Todesfall in der Familie: Warum Sie Ihr Kind mit zur Beerdigung nehmen sollten

Kind von hinten auf einem Friedhof
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Kinder und Beerdigungen, das passt einfach nicht zusammen, oder? Doch! Unbedingt! So gerne wir unsere Kinder vom Thema Tod fernhalten wollen, unsere Aufgabe ist eine andere: ihnen zu helfen, einen guten Umgang damit zu finden.

Lasst Kinder trauern – auch auf der Beerdigung!

Bei einer Beerdigung kommt die ganze Familie zusammen. Manchmal trifft man Menschen, zu denen jahrelang kein Kontakt bestand. Nur die Kinder fehlen bei der Beerdigung leider viel zu oft. Man hält sie fern vom Tod, möchte ihnen die Beschäftigung damit nicht zumuten, traut ihnen nicht zu, damit fertig zu werden. Doch dabei wird oft etwas Wichtiges übersehen:

Wenn im engen Familien- oder Freundeskreis jemand stirbt, sind die Kinder genauso beteiligt. Sie bekommen mit, dass etwas Schlimmes passiert ist. Sie merken den Erwachsenen ihre Trauer und ihre Verwirrung an, ohne sie einordnen zu können. Und sie spüren selbst Verlust, Angst und Trauer. Wenn wir sie aber von den Geschehnissen rund um das Sterben und den Tod ausschließen, lernen sie vor allem zwei Dinge:

  1. „Die Erwachsenen wollen mit mir nicht über den Tod reden.“ Gut möglich, dass sie das Thema dann ebenfalls vermeiden und nicht darüber sprechen, was sie bedrückt oder ihnen Angst macht.

  2. „Auf der Bestattung muss ja etwas wirklich Schreckliches passieren, wenn ich nicht dabei sein darf.“ Im blödesten Fall schürt man damit die Ängste vor dem Tod noch.

Kinder sollten so gut wie möglich (und natürlich auf kindgerechte Art und Weise) in die Geschehnisse einbezogen werden. Dazu gehört auch die Beerdigung. Außerdem natürlich Gespräche, in denen man den Kindern erklärt, was passiert, sie auffängt und tröstet.

Männer tragen einen blumengeschmückten Sarg
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Warum Bestattungen wichtig sind:

Für uns Erwachsene ist eine Bestattung der Abschluss eines Weges, den wir gemeinsam mit dem Verstorbenen gehen. Sie hilft dabei, den Tod zu begreifen und Abschied zu nehmen. Und sie ist nicht zuletzt auch ein Zusammenkommen von Familie und Freunden. Die Unterstützung anderer hilft bei der Bewältigung. Und mit einer schönen Trauerfeier haben wir das gute Gefühl, dem Verstorbenen noch etwas Gutes zu tun.

Für Kinder ist das nicht viel anders: Auch für sie kann die Bestattung ein Weg sein, sich zu verabschieden und den Tod ein bisschen mehr zu verstehen. Diese Möglichkeit sollten wir ihnen geben. Jedenfalls dann, wenn sie selbst einen Verlust erleben, also wenn sie den Verstorbenen gekannt und gemocht haben. Stirbt eine entfernte Großtante oder ein loser Bekannter der Eltern, dann ist es für die Kinder nicht so wichtig, dabei zu sein.

6 Gegenargumente (und was ich dazu zu sagen habe)

Natürlich gibt es eine Menge Argumente gegen Kinder auf Beerdigungen:

1. „Mein Kind soll mich nicht weinen sehen.“

Ein Todesfall gehört zu den traurigsten Dingen, die wir erleben. Und wenn man traurig ist, weint man. Auch als Erwachsener. Selbst als Mann. Und das ist in Ordnung. Ich finde, das dürfen und sollen Kinder ruhig erleben. Es hilft ihnen, selbst mit ihren Gefühlen umgehen zu lernen.

2. „Mein Kind ist noch viel zu klein, es versteht doch gar nicht, was da passiert.“

Stimmt, das versteht es wahrscheinlich nicht so richtig. Aber ganz ehrlich: Wir als Erwachsene verstehen es doch auch nicht ganz, oder? Ich arbeite als Hospizbegleiterin seit Jahren mit Sterbenden und ich habe noch längst nicht das Gefühl, alles zu begreifen. Das ist ein Prozess: Mit jedem Mal, wenn wir uns mit dem Thema Tod beschäftigen, verstehen wir ein bisschen mehr. Das gilt auch für Kinder. Diese Beerdigung kann ein wichtiger Schritt dafür sein.

3. „Mein Kind würde die Beerdigung nicht verkraften.“

Kinder gehen mit dem Thema Tod anders um als Erwachsene. Sie können viel leichter von tiefer Trauer zu Fröhlichkeit umschalten. Und sie sind viel unbefangener als wir. Damit sind sie vor Schaden gut geschützt. Die Trauer spüren sie natürlich, und sie kann sehr schlimm sein. Aber die Trauer können wir ihnen sowieso nicht ersparen, wenn es um einen geliebten Menschen geht.

Umgekehrt kann auch das Ausschließen von der Bestattung Schaden anrichten: Ich kenne eine ganze Reihe von Menschen, die noch als Erwachsene bedauern, dass sie als Kind zur Beerdigung der Großeltern oder anderer naher Verwandter nicht mitkommen durften. Und noch etwas kommt dazu: Wenn Kinder nicht dabei sind, stellen sie sich die Bestattung womöglich noch schlimmer vor, als sie eigentlich ist.

Kinderhand nimmt Herbstblatt aus einer Pfütze
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4. „Ich kann selbst nicht richtig trauern, wenn ich mich bei der Beerdigung um mein Kind kümmern muss.

Natürlich kann es sein, dass Mama oder Papa sich selbst nicht so stark auf die Bestattung einlassen können, wenn sie dabei auf die Kinder schauen müssen. Aber ist das Grund, den Kindern diese Möglichkeit gleich ganz zu nehmen? Sehr hilfreich kann es sein, eine Person mitzunehmen, die nicht ganz so eng vom Todesfall betroffen ist und sich während der Bestattung um das Kind kümmert. Vielleicht eine Freundin oder ein Nachbar, die/den das Kind gut kennt?

5. „Mein Kind stört vielleicht die Bestattung.“

Solange es nicht gerade in der Kirche Fußball spielt, sehe ich diese Gefahr nicht. Im Gegenteil: Es kann sehr wohltuend sein, neben der Trauer und dem Tod auch die Lebendigkeit zu erleben, die Kinder verkörpern.

6. „Mein Kind will aber gar nicht zur Bestattung gehen.“

Wenn Sie als Eltern mit Ihrem (größeren) Kind im engen Gespräch sind und es dann nicht mitkommen möchte, ist das natürlich völlig in Ordnung. Allerdings sollten Sie genauer hinschauen: Ist es vielleicht nur Angst vor dem Unbekannten, der das Kind ausweichen möchte? Dann können Sie versuchen, ihm diese Angst behutsam zu nehmen. Finden Sie in jedem Fall andere Möglichkeiten, sich mit dem Thema Tod zu beschäftigen. Sie könnten zum Beispiel einige Tage nach der Bestattung gemeinsam zum Friedhof gehen und sich alles anschauen.

Generell gilt: Finden Sie eine Lösung, die zu Ihrer Familie und Ihrem Kind passt. Aber falsche Rücksichtnahme ist kein guter Grund, die Kinder vom Thema Tod fernzuhalten.

Birgit Oppermann

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3 Kommentare

  1. Ein toller Artikel.
    Ich war leider schon drei Mal in der Situation mit meinem Kind über den Tod und auch eine Beisetzung sprechen zu müssen. Das erste Mal war am Schwersten. Vor allem war es schwer den Tod eines geliebten Menschen erklären zu müssen. Hier hätte ich so einen Beitrag gut gebrauchen können.

    Wir haben unserem Kind immer die Entscheidung überlassen, ob es mit zur Beerdigung möchte oder nicht. Es wollte immer dabei sein und fand oft Begleitung und Trost bei meinem Vater, während mein Mann mir zur Seite stehen musste.
    Lediglich beim letzten Trauerfall gab es keine Beisetzung im klassischen Sinn, weswegen wir dort nicht dran teilnehmen konnten.

    So traurig das Thema Tod auch ist, es gehört zum Leben dazu. Und genau das versuche ich immer meinem Kind zu vermitteln.

    Liebe Grüße,
    Mo

  2. Ich finde, das kommt stark aufs Alter drauf an. Als mein Stiefvater vor 5 Jahren starb, habe ich meine große Tochter nicht mitgenommen. Da war sie 1 Jahr alt. Ich denke, da hätte sie es wirklich nicht verstanden.
    Letztens starb meine Oma. Meine große wird nun 6 Jahre und da hat sie es sehr wohl verstanden. Und ja, sie hat mich sehr viel weinen sehen, auch zuhause und sie selbst hat ein bisschen mitgeweint und mir viele Fragen gestellt. Ich war erstaunt, wie “erwachsen” sie damit umgegangen ist.
    Viele Grüße
    Wioleta

  3. Absolut richtig! Babies mitzunehmen, macht keinen Sinn. Ab welchem Alter genau weiß ich auch nicht. Aber sie spenden ja auch Trost, lenken die Trauernden ab. Ich denke auch sie gehören dazu. Früher wurden die Toten aufgebahrt und alle aus der Familie haben sich mehere Tage verabschiedet.

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