Erich Kästner: “Das Glück ist keine Dauerwurst…”

erich kästner 1930

 

…von der man jeden Tag eine Scheibe abschneiden kann.”

Ein Nachruf auf Erich Kästner

Einer der ganz großen Meister der Kinder- und Jugendliteratur wäre am 23. Februar 120 Jahre alt geworden. Unvergessliche Klassiker wie „Pünktchen und Anton“, „Das doppelte Lottchen“ oder „Das fliegende Klassenzimmer“ entsprangen der Feder des unvergessenen Erich Kästners!

Kinderbuchautor C.S. Lewis (1898 – 1963), der unter anderem die Narnia-Reihe geschrieben hat, wird das Zitat zugeschrieben: „Ein Kinderbuch, das es nicht wert ist von Erwachsenen gelesen zu werden, ist auch nicht wert von Kindern gelesen zu werden.“ Auf wen träfe dieser Ausspruch wohl mehr zu als auf Erich Kästner? Er hat nicht nur Kinderherzen höher schlagen lassen, auch seinen pointierten Gedichten und Romanen wohnt jede Menge Lebensweisheit inne. Annäherung an einen ganz Großen:

Kästners Kindheit und Jugend

Kästner wurde 1899 in Dresden in kleinbürgerlichen Verhältnissen geboren. Sein Vater Emil Richard Kästner ernährte die Familie als Sattlermeister, seine Mutter Ida trug als Dienstmädchen und Heimarbeiterin zum Familienauskommen bei. Zu seiner Mutter hatte Kästner ein sehr inniges Verhältnis, das sich auch in verschiedenen Mutter-Kind-Darstellungen in seinen Büchern widergespiegelt findet. Zu seinem Vater gibt es Gerüchte, er sein gar nicht sein leiblicher Erzeuger gewesen, sondern vielmehr der Hausarzt der Familie, der jüdische Mediziner Emil Zimmermann.

Erich Kästner besuchte die Volksschule und ab 2013 das Lehrerseminar in Dresden-Neustadt. Seine Ausbildung zum Volksschullehrer beendete er jedoch nicht. Über seine Kindheit und Jugend gibt es einige Referenzen in seinen Werken, so seien z.B. einige Anekdoten in „Das fliegende Klassenzimmer“ autobiographischer Natur. Im Jahr 1957 erschien die Autobiographie „Als ich ein kleiner Junge war“, darin findet sich auch die Zeile: „Der Weltkrieg hatte begonnen, und meine Kindheit war zu Ende.“

Leben mit zwei Kriegen

Das Leben Erich Kästners wurde von zwei Weltkriegen überschattet. 1917 wurde der gerade 18-Jährige zum Militärdienst einberufen, wo er in der schweren Artillerie diente. Der harte militärische Drill und die Brutalität des Ersten Weltkrieges, die bei Kästner eine lebenslange Herzschwäche zur Folge hatten, formten den jungen Mann zum entschiedenen Antimilitaristen und Pazifisten. Nach dem Ende des Krieges wandte Kästner sich denn auch gleich wieder der Bildung zu und holte am König-Georg-Gymnasium sein Abitur nach. Für seine hervorragenden Leistungen erhielt er das Goldene Stipendium der Stadt Dresden.

Seine schriftstellerische Karriere begann er unter dem Eindruck der aufkeimenden NS-Diktatur während der Weimarer Republik. Er veröffentlichte zunächst gesellschaftskritische und antimilitaristische Gedichte und Essays in verschiedenen Zeitschriften. Nach der Machtergreifung Hitlers wurde er zu einem der wenigen prominenten Gegner des NS-Regimes, die in Deutschland blieben, gleichwohl seine Werke auf die Liste der „entarteten Kunstwerke“ gesetzt wurden. Im Mai 1933 brannten unter den als undeutsch diffamierten Büchern auch die Werke Erich Kästners. Es gelang ihm, sich mit Arbeiten am Theater und beim Film unter Pseudonym und mit Verkäufen ins Ausland wirtschaftlich über Wasser zu halten.

Erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs konnte Kästner wieder frei seine Meinung äußern und in seinen Werken publizieren. In den 50er und 60er Jahren bezog er klar Stellung gegen die Remilitarisierung Deutschlands, die Atomwaffenbewegung und häufig auch gegen die Regierung Adenauers. Zeitgleich verfiel Kästner mehr und mehr dem Alkoholismus und zog sich 1965 komplett aus dem Literaturbetrieb zurück, zu dessen Nachkriegsströmungen er ohnehin keinen rechten Anschluss mehr gefunden hatte. Am 29. Juli 1974 starb Erich Kästner an den Folgen einer Speiseröhrenkrebserkrankung.

Was bleibt fünfundvierzig Jahre nach seinem Tod?

Kästner gelang es auf meisterliche Weise zeitlose Figuren zu erschaffen. Sein „Fliegendes Klassenzimmer“ wurde inzwischen dreimal verfilmt und ohne große Veränderungen in die aktuelle Zeit versetzt. Ursprünglich schilderte es seine eigene Schulzeit in den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, bei der ersten Verfilmung 1954 trat Kästner selbst als Erzähler auf. 1973 schlüpften Blacky Fuchsberger und Heinz Reincke in die Rollen des Schuldirektors und seines verloren geglaubten Schulfreunds, die Handlung wurde kaum verändert, lediglich ein paar Anpassungen an die Lebensgewohnheiten der 70er Jahre erfolgten.

In der Verfilmung von 2003 spielt „Das fliegende Klassenzimmer“ am Thomanerinternat in Leipzig, die Auseinandersetzungen zwischen den Internatsschülern und den Externen werden zu Mobbing umgedeutet, so behält der Stoff auch noch knapp 100 Jahre später seine Aktualität. Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki sagte einmal über Kästner: „Kästner liebte das Spiel mit vertauschten Rollen. Er sah seine Essayleser als Kinder und die Leser seiner Kinderbücher als Erwachsene an.“ Diejenigen, die in seinen Büchern über den gesunden Menschenverstand verfügen sind stets die Kinder. Sie fassen in „Emil und die Detektive“ den Dieb und stellen die Ordnung wieder her, sie werden nicht von ihren Eltern erzogen, sondern bringen, wie in „Das doppelte Lottchen“ ihre Eltern zur Vernunft.

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Kästner bildet in seinen Romanen die Lebenswirklichkeit der kleinen Leute ab, er war Meister darin „dem Volk aufs Maul zu schauen“, dadurch lassen sich die meisten seiner Werke in die literarische Epoche der Neuen Sachlichkeit einordnen. Darüber hinaus bleibt Kästner als Mahner für Frieden und gegen Krieg, Verfolgung und Diktatur unvergesslich. „An allem Unfug, der passiert, sind nicht etwa nur die schuld, die ihn begehen, sondern auch die, die ihn nicht verhindern.“ (Erich Kästner, 1899-1974)

Tipp: In Dresden gibt es ein Erich Kästner Museum! Sehr beliebt für Schulklassen.

Anschrift:
Antonstraße 1
01097 Dresden
Telefon:        +49 (351) 8 04 50 86
E-Mail:          >info(at)erich-kaestner-museum(dot)de

Berühmte Erich Kästner Sprüche:

“Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.”

“Ich glaube an den gesunden Menschenverstand wie an ein Wunder; doch der gesunde Menschenverstand verbietet mir, an Wunder zu glauben.”

“Auch aus Steinen, die dir in den Weg gelegt werden, kannst du etwas Schönes bauen.”

“Wer was zu sagen hat, hat keine Eile. Er lässt sich Zeit und sagt’s in einer Zeile.”

“Der Mensch soll lernen, nur die Ochsen büffeln.”

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