„Street Art International“ von Diego Lopez – Buchrezension

Ein Bildband wie eine Farbexplosion! Auch wer bislang mit Street Art nichts anfangen konnte, wird von diesem Buch begeistert sein. Für Kunstfreunde das perfekte Geschenk.

Man kann es als Anleitung zum Verstehen von Street Art ansehen oder als Inspirationsquelle für eigenes künstlerisches Schaffen oder als weiterer Band für Kunstinteressierte. In jedem Fall ist dieser Bildband vom Midas Verlag sehr faszinierend: modern, lebensnah, urban, jung, bunt und frisch.

Auch wer sich noch nie mit Kunst allgemein beschäftigt hat, sollte hiermit starten. Street Art ist ein ganz eigenes Genre, frei von vielerlei Konventionen und befolgt doch gewisse Regeln, von denen Außenstehende nichts wissen. Denn – die Künstler dieses Bandes – und das sind vor allem solche, die Auftragsarbeiten erledigen, wollen mit ihren Werken nicht verstören und provozieren, sondern erfreuen. Und das merkt man ihren Bildern einfach an.

Es ist ihnen bewusst, dass ihre monumentalen Werke Tag für Tag von den Anwohnern der Stadtviertel gesehen werden und diese sich nicht darüber ärgern sollten. Die Motivwahl hat also sehr viel mit Rücksichtnahme zu tun.

So gibt es viele schöne Naturmotive und Ästhetisches zu sehen und Farbkompositionen, die eine wahre Freude für das Auge sind. Zwar gibt es auch viele Street Art Künstler wie Banksy, die Botschaften vermitteln und auf Missstände hinweisen und das ist auch der Kern von Street Art, aber mittlerweile ist es eben auch eine eigene Kunstform, die für die Passanten gemacht wird.

Aus dem Buch "Street Art International" von Diego Lopez, Midas Verlag.

Zwischen Provokation, Schmierereien und großartigem Talent

Diese anspruchsvolle „Art“ der Street Art ist natürlich u.a. auch entstanden aus den eher verschmähten Graffiti-Schmierereien an Bahnhöfen, Mauern und in verlassenen Gebäuden. Der Unterschied ist das künstlerische Talent, die Ästhetik und das Motiv.

Viele Street Art Künstler haben genauso angefangen: Ihr Logo möglichst überall hingesprüht, ihr Revier markiert, sie haben den Thrill des Verbotenen genossen – aber bei vielen hat sich dann mehr daraus entwickelt, nämlich ihre Liebe zur Kunst und die Entdeckung ihres Talents.

Und ja, was soll man groß drumherum reden: Häuserwände sind die größten Leinwände der Welt – absolut faszinierend für Künstler! Jeder, der wirklich gut malen kann, müsste doch eigentlich davon träumen, mal eine Hauswand zu bemalen.

Aus dem Buch "Street Art International" von Diego Lopez, Midas Verlag.

Aber es ist nicht jedermanns Sache, denn Street Art ist weiterhin unbequem: Man malt und sprüht bei Wind und Wetter, die Farbe trocknet schlecht oder zu schnell, die Schablonen fliegen umher. Die Künstler sagen, es ist ein archaisches, aber faszinierendes Gefühl draußen zu malen. Und nicht nur draußen, sondern auch in schwindelerregender Höhe. Denn wie bemalt man Hochhauswände? Indem man sich mit Lift hochfahren lässt und dort oben, bei frischem Wind um die Nase, zu stehen und zu malen – das kann wirklich nicht jeder!

Allein dafür gebührt den Künstlern schon sehr viel Respekt – aber darüber hinaus schaffen sie auch noch wunderschöne Werke für die Passanten und die Nachwelt.

Aus dem Buch "Street Art International" von Diego Lopez, Midas Verlag.

Ein Kaleidoskop an bunten Collagen und Motiven

Für Kunstschaffende bietet dieser Bildband eine Fülle an Inspiration: Die Welt der Street Art ist  kunterbunt und wer auf Farben steht und Farbkombinationen kommt hier aus dem Staunen gar nicht mehr heraus.

Die Hochhauswände ergeben ganz andere Möglichkeiten, verlangen aber auch andere Techniken und andere Motive. Eine Toskana-Landschaft würde hier nicht funktionieren, auch kein rein realistisches Portrait oder Stillleben. Auch Promis einfach abmalen, würde nicht reichen – es braucht für Street Art einfach mehr. Und das Gespür für diese Motive und Kompositionen hat nicht jeder, der gut malen kann.

Aus dem Buch "Street Art International" von Diego Lopez, Midas Verlag.

Daher kann man aus diesem Buch einfach auch viel lernen. Die Street Art Künstler arbeiten sehr fantasievoll, meist eher surreal, aber einfach auch sehr harmonisch und ästhetisch. Cartoons sind genauso dabei wie wunderschöne Naturmotive. Für die klassischen Graffiti-Schriftzüge ist aber auch Platz und sie sind wesentlich kunstvoller als bloße Schmierereien.

Aus dem Buch "Street Art International" von Diego Lopez, Midas Verlag.

Neben der Motivwahl kann man einiges über Techniken lernen, denn diese riesengroßen Motive muss ein kleiner Mensch erstmal auf die Wand bekommen. Einige arbeiten mit der Rastermethode, andere mit Schablonen und mit Projektoren. Die Farbe kommt als Spray aber auch ganz klassisch mit Farbtopf und Pinsel an die Wand.

Es ist ein Buch, dass man durchlesen kann – von vorne bis hinten – aber nicht muss. Es macht auch Spaß, sich nur die Bilder anzusehen und mit diesen knallbunten Welten Abstand vom Alltag zu bekommen.

Aus dem Buch "Street Art International" von Diego Lopez, Midas Verlag.
Cover "Street Art International" Diego Lopez

Fakten zum Buch:

Diego Lopez

Street Art International
Die wichtigsten Street Artists aus aller Welt

320 Seiten, Hardcover, Euro (D) 39 | Euro (A) 42 | CHF 49
ISBN 978-3-03876-322-2 (Midas Collection)

Erschienen am 25. Nov. 25

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