Bauen und Wohnen im Kollektiv ist nichts Neues. Historische Vorläufer reichen von den Reformideen des 19. Jahrhunderts bis hin zur Hippie- und Hausbesetzerszene, die mit dem Slogan „Make love, not lofts“ antrat. Kollektives Bauen und Wohnen erlebt aber zurzeit wieder einen Aufschwung. Dabei entstehen weltweit spannende Projekte. Beispiele stammen unter anderem aus Zürich, Tokio und Wien, von Architekten wie Ryue Nishizawa, pool Architekten und einszueins architektur.
Ein Teil von „sharing economy“
Stadt und Wohnraum, Öffentlichkeit und Privatsphäre sind in vielen Projekten nicht mehr klar getrennt, sondern auf neue Weise miteinander verwoben. Neben Wohnraum, Küche und Garten wird auch der Büroraum gemeinsam genutzt. Projekte, wie zum Beispiel das aus mehreren Wohnkuben bestehende Moriyama-Haus von Ryue Nishizawa in Tokio, beweisen überdies, dass gemeinschaftliche Wohnmodelle sich heute nicht nur erfolgreich im kommerziellen Wohnungsmarkt behaupten, sondern ihn darüber hinaus auch positiv verändern können. Sie sind Teil der so genannten »sharing economy«, die die Rolle des Eigentums grundlegend neu definiert.
Die Eckpunkte von Wohnen im Kollektiv
Nachhaltiges Wohnen und Arbeiten, generationsübergreifender Austausch, individuelles Leben in der Gemeinschaft: Das sind die Eckpunkte der meisten Kollektive. In Wien etwa, plante das Architekturbüro einszueins architektur ein kollektiv genutztes Wohnhaus. Dabei wurde partizipativ vorgegangen.
Das bedeutet, die künftigen Bewohner nahmen von Anfang an, an allen Entscheidungsprozessen teil. „Wir haben Treffen veranstaltet, zahlreiche Mails ausgetauscht und Fragebögen erstellt, um die Wünsche der Bewohner zu sammeln und Gemeinsamkeiten zu finden“, erklärt Markus Zilker, einszueins architektur den Planungsprozess.
Kostengünstig bei hoher Wohnqualität
Bauen und Wohnen im Kollektiv bringt einen klaren Vorteil: Die Mieter kommen mit weniger Quadratmeter aus, da es ja einen hohen Anteil an Gemeinschaftsräumen gibt. So ergibt sich die Möglichkeit, relativ kostengünstig in qualitativ hochwertigen Wohnräumen zu leben. Angesichts steigender Quadratmeterpreise in den Metropolen, eine zukunftsfähige Wohnform. Je nach Konzept soll auch die Privatsphäre nicht zu kurz kommen. Einen gewissen Gemeinschaftssinn braucht es dann aber wohl doch, um in solch einem Projekt glücklich zu werden.
Wer ein eigenes Kollektiv gründen will, muss je nach Standort, verschiedene Behördengänge durchmachen. Am besten, Sie wenden sich für erste Informationen an das für Ihre Region zuständige Bauamt. Auch in bestehende Projekte können Sie mit ein wenig Glück noch eintreten – einfach anfragen.
Ein kleiner Auszug von Wohnprojekten im deutschsprachigen Raum:
- Hier finden Sie Informationen zu bestehenden und entstehenden gemeinschaftlichen Wohnprojekten in Berlin.
- Hier geht es zur Bau- und Wohngenossenschaft Kraftwerk1 in Zürich.
- Auch die Genossenschaft Kalkbreite arbeitet an einem Projekt in Zürich.
- In Wien zählt die Sargfabrik zu den Vorreitern in Sachen Wohnen im Kollektiv.
- Das Projekt WGE! – Gemeinsam wohnen in Wien vermittelt Jung und Alt zu Wohngemeinschaften.
- In Salzburg ist der Verein zur Förderung selbstverwalteter und solidarischer Lebens- und Wohnformen Habitat dabei, ein Kollektiv zu gründen.
- Hier finden Sie noch weitere Projekte in Deutschland und Österreich.
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Karin Bornett
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