Wieviel Text braucht eine Website?

Alexas_Fotos / Pixabay

Rätselhafte, kurze Werbebotschaften sind im Web nicht sinnvoll, wenn Informationen gesucht werden.

Zu der Frage, wieviel Text eine gute Website braucht, gibt es recht verschiedene Ansichten. Doch wer sich ein wenig im Internet-Business auskennt weiß: Meist eher viel Text. Warum? Ganz einfach, weil Google Inhalte, also Texte, mag. Google möchte den Lesern (und das Wort sagt es ja schon…) möglichst viele, gute Inhalte bieten und ganz allgemein gilt: Ein längerer Text verspricht allgemein mehr Inhalt als ein kurzer.

Dass man sich darüber streiten kann, ist klar. Kurz, knapp, treffend formulieren, das sollte das Ziel eines jeden Texters sein. Doch kann Google mit Wortspielereien, Ironie und typischen Werbefloskeln nicht viel anfangen.

Generell geht Google eher davon aus, dass ein langer Text ein Thema hinreichend beleuchtet.

 

„Meine Website ist einfach anders…“

das ist die Begründung von Kollegen, besonders Werbetextern, die mit Worten grundsätzlich sparsam umgehen wollen. Ja, man muss es so sagen: Der Minimalismus-Trend boomte in der Werbebranche schon recht viel länger, bevor er Einrichtung und Haushaltsführung übernahm.

Das kam von einigen erfolgreichen, kurzen und prägnanten Werbebotschaften wie “Quadratisch. Praktisch. Gut.“ – Seither versucht man in allen  Branchen mit ein paar treffenden Worten die Kunden zu überzeugen. Schön, wenn es gelingt. Eine große Kunst, wenn ein Texter diesen Stil wirklich beherrscht. Leider aber passt der Minimalismus nicht in alle Textsorten, sondern eigentlich nur in den Bereich Slogans und Claims!

Was sollen ein paar hingeworfene Brocken auf einer Website, in der sich potentielle Kunden über ein bestimmtes Angebot informieren wollen? Gut, Werbetexter versuchen mit möglichst wenigen Worten ihren Stil, ihre Kunst zu verkaufen. Ist der Stil wirklich gut, zieht diese Masche und man bekommt neue Aufträge und Kunden. Leider kann man eine solche Website mit viel Bildmaterial und wenig Text nur als Visitenkarte nutzen, denn gefunden wird sie im WorldWideWeb eher nicht. Wie soll Google auch die paar Sätze einordnen und einem Thema zuordnen? Es geschieht hier das selbe wie leider mit Gedichten… sie fallen einfach hinten herunter in der Google-Suche, egal wie gut sie sind.

Auffallen um jeden Preis – als Texter

NunofSousa / Pixabay

Viele Texter wollen aber um jeden Preis auffallen und anders sein als die Konkurrenz. Mit möglichst wenig Worten den Kunden ins Mark treffen, das ist der Traum vieler Werbetexter. Andere Texter, Journalisten oder Autoren wiederum versuchen sich auf sehr ungewöhnliche  Weise Aufmerksamkeit zu verschaffen: Indem sie das System Website ad absurdum führen.

Dann findet man unter den einzelnen Rubriken wie “Über mich” oder “Leistungen” und “Referenzen” keine vernünftigen Informationen, sondern hingerotzte Frechheiten, die für Intellektualität und Abgehobenheit stehen sollen. Der Autor, Texter oder Journalist will mit der breiten Masse nicht in einen Topf geworfen werden und demonstriert sein ‘Anderssein’ und damit (so hofft er…) auch sein Bessersein. Frei nach dem Motto: “Ich mach das Spiel nicht mit.”

Kunden, die auf solchen Websites landen, bleiben ratlos zurück. Was will der Autor mit Trotz und Frechheiten erreichen? Er verlangt im Grunde vom Leser, dass er sich die Mühe macht, hinter diese Fassade zu schauen und außerdem einen Revoluzzer zu buchen. Aber suchen Online-Magazine, Redakteure und Marketeer Autoren, die eigen, unangepasst und abgehoben künstlerisch drauf sind oder einfach Texter, die sich allgemein verständlich ausdrücken können? Wohl eher letzteres. Wer mit einer solch ausgefallenen Website also kein gutes Geschäft macht, muss sich nicht wundern..

Der Kunde/Leser will an die Hand genommen werden

3dman_eu / Pixabay

Es klingt vielleicht kindisch, ist es aber nicht. Wir alle sind Kunden und wollen das Angebot eines Ladens, Dienstleisters, eines Geschäftes anständig präsentiert bekommen. Wir wollen im übertragenen Sinne an die Hand genommen werden. Man muss uns schon erklären, wozu eine Ware gut ist, warum wir sie kaufen sollten. Das ist nicht nervtötendes Werbegeschrei, das ist einfach Information, die uns zusteht. Man kann auf seiner Website den Leser/Kunden nicht alleine lassen, nach dem Motto: “Sieh selbst zu, wie du hier zurecht kommst..” Der Kunde möchte informiert und überzeugt werden. Dazu gehören eben nun mal Texte, die ausführlich das Angebot beschreiben.

In drei kurzen Sätzen ist kein Angebot hinreichend erklärt. Wir erwarten als Kunden alle mehr! Natürlich wollen wir nicht ‘zugetextet’ werden, niemand hat seine Zeit gestohlen. Aber wir wollen auch nicht mit ein paar künstlerischen Info-Brocken abgespeist werden. Wollen wir Kunst sehen, gehen wir ins Museum oder in die Galerie. Im Web suchen wir Informationen. Gönnen wir unseren Kunden und Lesern also mehr als ein paar Sätze.

Der Leser sollte die Infos nicht mit der Lupe suchen müssen

Geschwafel oder Inhalt? Was macht Texte gut?

OpenClipart-Vectors / Pixabay

Natürlich kommt die Liebe zum Minimalismus nicht von ungefähr. Wir alle haben inhaltsloses Geschwafel satt, offline oder online. Ellenlange Texte, in denen jemand nur leere Worthülsen oder peinliches Geschwätz von sich bringt, sind uns allen ein Graus – und leider wimmelt das Web von solchen Texten. Natürlich ist es also auch nicht der richtige Weg, möglichst lange Texte zu produzieren.

Texter-Websites mit langen Textblöcken und ausschweifend langatmigen Erzählungen sind ebenso kontraproduktiv wie solche mit schönen Bildern und ein paar Wortkrumen. Lange Textblöcke animieren nicht zum Lesen, sondern zum Wegklicken. Je länger ein Text wird, umso mehr muss man ihn optisch auflockern – mit Bildern, Zwischenüberschriften und Aufzählungen. Das gilt auch und gerade bei Homepages! Der Leser möchte gerne auf einem Blick die Vorteile aufgelistet bekommen, die er hat, wenn er ein Angebot nutzt! Er möchte informiert werden, aber nicht sinnlos seine Zeit vertun und die wichtigsten Infos umständlich zwischen den Zeilen suchen müssen. Tun wir ihm doch den Gefallen!

Wo bleibt noch Platz für Individualität?

Der eine oder andere Kollege mag sich nun fragen, wo noch Platz für Individualität bleibt. Es war doch so schön, die Leser zu verstören, mit ein paar rätselhaften Satzbrocken und künstlerischen Bildern. Oder man hat sich austoben können mit ellenlangen, literarischen Ergüssen über den eigenen Werdegang. Individualität lässt sich aber im Web ganz anders und effektiver ausleben. Zunächst mal im Design. Die Website sollte ein individuelles Design haben, das exakt zum eigenen Angebot und Stil passt. Ist man sehr nüchtern in seinem Schreibstil und möchte Themen wie Finanzen, Versicherungen etc. bearbeiten, passt sicher ein reduziertes Design ohne viel Schnick-Schnack am besten. Möchte man gern mehr kulturelle Themen anbieten, darf es bunter und ausgefallener sein.

Wie das Design aussehen soll, ergibt sich nahezu von selbst, wenn man erst einmal weiß, was man selbst will oder was für eine Art von Texter man ist. Viele aber wissen gar nicht, in welche eindeutige Richtung es gehen soll. Sie wollen alle Bereiche abdecken und so bleibt das Design beliebig, langweilig, unauffällig.

Neben dem Design kann man seine eigene Persönlichkeit natürlich immer noch in den Texten und dem Aufbau der Texte ausleben! Man muss nicht alles haargenau so machen, wie die Kollegen. Es müssen nur die Grundinformationen schnell zu finden sein und die Menüführung sollte standardisiert sein. Kein Mensch will auf einer Website den Mars neu entdecken, jeder Leser freut sich, wenn er weiß, wo er welche Informationen findet.

„Ich will aber viel schreiben…“

Wer auf seiner Website gerne erzählt, dem sei ein angehängter Blog empfohlen. Hier kann sich jeder Texter ganz nach seiner Façon ausleben. Die Texte für die Website sollten aber nicht zu lang werden, das schreckt neue Kunden eher ab. Ein gesundes Mittelmaß ist hier genau richtig. Bitte keine Fachartikel auf die einzelnen Seiten packen!

Wer unsicher ist, beauftragt einfach einen erfahrenen Texter! Wir wissen meist, wie Google gerade tickt und passen die Textlänge den aktuellen Maßstäben für Qualität an.

J. Florence Pompe

Über J. Florence Pompe 34 Artikel
J. Florence Pompe ist freiberufliche Texterin seit 2010. Nach dem Studium der Germanistik und Pädagogik arbeitete sie einige Jahre in einem kleinen Lehrmittelverlag. Als Texterin führt sie mehrere eigene Wordpress-Blogs und arbeitet für Kunden redaktionell. Am liebsten schreibt sie über Mode, Schmuck, Interieur, Design und Kunst. Alles, was mit Farben und Formen zu tun hat, fasziniert sie. Zum Thema Mode hat sie eine besondere Affinität, da sie in ihrer Jugend viel genäht hat und sich mit Stoffen und Schnitten gut auskennt. Website: www.papillon-texte.de

1 Kommentar

  1. also, ganz frei nach danny kaye: „ein text/eine rede muss lang genug sein, um das wesentliche abzudecken, und kurz genug, um interessant zu sein.“

    außerdem kommt es immer auf den zweck und die platzverhältnisse an.
    ein blogartikel erlaubt wohl mehr als eine homepage.

    sehr wichtig sind struktur und benutzerführung … b…l…a… (bieg links ab) statt b…l…a…b…l…a… (bleib liegen, alter, bis langeweile aufkommt)

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


*