Gartenpflege: Welche Sträucher werden im Frühling geschnitten?

Sträucher Buddleja Pixi Blue
Der Sommerflieder (Buddleja davidii) ist ein Kandidat für den Frühjahrsschnitt (Foto: Martina Meidinger)

Wer seine Sträucher schneiden muss, um sie klein zu halten, hat bereits beim Kauf den ersten Fehler begangen. In gut sortierten Baumschulen werden von nahezu allen Gartengehölzen verschiedene Varianten mit unterschiedlichen Eigenschaften angeboten. Darunter auch niedrig bleibende Sorten oder Zwergformen, die sogar in einem Kübel Platz finden. Diese sollten zwar auch gelegentlich geschnitten werden, allerdings weniger wegen Platzproblemen, sondern eher aus kosmetischen Gründen.

Ein Gartenkonzept, bei dem die Sträucher zu voller Größe heranwachsen dürfen, erfordert vielleicht etwas mehr Vorbereitung bei der Pflanzenwahl, erleichtert aber die spätere Pflege ungemein. Dann müssen die Sträucher nämlich nicht mehr jedes Jahr in radikalen Aktionen heruntergesäbelt werden. Der Schnitt erfolgt dann vorwiegend zur Korrektur der Wuchsform und zum Ausputzen von krankem oder totem Holz. Optisch wertet es eine Pflanzung ungemein auf, wenn die Sträucher ihren natürlichen Habitus entfalten und zu ihrer vollen Größe heranwachsen dürfen. Wählen Sie also Sorten, die in Form und Größe zu Ihrem Garten passen. Dann ist das Scheiden kein Kraftakt, sondern eine kreative Tätigkeit, mit der Sie die Schönheit der Pflanzen unterstreichen können.

Ein paar Gehölze gibt es dennoch, die von einem jährlichen kräftigen Rückschnitt profitieren. Es handelt sich um diejenigen, die am einjährigen Holz blühen. Weil der Schnitt den Neuaustrieb und dieser wiederum die Blütenbildung anregt, muss man sich beim Schneiden dieser Arten im Frühling nicht zurückhalten. Aber Vorsicht: das gilt längst nicht für alle Sträucher! Gehölze die am älteren Holz blühen, wie Flieder, Jasmin, Weigelie oder Schneeball, werden im Idealfall erst nach der Blüte geschnitten und dann oftmals nur ausgelichtet.

Selbst wenn man nicht weiß, welche Sträucher man im Garten stehen hat, kann man den Schnitt auf das Blühverhalten abstimmen. Als Faustregel gilt: Frühjahrsblüher werden erst nach der Blüte geschnitten, weil sie die Blüten bereits im Vorjahr angelegt haben. Sträucher die ab Juni oder später blühen, tragen ihren Flor oft am einjährigen Holz und profitieren von einem Schnitt. Allerdings gibt es auch Sommerblüher, die am älteren Holz blühen. Hier heißt es also: genau hinschauen!

Sommerspiere
Sommerspieren blühen nach einem kräftigen Rückschnitt besonders lang (Foto: Martina Meidinger)

Diese Gehölze sollten Sie im Frühjahr schneiden

Im ausgehenden Winter oder im zeitigen Frühling werden alle Sträucher geschnitten, die am sogenannten einjährigen Holz blühen. Damit ist der diesjährige Austrieb gemeint. Diese Sträucher sind in der Regel sehr wuchsstark, aber das Holz ist entsprechend instabil und sollte deshalb verjüngt werden. Der Rückschnitt regt den Neuaustrieb und damit die Blütenbildung an. Da es eine Zeit dauert, bis sich die Pflanze neu aufgebaut hat, blühen diese Vertreter üblicherweise erst im Sommer. Dazu gehören:

  • Halbsträucher wie Bartblume, Blauraute, Fingerstrauch, Johanniskraut, Lavendel
  • Sommerspieren (Spiraea bumalda und Spiraea japonica)
  • Straucheibisch (Hibiscus syriacus)
  • Sommerflieder (Buddleja davidii)
  • Rosen (unterschiedlicher Schnitt, je nach Gruppen und Klassen)
  • Rispenhortensien und Gartenhortensie ‘Annabelle’

Wie werden sommerblühende Sträucher geschnitten?

In der Regel handelt es sich um Gehölze, die sich innerhalb einer Vegetationsperiode weitestgehend neu aufbauen können. Deshalb darf man die meisten von ihnen auch radikal zurück schneiden. Bei den Halbsträuchern ist das einfach, weil hier die oberen zwei Drittel ohnehin nicht verholzt sind. Sie lassen sich sogar mit der Heckenschere schneiden. Auch Kleingehölzen wie den Sommerspieren kann man maschinell oder von Hand einen schnellen Rundschnitt verpassen. Der Sommerflieder wird um einiges höher, profitiert aber ebenfalls von einem kräftigen Schnitt. Allerdings benötigt man hierfür bei älteren Exemplaren eventuell die Säge. Etwas abweichend verhält sich der Hibiskus. Er wächst nicht so stark nach, obwohl auch er am einjährigen Holz blüht. Hier reicht es, wenn man alle Triebe ringsherum moderat einkürzt.

Rosen: Schnitt nach Gruppen und Klassen

Rosen werden ebenfalls im Frühjahr geschnitten und hier ist der Zeitpunkt besonders wichtig. Schneidet man sie zu früh, besteht die Gefahr, dass der neue Austrieb durch Spätfröste geschädigt wird. Dennoch sollte der Schnitt rechtzeitig erfolgen, ehe das Wachstum schon zu weit fortgeschritten ist. Der Datumskalender ist hierbei keine große Hilfe, weil sich der Frühling nicht an feste Termine hält. Besser ist der Phänologische Kalender, der die Stadien des Wachstums anhand von Naturerscheinungen einordnet. Der phänologische Kalender empfiehlt die Blütezeit der Forsythie als idealen Zeitraum für den Rosenschnitt. Je nach Witterung kann das bereits Ende Februar, aber auch erst im April sein. Rosen werden in Gruppen und Klassen eingeteilt und dementsprechend unterschiedlich geschnitten.

Hortensien: nicht alle Arten werden geschnitten

Bei den Hortensien gibt es verschiedene Arten, die aber nicht alle das selbe Blühverhalten zeigen. Die beliebten Bauernhortensien, aber auch Samt-, Eichenblatt- und Kletterhortensien bilden ihre Blüten bereits im Vorjahr. An ihnen sollte man möglichst nicht herum schnippeln, sondern nur krankes und abgestorbenes Holz entfernen und ältere Exemplare gegebenenfalls etwas auslichten. Es gibt aber 2 Arten, die am neuen Austrieb blühen und deshalb von einem Schnitt profitieren können. Die bekannte Gartenhortensie (Hydrangea arborescens) ‘Annabelle’ ist so eine Kandidatin. Wenn sie stark zurück geschnitten wird, bleibt sie schön kompakt und bekommt besonders große Blüten. ‘Annabelle’ darf man bodennah abschneiden, da die zahlreichen dünnen Triebe ohnehin bruchgefährdet sind.

Die Rispenhortensie (Hydrangea paniculata) bildet stabilere Äste aus. Bei ihr kann man deshalb ein Grundgerüst stehen lassen und dieses bis auf die erste Verzweigung einkürzen. Hier gibt es allerdings zwei Ausnahmen: die Sorten ‘Dharuma’ und ‘Praecox’ blühen am älteren Holz und sollten deshalb möglichst nicht geschnitten werden. Wieder ein Grund mehr, sich die Sortennamen der Pflanzen zu notieren. Sowohl ‘Annabelle’ als auch die Rispenhortensien blühen auch ohne Schnitt. Allerdings bleiben die Blüten dann kleiner und der Wuchs kann mit der Zeit etwas aus der Form geraten.

Das richtige Werkzeug für den Gehölzschnitt

Im Grunde reichen zwei Werkzeuge aus: eine gute Gartenschere und eine stabile Klappsäge. Eine Astschere mit langen Griffen ist nicht unbedingt nötig. Zum Schnitt stärkerer Äste direkt am Strauch ist ohnehin die Klappsäge besser geeignet, weil man damit auch an engen Stellen noch arbeiten kann. Mit einer Qualitätsschere lassen sich Äste bis zu einem Durchmesser von 30 mm durchtrennen. Ab 35 mm benötigt man meistens schon die Säge, somit ist der sinnvolle Einsatzbereich einer Astschere sehr begrenzt. Dennoch kann eine Astschere manchmal sehr hilfreich sein. Etwa zum Zerkleinern größerer Mengen Schnittgut oder zum schnellen Erreichen etwas höher gelegener Schnittstellen ohne Leiter.

Bei hochwertigen Gartenscheren können die Verschleißteile einzeln nachgekauft werden. Wie in der Küche oder beim Heimwerken gilt auch im Garten: “Gutes Werkzeug ist die halbe Arbeit.” Sämtliche Schneidewerkzeuge sollten regelmäßig geölt und nachgeschärft werden. Dann geht das Schneiden leicht von der Hand und die Gartenarbeit macht Spaß.

Martina Meidinger

Martina Meidinger ist Landschaftsgärtnerin und Gartenbuchautorin. 2009 hat sie den Gartenkulturführer gegründet, ein Veranstaltungsmagazin für Gartenfreunde in Bayern, für das sie nach wie vor als Texterin und Redakteurin tätig ist. Wenn sie nicht gerade im Garten ackert, bearbeitet sie ihr Lieblingsthema an der Tastatur.

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1 Kommentar

  1. Diese Hecken treiben nach dem Rückschnitt wieder üppig aus und bilden durch die verschiedene Altersstruktur eine große Lebensraumvielfalt.

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