Die Sache mit der Reinkarnation

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Ich habe den Landeanflug schon mehrmals vernommen. Ganz dicht kam sie am Ohr vorbei. Sehen konnte ich sie nicht, da sie sich immer vorsichtig aus dem Rücken näherte. Dann kommt sie doch von der Seite und lässt sich behutsam auf meinem Arm nieder. Ich tippe mal auf eine gemeine Stubenfliege, musca domestica.

Wobei ich da seit langem meine Zweifel habe, ob es sich bei den Fliegen wirklich nur um eine reine Form der Insekten handelt.
In meinen Gedanken verwirken sich unterschiedliche Hypothesen, die, miteinander verknüpft, ein völlig logisches Bild ergeben.
Wie oft hiess es schon: Töte die Fliege nicht, es ist der gute Geist von Oma Erna. Und ist es nicht so, dass immer dann, wenn etwas Gutes passiert, etwas eine glückliche Wendung nimmt, oder sich ein Schimmer Hoffnung am Horizont bildet, eine Fliege in der Nähe ist? Der gute Geist von Oma Erna, der über uns wacht und alles zum Guten führt.
Daher, und aus dem festen Glauben der Hindus an eine Reinkarnation, hat sich dieser Gedanke gebildet und sich in meinem Hirn festgesetzt.

Wobei sich aus dem Gedanken schon mal positive als auch negative Schlüsse ziehen lassen.
Die Vielfalt der Menschheit und die Vielfalt der Fliegen halte ich ja für vergleichbar. Menschen in Städten und Dörfern. Gute und schlechte, grosse und kleine, dicke und dünne, helle und dunkle Menschen und was weiss ich, was noch für verschiedene Persönlichkeiten.

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Und dann die Fliegen. Grosse und kleine Stubenfliegen, Kuhfliegen, Stechfliegen, metallisch glänzende Fliegen, Obstfliegen, Eintagsfliegen und so weiter. Nicht nur die Vielfalt ist fast unbegrenzt, nein offensichtlich auch die Quantität. Da fängt die Sache mit dem Kreislauf der Reinkarnation an. Stell dir vor, es gibt für jeden Menschen ein Leben nach dem Tod. Gar nicht so schlecht. Vielleicht sogar bewusst zu erleben. Meine Vermutung, man wird als Fliege wiedergeboren!

Daher auch die unglaubliche Vielfalt an Fliegen, die den menschlichen Charakteren doch so unheimlich gleicht. Es gibt Fliegen auf dem Land, in der Stadt, auf dem Bauernhof, im Büro, in der Werkstatt. Überall begleiten sie uns. Es sind die Seelen der Verstorbenen, wiedergeboren als Fliege.

Die Menge der Fliegen lässt sich so auch erklären, denn, einmal im Kreislauf der Reinkarnation gefangen, wird man als Fliege wiedergeboren. Immer wieder und wieder und wieder. Mengenmässig also seit der Erfindung des Menschen.

Nun soll doch jeder seine Schlüsse daraus ziehen, ob es gut oder schlecht ist, als Fliege wiedergeboren zu werden. Und ob es gut oder schlecht hat ist, diesen Kreislauf nie wieder verlassen zu können. Auf jeden Fall ist es gut das zu wissen. So kann man sich bereits zu Lebzeiten darauf vorbereiten, als Fliege mit der Verwandtschaft zu kommunizieren. Bislang konnten das die Fliegen mit mir noch nicht. Aber ich habe auch noch nicht so oft über meinen Blick auf die Reinkarnation gesprochen.

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Obwohl, meine Frau kannte die Theorie.
Ich lasse die Fliege also auf meinem Arm landen und beobachte ganz genau. Will sie mir etwas mitteilen? Natürlich gibt es keine Ähnlichkeit zwischen der Fliege und meiner Frau. Schon die Anzahl der Beine stimmt nicht. Aber die Bewegung der Vorderbeine, mit denen sich die Fliege über die Augen wischt, kommt mir bekannt vor …

In der Werkstatt, bei der Arbeit, da ist immer diese Stechfliege. Irgendwann bekomme ich raus, wer das ist und warum ich immer das Opfer bin. Bis dahin werde ich weiter den Kreislauf der Reinkarnation in Gang halten.

Amadeus Stur

 

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