Portwein – Die graue Eminenz ist zurück!


Er war nie wirklich weg, aber noch vor einigen Jahren gehörte Portwein auf den Getränke-Karten der Bars zu den Klassikern, die man zwar der Vollständigkeit halber hatte, die aber eigentlich nie bestellt wurden. Ähnlich einer gut sortierten Bibliothek, in der natürlich Grillparzer, Kleist und Fontane stehen, die aber nie jemand aus dem Regal nimmt, weil sie nicht modern genug sind und auch nicht so klassisch, dass niemand dran vorbeikommt, wie etwa Goethe oder Schiller. Doch jetzt erlebt der Port seine Renaissance.

Gaumenfreude aus dem Douro-Tal

Der Port kommt, wie der Name schon andeutet, aus Portugal, nämlich war die portugiesische Hafenstadt Porto im Norden des Landes namensgebend. Man produziert ihn traditionell an den Steilhängen des Flusses Douro, von dort wurde und wird er noch heute flussabwärts verschifft und über Porto in die ganze Welt vertrieben. Wichtigste Zentren sind die Orte Pinhau und Peso da Régua. Portwein ist ein geschützter Produktname, nur wenn er aus dem Douro-Tal kommt und den Qualitäts-Kriterien des Instituto do Vinho do Porto entspricht, bekommt er das Gütesiegel und darf sich Portwein nennen. Es handelt sich dabei um die älteste klassifizierte Weinregion Europas. Deshalb kann man zwar trotzdem Ports recht unterschiedlicher Güte bekommen, doch ein Mindeststandard ist immer gegeben.

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Verschiedene Sorten, spezielle Reben und Prädikatstufen

Ports sind in der Regel rote Süßweine, es gibt sie jedoch auch in weiß und rosé. Offiziell unterscheidet man ruby (rubinrot), tawny (lohfarben) und white (weiß) Port. Hergestellt wird er aus rund 30 verschiedenen für die Portwein-Herstellung zugelassenen, oftmals autochthonen, also nur in Portugal heimischen Rebsorten. Bei den Tawnys gibt es sogenannte Old Tawny Ports in den Stufen 10, 20, 30 years, wobei sich das Alter aus unterschiedlichen Lagerdauern ergibt. Wichtig: Tawnys sind geöffnet haltbar, da sie komplett oxidiert sind. Alle anderen, die in der Flasche reifen, z.B. Vintage Port müssen nach dem Öffnen zügig getrunken werden. Nur die allerbesten Jahrgänge werden als Vintage deklariert. Das Prädikat Late bottled vintage (LBV) bekommen Portweine, die vier bis sechs Jahr im Fass gelagert wurden, bevor sie auf Flaschen gezogen werden. LBVs können filtriert, unfiltriert und vor allem auch als single-vinyard in den Handel kommen.

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Portwein ist ein Allrounder

Klassischerweise ist Port ein Aperitif. Dazu kann er auch als Cocktail-Grundlage verwendet werden. Die Münchner Barschule empfiehlt zum Beispiel den Portonic aus Fine White Port und Tonic Water mit Limette und Minze. Portwein funktioniert aber auch als Speisenbegleiter zu Fleisch, Fisch oder Käse. Mit seinem beträchtlichen Volumen und seiner Aromafülle nimmt der LBV-Port es auch mit üppigen Speisen auf. In Portugal wird er traditionell nicht zum Hauptgang gereicht. Seine volle Kraft entfaltet der Port in Kombination mit Desserts wie Schoko-Mousse, Marzipan und Mandeltorte. Vintage Ports eignen sich besonders als Digestifs.

Portwein bei ALDI und Co.?

Auch im Sortiment von Discountern kann man bisweilen auf Portwein stoßen, der preislich bei wenigen Euro liegt. Kann man diese Plörre trinken? Man kann. Wie eingangs erwähnt, muss Portwein immer einem gewissen Mindestmaß an Qualität genügen, dennoch kann man bei einer Flasche für 6 EUR naturgemäß keine Gourmetgenüsse erwarten. Als Einstieg in die Welt des Portweins funktioniert er, notfalls kann man ihn immer noch zum Kochen benutzen. Hervorragende Portweine bekommt man bereits ab ca. 15 EUR pro Flasche in den gut sortierten Wein- und Delikatessengeschäften der Marke Barrique mit derzeit 34 Fachhandelsgeschäften. Der Fine White Port aus der Quinta Noval zum Beispiel, oder den Fine Ruby aus dem Hause Menéres.

 

Weiterführende Links:

visitportugal.com/de

Das Douro-Tal

barschule-muenchen.de

barrique.com/

Veronika Lackerbauer

 

 

 

Veronika Lackerbauer lebt und schreibt in der Nähe von Landshut, Niederbayern. Sie ist Diplom-Kauffrau für Tourismus und hat einen Master in European Studies, seit 2013 arbeitet sie als Dozentin für Deutsch als Fremdsprache und berufliche Integration. Ihre wahre Leidenschaft ist jedoch das Schreiben. 2014 debütierte sie mit ihrem Fantasy-Roman “Burgfried” im Verlag ohneohren. Neben Fantasy schreibt Veronika auch Regional-Krimis, historische Romane und Kurzgeschichten.

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