Was ist die beste Schlafposition?

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Rückenschmerzen, Probleme beim und vor allem nach dem Schlafen sind heute für viele Menschen ein Thema. Auch schon in jungen Jahren kann eine falsche Liegeposition, ein zu weiches oder hartes Bett, Beschwerden verursachen und sogar ernst zu nehmende Haltungsschäden. Die Matratzen-Industrie weiß um diesen Umstand und bietet uns unzählige verschiedene Modelle und Variationen an. Doch gibt es leider nicht die perfekte Matratze – wohl aber die perfekte Schlafposition, wenn man Experten glauben will. 

Nein, es ist nicht die gemütliche Schutzhaltung, die Embryo-Haltung, die besonders gesund ist. Im Gegenteil: Diese ist sogar eher schädlich. Der Körper will im Schlaf langgestreckt werden, die Wirbelsäule und damit die Bandscheiben wollen sich ausdehnen. Aber was machen wir? Wir rollen uns zusammen.

Seitenschläfer bescheren der Matratzenindustrie traumhafte Umsätze

Die Tatsache, dass es immer mehr Seitenschläfer gibt, beschert der Matratzenindustrie wunderbare Einnahmen. Denn es ist höchst kompliziert dem Körper in Seitenlage eine Unterlage zu bieten, die für alle Körperbereiche gut ist. Jeder kennt die Abbildungen bei den Matratzen-Angeboten: Meist liegt ein Frauenkörper seitlich auf der Matratze und es beult sich die Matratze plus Lattenrost im Hüft- und Schulterbereich ordentlich ein. Dann, so die Aussagen der Verkäufer, ist gewährleistet, dass die Wirbelsäule gerade ist und sich nicht am Hals und im Hüftbereich zu einer Kurve krümmt, was zu Beschwerden in der Nackenwirbelsäule, im Schulterbereich, im Beckenbereich sowie den Knien führen kann.

Doch leider scheint es äußerst schwierig zu sein, für Seitenschläfer die perfekte Matratze herzustellen, denn es gibt ständig neue, innovative Modelle, die neuen Schlafkomfort und Gesundheit versprechen. Aber sind wir mal ehrlich: Wenn all diese Matratzen so gut wären, müssten nicht laufend neue produziert werden und würde es nicht unzählige Matratzen-Shops geben. Weil es heutzutage nämlich nicht so einfach ist, dem Rückenschmerz und anderen Beschwerden durch falsches Liegen zu Leibe zu rücken.

 

Man kann es sich kaum vorstellen, aber früher schliefen die Menschen nicht auf Matratzen, sondern auf Strohmatten, Fellen oder wie die Japaner noch heute auf mit Reisstroh gefüllten Futons. Die Japaner kommen mit dieser Form des Bettes noch immer sehr gut klar, auch alte Leute schlafen so und krabbeln morgens fit aus dem Bett und das vom Boden hoch! Einen weiteren Vorteil haben die Japaner auch: Die Futons werden am Morgen einfach wieder eingerollt, während unsere Schlafzimmer heute von dicken Boxspringmonstern eingenommen werden. Und wirklich erholsam und entspannend ist der Schlaf für viele westliche Zeitgenossen trotzdem nicht! Woran mag das nur liegen? Das wissen Experten für Rückenprobleme schon längst:

  • Wir bewegen uns tagsüber zu wenig
  • Wir sitzen tagsüber zu viel

Diese zwei Komponenten unterscheiden uns von unseren Ahnen, die den ganzen Tag körperlich schwer gearbeitet haben oder einfach mehr körperlich gearbeitet und abends todmüde ins harte Bett fielen. Auch die Menschen in den 50er bis 70er Jahren hatten noch nicht so viele Rücken- und Schlafprobleme. Und damals gab es nicht diese riesen Auswahl an verschiedenen Matratzen für jeden Körper- und Schläfertypus. Im Gegenteil, meist waren die Matratzen mit Taschenfederkern gearbeitet und passten auf jeden Körpertypus. Gewechselt wurde nach 10 Jahren! Heute scheint es notwendig zu sein, die Matratze ständig zu wechseln, weil man einfach nicht die Passende findet! In Wirklichkeit liegen die Probleme an unserer geänderten Lebensführung: Sitzen im Auto, Sitzen am Arbeitsplatz, Sitzen vor dem TV, PC oder anderen Geräten.

Die Seitenschlafposition kommt uns nur bequem vor, ist aber nichts anderes als die Gewohnheit vom Tag. Wie Schmerz-Spezialist Robert Liebscher-Bracht im unten folgenden Video erklärt, nehmen wir diese Position im Bett nur deshalb an, weil wir sie von tagsüber so gewohnt sind.

Schlafen wie die Vierbeiner, gemütlich eingerollt, das ist nichts für die menschliche Wirbelsäule. Pexels / Pixabay

Seitenschläfer sind in der Mehrzahl

Es gibt so viele Angebote für Seitenschläfer, weil es immer mehr werden und diese immer mehr Probleme haben, eben Knieschmerzen, Schulter- und Nackenbeschwerden und Hüftprobleme. Die Zahl der Seitenschläfer nimmt zu, weil mehr Menschen die meiste Zeit des Tages im Sitzen verbringen und daher diese Position mit angewinkelten Beinen als “normal” empfinden. Leider werden durch das Anwinkeln der Beine die Muskeln und Faszien vorne verkürzt. Führen wir diese Position im Schlaf weiter fort, verstärken wir das Problem. Bandscheiben und Muskeln werden immer unnachgiebiger.

Auch wenn wir uns in der Nacht ca. 80 Mal hin- und herwälzen, so bringt dies nicht viel. Denn meist wechselt der Seitenschläfer nur von rechts nach links, die Beine bleiben angewinkelt.

Da es durch das Seitenschlafen immer mehr Beschwerden gibt, nimmt es auch nicht Wunder, dass das Produktangebot für Seitenschläfer zunimmt. Aber nutzen diese Produkte wirklich? Eine Matratze, die für Seitenschläfer konzipiert ist, ist im Schulter- und Hüftbereich weicher, damit der Körper dort gut einsinken kann. Wechselt man in die Rückenlage, fehlt aber oft die Stütze im Lendenbereich. Dann ist diese Partie nämlich zu weich.

Extra Seitenschläferkissen sind eine schöne Idee, erfordern aber nächtliche Mitarbeit. Das Seitenschläferkissen will immer mit gewendet werden, es nimmt im Bett ganz schön Platz ein und stört an einigen Stellen. Ist es für die Knie dick genug, stört es am Hals etc. Natürlich gibt es verschiedene Modelle an Seitenschläferkissen, aber meist ist der nächtliche Kampf mit dem zusätzlichen Bettbewohner doch zu mühsam und man schmeißt es wieder aus dem Bett. So richtig natürlich ist die Idee mit dem Seitenschläferkissen auch nicht, oder? Hatten unsere Ahnen solche Teile? Nein, irgendwie kamen sie mit den einfachsten Betten gut klar und konnten jeden Tag hart arbeiten…

Auch andere Hilfsmittel wie Kniekissen haben ihre Tücken und stören eher im Schlaf.

Für den menschlichen Körper nicht so erholsam: Angewinkelte Beine im Schlaf und zusätzlich beide Beine parallel, so dass die Knie aufeinander liegen. DieterRobbins / Pixabay

Die richtige Schlafposition muss anfangs erzwungen werden

All diese Probleme mit zusammengequetschen Körperpartien wie im Schulterbereich und aufeinanderliegende Knochen am Knie oder Hüftbeschwerden haben wir nur durch die Seitenschlafposition, die uns so “normal” und bequem vorkommt. Unser Körper findet sie aber gar nicht bequem. Er möchte sich ausstrecken und dehnen. Die richtige Schlafposition ist die Rückenlage mit ausgestreckten Beinen. Laut Schmerzexperte Liebscher-Bracht sollte man sogar auf sein Kopfkissen verzichten, um dem Rücken die volle Erholung zu gönnen.

Diese Schlafposition kommt einem anfangs völlig unbequem und komisch vor. Wir meinen leider, wir müssten uns im Bett zusammenkauern. Versuchen wir uns diese Gewohnheit wieder abzutrainieren, kann der Körper sich von vielerlei Beschwerden wieder erholen. Wer sich bewusst gemacht hat, dass die Embryo-Haltung nicht die natürlichste Position ist, sondern sich so ergeben hat durch vieles Sitzen, der wird sich auch langsam umstellen können und feststellen, dass gestreckte Beine im Bett wirklich erholsam sind. Laut Liebscher-Bracht dauert es ca. 2 eher harte Wochen bis man sich an die ideale Schlafposition in Rückenlage gewöhnt hat, danach kann man sich immer mehr fühlen wie neugeboren! Probieren Sie es aus, Sie werden sich wundern!

J. Florence Pompe 

 

J. Florence Pompe ist freiberufliche Texterin seit 2010. Nach dem Studium der Germanistik und Pädagogik arbeitete sie einige Jahre in einem kleinen Lehrmittelverlag.
Als Texterin führt sie mehrere eigene WordPress-Blogs und arbeitet für Kunden redaktionell.
Am liebsten schreibt sie über Mode, Schmuck, Interieur, Design und Kunst. Alles, was mit Farben und Formen zu tun hat, fasziniert sie. Zum Thema Mode hat sie eine besondere Affinität, da sie in ihrer Jugend viel genäht hat und sich mit Stoffen und Schnitten gut auskennt.

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