Der Maler

Straßenmaler
amurca / Pixabay

 

Zufrieden betrachtet er sein Tagwerk. Das kann man gut herzeigen. Es sind die klaren Konturen und die unendlich wirkenden Dimensionen. 
Seit frühester Kindheit hat ihn die Kunst fasziniert.

Aufgewachsen in der sicheren Umgebung der Vorstadtvilla, im Musikerviertel, mit dem unüberschaubar grossen Garten und der riesigen Hecke. Die Geschwister waren schon fast erwachsen, und so bekam er, als Nachzügler, den grössten Teil der Aufmerksamkeit und Liebe der Eltern. Der Vater war, als Orchestermusiker an der Oper, oft nicht zu Hause. Die Mutter hatte, als das erste Kind kam, ihren Job aufgegeben und sich ganz der Familie gewidmet. Je älter die Kinder wurden, desto mehr beschäftigte sie sich auch wieder mit ihren Hobbys.

Der Garten hätte dem Park von Versailles in der Pflege um nichts nachgestanden, die Dekoration des Hauses war eine gelungene Symbiose aus Romantik und Shabbychic. Die Zeichnungen und Gemälde im Haus, waren allesamt ihrer Kreativität entsprungen. 
All das hat natürlich auch in seiner Entwicklung Spuren hinterlassen. Bereits mit 4 Jahren sass er am Klavier. Nicht dass er den neuen Mozart hätte geben können, oder gar eigene Interpretationen von Rachmaninow entwickelt hätte. Nein, er liebte allein die Tasten. Ein musikalisches Talent war ihm leider nicht in die Wiege gelegt worden. Dafür hatte er das Zeichnen für sich entdeckt. Sicherlich, in den ersten Anfängen eher das “Malen nach Zahlen” und Punkte verbinden, aber dabei blieb es natürlich nicht. 
Klarheit, gerade Linien und Symmetrie übten eine besonders starke Anziehung auf ihn aus.
Es spiegelte sich auch in den schulischen Leistungen wider. Seine Kreativität kam ihn bei Fächern wie Kunst und Geometrie, mit ihren Anforderungen, besonders zu Gute.
 Während in anderen Kinderstuben die Poster von Musikern oder Schauspielern an die Wände gepinnt wurden, hatte er Kunstdrucke von Picasso und Braque, im gleichmäßigen Raster an die Wand geklebt. 
Im Laufe seiner Schulzeit reifte dann auch immer mehr der Wunsch heran, später mit Malen und Zeichnen seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.

Mit diesem Ziel vor den Augen, bündelte er seine Kräfte und absolvierte seine Reifeprüfung. Seine Mutter unterstützte ihn dabei in allen Belangen, da sie sein Potential kannte. Sein Vater riet ihm, ob seiner eigenen Erfahrungen, eher zu etwas Handwerklichem. Das Handwerk hat immer goldenen Boden.
Obwohl er glaubte, zum Erreichen seiner Ziele, den Umweg über den Beruf des Lehrers zu gehen, wurde es einfacher. Der Studiengang für Kunst und Design war ein Meilenstein auf dem schweren Weg der Karriere.

Der Nebenjob in der Werbeagentur sorgte für die Miete der kleinen Wohnung und einen vollen Kühlschrank.

 

Jetzt, nach dem erfolgreichen Abschluss, blickte er eben auf das, was er geschafft hat. Und es halten sich Stolz und Freude die Waage. Vielleicht sind es nicht so die Kunstwerke, aber auch Auftragsarbeiten haben ein breites Publikum und bringen gutes Geld und täglich Brot ein.

Er liegt gut im Plan. Wenn er diese Woche noch die 4 Kilometer Markierung schafft, kann der Autobahnabschnitt nächste Woche freigegeben werden.

Amadeus

André Stark, Jhrg. 1964, Randberliner, seit 2011 in der Schweiz

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