasein führt, macht er zum Erfolgsmodell, den Erfolg selbst nutzt er zu neuer Provokation. Banksy ist und bleibt ein Phänomen. In einer Welt ohne Regeln bricht er sie alle.

http://www.banksy.co.uk/

 

Veronika Lackerbauer

 

Veronika Lackerbauer lebt und schreibt in der Nähe von Landshut, Niederbayern. Sie ist Diplom-Kauffrau für Tourismus und hat einen Master in European Studies, seit 2013 arbeitet sie als Dozentin für Deutsch als Fremdsprache und berufliche Integration. Ihre wahre Leidenschaft ist jedoch das Schreiben. 2014 debütierte sie mit ihrem Fantasy-Roman “Burgfried” im Verlag ohneohren. Neben Fantasy schreibt Veronika auch Regional-Krimis, historische Romane und Kurzgeschichten.

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