Alte Bücher weitergeben, verkaufen, entsorgen – das ist besonders nach Todesfällen eine schwere Aufgabe. Es gibt einige Plattformen, die große Mengen an Büchern unkompliziert abnehmen. Bookbot war bislang eine Plattform, die wirklich faire Preise zahlte.
Aktuell hat Bookbot allerdings sein Preismodell geändert und nun muss man sich genau überlegen, ob sich der Verkauf darüber noch lohnt.
- Altes Provisionsmodell: Du hast 60 % des Verkaufspreises des Buches abzüglich 1,19 € erhalten.
- Neues Provisionsmodell: Du erhältst 75% des Verkaufspreises des Buches abzüglich 3,49 €.
Die Preisänderungen sind schon nachzuvollziehen, denn das Portal hat sich wirklich sehr viel Mühe gegeben mit alten Büchern. Jedes wurde sorgsam begutachtet und jedes bekam ein neues Foto.
Vor allem nahm Bookbot auch gerne Bücher, die andere Plattformen verschmähen, obwohl sie noch Käufer und Interessenten finden. Neu ist jetzt der Buchscanner, der eine Orientierung gibt, was das eigene Buch noch wert sein könnte.
Bookbot ist wirklich anders als andere ähnliche Plattformen und ich kann sagen, dass ich mich ärgere, erst spät von Bookbot erfahren zu haben und sehr viele Bücher zu günstig an Momox, Rebuy und co. abgegeben habe. „Abgegeben“ ist das richtige Wort, denn man bekam nur Centpreise.
Bookbot nahm zahlreiche Kinderbücher aus den 70er+80er Jahren, Antiquarisches, alte Krimis, Fotobände und vieles andere, was die Scanner der anderen Plattformen schlichtweg abgelehnt hatten. Bislang gab es bei Bb auch keinen Scanner, sondern man fotografierte die Buchrücken, schickte das Foto ein und bekam ein O.k. für die Annahme und den späteren Verkauf.
Kein direkter Abverkauf
Bei Bookbot werden die eigenen Bücher nicht direkt abgekauft, sondern angenommen und dann im Online-Shop und im Ladengeschäft angeboten. Man bekommt also erst Geld, wenn ein Buch tatsächlich verkauft wurde. Aber das Warten lohnte sich bislang.
Vor allem ist es doch ganz schön, wenn man seine Bücher online in seinem Profil noch mal gelistet sieht und mitbekommt, zu welchen Preisen sie verkauft wurden. Gerade, weil es einem meist doch nicht so leicht fällt, die Bücher herzugeben. So sieht man, dass sie wertgeschätzt wurden und neue Käufer gefunden haben.

Was ist Bookbot überhaupt?
Bookbot wurde als Second-Hand-Buchhändler gegründet, der gebrauchten Büchern „ein zweites Leben“ geben will. Ursprünglich aus Prag stammend, ist die Plattform inzwischen in mehreren Ländern aktiv – darunter Deutschland, Österreich, der Slowakei und Tschechien –. Gelistet werden eine große Auswahl an gebrauchten Büchern in zahlreichen Genres.
Nachhaltigkeitsaspekt
Bookbot positioniert sich auch als Beitrag zur Kreislaufwirtschaft: Indem gebrauchte Bücher weiterverkauft statt entsorgt werden, wird Papier gespart und die Lebensdauer von Büchern verlängert.
Vorsicht bei Domainvarianten
Achte darauf, dass du die richtige Bookbot-Seite nutzt. Unterschiedliche Länderdomains (z. B. *.de, *.at, *.it) gehören zum gleichen Konzept, aber einige andere Bookbot-Domains wie *.nl oder verwechselbare Seiten wurden von Bewertungsmaschinen als weniger vertrauenswürdig eingestuft
Meine Bilanz bei Bookbot
Grob zusammengefasst, hatte ich etwa 250 Bücher eingeschickt und 200 € Einnahmen, wobei viele noch im Angebot sind.
Für manche Bücher gab es nur Centbeträge, für andere bis zu 11 € (ein Kinderbuch aus den 70ern). Es sind keine Reichtümer, ich weiß, aber sehr wertvolle Bücher behalte ich eh selbst oder ich würde sie so gar nicht verkaufen.
Zum Hintergrund: Nach dem Tod meines Vaters stand eine Haushaltsauflösung an. Das bedeutete Bücher von mehreren Familienangehörigen über eine Dekade von ca. 100 Jahren mussten das Haus verlassen. Es gab also viel zu sichten und zu scannen.
Zunächst dachten wir an Spenden – aber: Die Annahmestellen vor Ort waren bereits überlastet und wollten von weiteren Büchern nichts wissen. Online habe ich später dann doch noch die Plattform Bücherherz.de gefunden, an die ich mehrere große Pakete alte Bücher schicken konnte. Die gespendeten Bücher werden für wohltätige Zwecke verkauft. Alle zu spenden kam aber auch nicht in Frage. Vor allem, wenn man sieht, dass alte Bücher in diversen Antiquariaten, auf ebay und co noch zu ganz guten Preisen angeboten werden, man aber, wenn man selbst verkaufen will, diese monatelang lagern muss.
Zunächst fand ich bei meinen Recherchen zum Bücherverkauf nur die gängigen Portale wie Momox, Rebuy, Booklooker etc. Diese haben alle ähnliche Konditionen. Bookbot fand ich leider lange Zeit gar nicht und hatte auch noch nicht davon gehört, auch in Gesprächen fiel nie der Name, ob online oder offline. Schade, denn sonst hätte ich dort gleich alle Bücher angeboten.
Eine schnelle Lösung bei Haushaltsauflösung bieten die gängigen Plattformen wie Momox und co. aber allemal: Bücher per Strichcode einscannen, erfahren, ob sie angenommen werden und gesammelt im Pack verschicken, ohne Versandkosten – das ist wirklich easy und ich war phasenweise Dauergast bei Post und Hermes.
Die Preise für die Bücher sind zwar oft lächerlich, aber wenn man eigentlich nur will, dass sie noch jemand liest und man ein paar Peanuts dafür bekommt, ist einem das in so einer Situation schon Recht. Wegwerfen kam einfach nicht in Frage, wenn sie noch gut lesbar waren!
Allerdings wird in Foren allen Ernstes oft geraten, alte Bücher ins Altpapier zu tun, wenn es zu viele für den örtlichen Leseschrank oder zum Spenden sind – was für ein Wahnsinn! Viele geben entnervt auf, wenn niemand ihren Bücherschrank übernehmen will und werfen wirklich alles in die Tonne. Ein bisschen Recherche und es gibt bessere Lösungen…
Nur solche mit starken Gebrauchsspuren nimmt keine Plattform mehr an. Also gesagt, getan – es stand eine sehr lange Phase an täglichem Scannen und Verpacken an. Das Lustige war: Bücher, die 1 Woche vorher nicht angenommen wurden, waren später wieder interessant, auch die Preise änderten sich, man musste also für mehrere Portale etliche Bücher immer wieder einscannen – mit Erfolg, muss ich sagen, denn so bekam ich doch noch sehr viele Exemplare los. Auch Spiele auf DVD.
Was für Bücher denn überhaupt und warum so viel?
Das fragt sich der geneigte Leser jetzt vielleicht. Nun, ich hab Germanistik studiert und alleine deswegen sammelten sich Unmengen an Reclam Heftchen im Bücherregal sowie viele andere Klassiker, Studienliteratur etc. Diese kann man zwar bei studibuch.de anbieten, aber auch diese Plattform nimmt nicht vieles nicht mehr an.
Aufgrund der Digitalisierung sammeln auch Studierende heute nicht mehr so viele Bücher an. Allgemein schätzen heute viele den leeren Platz im Bücherregal und geben auch selbst Bücher gerne schnell weiter.
Tja und diese Inventur hat mir auch noch mal vor Augen geführt, dass man wirklich sehr, sehr viele gute Bücher tatsächlich nur 1 Mal im Leben liest, dann stellt man sie ins Regal und fässt sie nie wieder an. Das ist gar keine Wertung, sondern es gibt halt noch viele andere ungelesene Bücher und selten gibt es Gründe eines mehrmals zu lesen. Warum dann nicht weitergeben, damit jemand anderes noch etwas davon hat? Das ist auch wirklich nachhaltig gedacht und wir sollten aus Ressourcenschonung mit Büchern auch so umgehen. (Ist natürlich schlecht für Autoren und Verlage, die nur am Verkauf der neuen Bücher verdienen).
Zu den Büchern aus der Studienzeit kamen Unmengen an Kinder- und Jugendbüchern, die seit Jahrzehnten auf dem Dachboden schlummerten. Meine und die meiner Brüder. Es waren wirklich einige Kisten, denn früher las man als Kind und Jugendlicher halt viel, weil man kein Internet, Handy und Spielekonsole hatte… 😉 Da meine Eltern und Großeltern auch absolute Lesefans waren, hatten sich im ganzen Haus mehrere volle Bücherregale und eben auf dem Dachboden viele Kisten Lesematerial angesammelt.
Nachdem der ganze Fundus gesichtet und unzählige Male für Momox und co. gescannt wurde, fand ich also recht spät Bookbot und konnte doch noch einen Großteil von Büchern, die keine andere Plattform nehmen wollte, dort anbieten und einstellen und wie oben beschrieben, hat sich das wirklich noch gelohnt. Was übrigens gar nicht finanziell so bedeutend ist, sondern eher ein Faktor der Wertschätzung für mich.
Bookbot – lohnt es sich jetzt noch?
Nach der Änderung des Preismodells stellt sich natürlich für alle, die auch kistenweise Bücher verteilen möchten, die Frage, ob sich Bookbot noch lohnt. Bei einem Blick auf meine Verkaufsbilanz wirst du sehen: Es lohnt sich in den meisten Fällen nicht mehr. Wie Bookbot das lösen will mit den 3,49 € Eigenanteil pro verkauftem Buch, wenn etliche nicht mal 1 € bringen, ist mir ein Rätsel.
Viele der Bücher, die ich dort noch gut verkaufen konnte, werden ab jetzt wohl nicht mehr angenommen. Das ist schade, denn offensichtlich haben sie ja noch Leser gefunden. Der schwarze Preis ist der von Bookbot, der grüne der Erlös für mich.



Fazit:
Wer viele Bücher verkaufen möchte, muss sich die Mühe machen, mehrere Portale anzusehen, die Bücher einzuscannen, Preise zu vergleichen und die Bücher durchzusortieren.
Auf Bookbot zu verkaufen lohnt sich aktuell eher für noch neue Bücher, die vielleicht nur ein paar Jahre alt sind und noch gefragt oder für alte Raritäten. Hier kann es wirklich Überraschungen geben, wie wir auch noch festgestellt hatten.
Es ist mühsam, ja, aber da die meisten von uns irgendwie eine Beziehung zu ihren Büchern haben und auch zu denen ihrer Eltern, sollte man die Zeit einfach investieren. Es ist auch ein Ablöseprozess und interessant, die alten Bücher noch mal durchzusehen. Auf jeden Fall muss man vorsichtig sein, bei der Werteinschätzung und nicht meinen, alles, was alt ist, kann weg.
Ob Bookbot mit dem Preismodell noch interessant ist, bleibt abzuwarten. Es kann jederzeit jemand ein ähnliches Portal gründen und es können sich die Preise der anderen Portale ändern.
Natürlich kann auch jeder versuchen seine Bücher via ebay etc. zu verkaufen, dann muss man aber wirklich jedes Buch einzeln verpacken und zur Post bringen und bis zum Verkauf lagern.
Flohmarkt ist natürlich auch eine Alternative. Das alles sind aber keine Lösungen, wenn man schnell viele Sachen aus dem Haus haben muss. Insofern ist es wirklich praktisch, wenn man viele Pakete kostenlos versenden kann.

J. Florence Pompe ist freiberufliche Texterin seit 2010. Nach dem Studium der Germanistik und Pädagogik arbeitete sie einige Jahre in einem kleinen Lehrmittelverlag.
Als Texterin führt sie mehrere eigene WordPress-Blogs und arbeitet für Kunden redaktionell.
Lieblingsthemen sind: Mode, Schmuck, Interieur, Design, Kunst und Musik.
Danke Dir.
So ähnliche Gedanken habe ich jetzt auch zum Portal Bookbot, seit sie ihre Provisionsmodell geändert haben.