Buchrezension „Ich tröste dich“ von Petra Berghaus

Das kleine Mitmachbuch für Eltern, Pädagog:innen und alle, die vor allem Kinder durch Trauerphasen begleiten wollen. Petra Berghaus ist Trauersängerin und Trauerbegleiterin.

Der eine oder andere TV-Zuschauer kennt Petra Berghaus vielleicht schon aus der Sendung „The Voice of Germany“ von 2021 als Sängerin. Das Video könnt ihr unten noch mal ansehen.

Damals stellte sie sich bereits als Trauersängerin vor und überraschte und begeisterte die Jury mit Sarah Connor, Johannes Oerding und Mark Forster. Die professionellen Sänger stellten fest, dass auf Trauerfeiern zu singen, nicht jedermanns Sache ist und sie selbst ganz sicher „einen Kloß im Hals hätten“ und daher nicht gut singen könnten.

Genau das ist der Punkt: Mit Trauer und Trauernden muss man umgehen können und Petra Berghaus ist dafür wie berufen. Nach dem Tod ihrer Mutter hat sie wie durch eine Eingebung den „Trost-Tiger“ erfunden. Erst war er nur eine Zeichenfigur, die Postkarten zum Trösten zierte, dann wurde er ein beliebtes Stofftier.

Immer mehr entwickelte sich im Schaffen der Autorin ein kleines Universum rund um den Trost trauernder Kinder und natürlich auch Erwachsener. Und ja, das weiß wohl jeder: In unsere Gesellschaft besteht hier ein großer Bedarf!

Wir westlichen Menschen, besonders die Deutschen, drücken gerne ihre Gefühle weg und möchten „funktionieren“. Trauerfälle kommen meist plötzlich, überrennen uns und die ausbrechenden Gefühle passen nicht ins „normale“ Leben.

Viele Erwachsene wissen gar nicht, wie sie mit trauernden Kindern umgehen können oder sollen. Selbst schon mit den eigenen Gefühlen überfordert, stellt die kindliche Psyche sie vor eine besondere Herausforderung.

Und hier setzt das Trostbuch von Petra Berghaus an. Sie gibt den Erwachsenen verschiedene Methoden, mit trauernden Kindern umzugehen, Spiele, Anleitungen und Beschäftigungen, die die Trauer zulassen, kanalisieren und zu einem erlaubten Teil im Leben machen.

Screenshot aus dem Buch "Ich tröste dich" von Petra Berghaus

Das Trostbuch für Groß und Klein

Wenn man als Erwachsener trauernde Kinder nicht trösten kann oder absolut nicht weiß, wie am besten, liegt es oft daran, dass man selbst als Kind nicht ausreichend getröstet wurde oder starke Gefühle nicht zugelassen. Das weiß die Autorin nur allzu gut und daher richtet sich ihr Buch wirklich auch an die Erwachsenen.

Inzwischen haben die meisten schon von der „Inneres Kind“-Theorie gehört und erfahren, dass viele Erwachsene unverarbeitete Gefühle, Traumata und Enttäuschungen aus der Kindheit mit sich herumtragen und daher als Erwachsene in herausfordernden Phasen und in Gefühlsfragen „kindisch“ agieren. Wenn alle Kontrolle versagt, reagiert das „innere, enttäuschte“ Kind, wird ungerecht, wütend und vieles andere, was zu der erwachsenen Person so gar nicht passt.

Viele wissen inzwischen, wie gesund es ist, sich ein Mal dem inneren Kind zu widmen und alte Verletzungen selbst aufzulösen.

Dieser Ansatz ist im Trostbuch auch ganz klar spürbar und die Autorin nimmt damit auch die Erwachsenen an die Hand, die auch noch mal lernen dürfen, sich ihren eigenen Gefühlen neu zu stellen, sie zuzulassen, anzusehen und auszuhalten.

Das ist ganz wichtig um Kindern Trost spenden zu können.

Screenshot aus dem Buch "Ich tröste dich" von Petra Berghaus

Trauer aushalten – nicht wegdrücken

Die Trauer ansehen, auch ganz bildlich gesprochen – das ist ein Hauptthema des Buches. Eine Übung für die Kinder ist es, sich die Trauer als Wesen vorzustellen oder als Raum, den man ungern betritt.

Bildhaft und gegenständlich können Kinder diese starken Gefühle besser verarbeiten oder herauslassen. Daher ist der „Trost-Tiger“, das von Petra Berghaus kreierte Stofftier, auch so ein großer Erfolg.

Optisch ist er ja nur irgendein Stofftier, nicht besonders auffällig, aber da seine Erfinderin ihn den „Trost-Tiger“ taufte und es Zeichnungen und tröstende Motive dazu gibt, finden die Kinder zu ihm sofort einen besonderen Bezug.

Der „Trost-Tiger“ spielt in seiner Greifbarkeit und als Gestalt gewordener Trost also auch im Buch eine wichtige Rolle. Er ist Motiv der Zeichnungen und Übungen und er ist ein Medium zwischen der Kinder- und der Erwachsenenwelt.

Natürlich funktionieren die Übungen zur Trauerbewältigung auch ganz ohne den „Trost-Tiger“, also man muss nicht zwingend dieses Stofftier kaufen, aber die niedlichen Zeichnungen mit dem Tiger, der kleine Kinder tröstet sind sicher Balsam für kleine trauernde Seelen.

Screenshot aus dem Buch "Ich tröste dich" von Petra Berghaus

Die Trauerwelt – niemand will sie betreten

Mit der Trauer haben wir in unserer Gesellschaft alle so unsere Probleme. Anders beispielsweise in Mexiko und anderen südlichen Ländern, in denen man die Verstorbenen aufwendig feiert, sie immer wieder ehrt und den Tod nicht so meidet wie bei uns.

Zum Trauerthema kommt bei uns noch die Schuldfrage. Das ist auch ein zentrales Thema im Trostbuch. Hierzulande fragen sich die meisten nahen Angehörigen sehr oft, ob sie etwas falsch gemacht haben, zu wenig getan – ob sie gar Schuld sind am Tod?

Diese Gefühle haben ganz sicher auch mit der Verdrängung des Todes in unserer Gesellschaft zu tun und damit, dass er im öffentlichen Interesse meist nur mit Kriminalität in Verbindung gebracht wird. Wer gestorben ist, der muss irgendwie umgebracht worden sein… Wir haben den Zugang zum natürlichen Tod ziemlich verloren.

Bei Kindern ist die Schuldfrage aber nicht durch TV-Konsum so präsent, sondern weil die kindliche Psyche oft gar nicht anders kann, als erstmal die Schuld bei sich zu suchen. Und hier ist es ganz wichtig, sich dem Kind zu widmen und zu klären, dass sein Verhalten daran keine Schuld trägt.

Jeder trauert anders

Ein wichtiger Leitsatz, den zwar viele schon gehört haben, der aber nicht so richtig verinnerlicht wird ist, die Tatsache, dass Trauer viele Gesichter hat. Und die Trauer von Kindern sieht je nach Lebensphase komplett anders aus.

Für Erwachsene, die sich damit noch nie auseinander gesetzt haben, kann das sehr verwirrend sein. In einem Moment spielt das Kind noch fröhlich, dann bricht es in Tränen aus. Jugendliche ziehen sich zurück und verstummen. Erwachsen stürzen sich in die Arbeit. Es gibt keine festen Regeln, wie Trauer auszusehen hat.

Wer selbst trauert oder andere in ihrer Trauer begleiten will, muss diesen Punkt akzeptieren. Man kann daher auch niemand vorschreiben, dass er/sie sich der Trauer widmen soll oder sich ablenken. Da hat jeder seinen eigenen Rhythmus und seine Bewältigungsstrategien.

Für Trauerbegleiter aber bietet das Buch sinnvolle und anschauliche Übungen, die Trauernden einen Zugang und ein Verständnis für die Trauer geben. Petra Berghaus stellt den Lesern anschaulich dar, wie verschieden Trauer in den Entwicklungsphasen von Kindern und Jugendlichen aussehen kann.

Trauer – ein Thema für alle

Das Buch ist eigentlich für jeden empfehlenswert, kommen wir doch alle um das Thema Trauer nicht herum, haben nicht so recht gelernt, damit umzugehen und sie auszuhalten. Es hilft mehr Verständnis für trauernde Mitmenschen aufzubringen, die richtigen Worte zu finden und Trost zu spenden.

Für Trauernde selbst ist es natürlich auch hilfreich, zeigt es doch, dass das eigene Verhalten normal ist – wo man verdrängt und wo man noch mal ansetzen darf. Wer sich und seine Trauer versteht und zulässt, kann auch andere gut trösten.

Buchcover "Ich tröste dich" von Petra Berghaus

„Ich tröste dich“ Petra Berghaus

196 Seiten

Ovis Verlag

ISBN: 978-3910552173

Erscheinungsdatum 25. Februar 2026, im Buchhandel, auf Amazon etc. bestellbar

Über die Autorin Petra Berghaus

Petra Berghaus ist Trauersängerin, Familientrauerbegleiterin und Illustratorin. Sie hat den „Trost-Tiger“ eine Zeichenfigur und ein Stofftier erfunden. Sie begleitet Trauernde, vor allem Kinder und Familien in schweren Zeiten: In Hospizen, Frauenhäusern, Kitas, Schulen, Familienzentren, Palliativstationen.

Sie singt seit vielen Jahren auf Trauerfeiern und kreiert trostspendenede Rituale mit Musik, Sprache und kreativen Ausdrucksformen.

Sie bietet mit der gemeinnützigen Trost-Tiger Hilfe gUG Kreativmaterial für die Anwendung mit Kindern in Kinderschutzambulanzen, Frauenhäusern und überall dort, wo man Kinder trösten muss.

Websites:
www.petraberghaus.de
www.trost-tiger-hilfe.de
www.trost-tiger.de

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