Was ist die Künstlersozialkasse?

Gesetzbuch
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Fragen zur Künstlersozialkasse sind relativ häufig. Oft tauchen seltsame, von Halbwissen und persönlichen Erlebnissen geprägte, Antworten dazu auf. Hier sind wichtige Fakten zu diesem Thema zusammengestellt, ohne Anspruch auf Vollständigkeit und ohne Gewähr.

Wer selbstständig freiberuflich arbeitet, muss sich selbst krankenversichern. Besonders künstlerisch tätige Freiberufler verdienen oft zu wenig, um die hohen Versicherungsbeiträge aufzubringen. Aus diesem Grund gibt es in Deutschland die Künstlersozialkasse (KSK), eine Sozialversicherungsstruktur, die europaweit einzigartig ist.

Rechtliche Grundlage für die Künstlersozialkasse bildet das Gesetz über die Sozialversicherung der selbstständigen Künstler und Publizisten. Bereits 1983 trat dieses Gesetz als Künstlersozialversicherungsgesetz (KSVG) auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland in Kraft. Mit der Durchführung des Gesetzes wurde die Unfallversicherung Bund und Bahn beauftragt. Diese gründete nun die Künstlersozialkasse als Pflichtversicherung für die entsprechenden Berufsgruppen.

Dabei ist die KSK selbst keine Sozialversicherung, sondern fungiert ähnlich wie ein Arbeitgeber. Sie zieht den Eigenanteil ihrer Mitglieder ein, legt den „Arbeitgeberanteil“ drauf und überweist den Gesamtbetrag an die Rentenversicherung sowie an die Kranken- und Pflegekasse. Jeder Versicherte entscheidet selbst, bei welcher Krankenkasse er Mitglied wird und hat dort Anspruch auf alle gesetzlichen Leistungen.

Wie hoch sind die Beiträge?

Allgemein richten sich die Monatsbeiträge in einer gesetzlichen Sozialversicherung nach dem Einkommen des Versicherten, wobei sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber die Beiträge teilen. Genauso verhält es sich bei den Mitgliedern der KSK. Diese zahlen die Hälfte des errechneten Betrages selbst, den Rest übernimmt die Künstlersozialkasse als Zuschuss.

Die Beitragshöhe wird jährlich neu festgelegt und auf der Grundlage des voraussichtlichen Jahresarbeitseinkommens berechnet. Zu diesem Zweck müssen Mitglieder am Jahresende eine vorausschauende Schätzung abgeben, die auf den „Erfahrungswerten der Vorjahre und der Auftragserwartung des Folgejahres“ beruhen sollte. Weitere Einzelheiten finden Sie auf der Webseite.

 

Woher nimmt die Künstlersozialkasse dieses Geld?

Der Zuschuss wird aus Mitteln des Bundes und durch die Künstlersozialabgabe finanziert. Und zwar stammen 30 % des gesamten Sozialversicherungsbeitrages aus der Künstlersozialabgabe der Unternehmen, die künstlerische und publizistische Leistungen verwerten. Für 20 % des Gesamtbetrages kommt der Bund auf. Der Versicherte selbst überweist seinen Anteil von 50 % ebenfalls an die KSK, diese leitet den Gesamtbetrag dann an die entsprechende Kasse weiter.

Was ist die Künstlersozialabgabe?

Mit der Künstlersozialabgabe legt die KSK ihre Kosten auf abgabepflichtige Unternehmen um. Abgabepflichtig sind die Verwerter von künstlerischen und publizistischen Leistungen. Im § 24 des KSGV sind betreffende Unternehmen aufgelistet, darunter Verlage, Presseagenturen, Theater und Chöre. Auch Konzert- und Gastspieldirektionen fallen darunter genau wie Rundfunk, Fernsehen und Zirkusse. Museen, Hersteller von Bild- und Tonträgern, Galeristen und Kunsthändler müssen diese Abgabe ebenfalls zahlen.

Doch auch andere Unternehmer sind abgabepflichtig, wenn sie Leistungen selbstständiger Künstler und Publizisten in Anspruch nehmen oder diese beauftragen. Solange dies nur gelegentlich geschieht, können diese Unternehmen jedoch von der Abgabe frei sein. Als „gelegentlich“ gelten maximal drei Veranstaltungen im Jahr beziehungsweise Gesamtausgaben von maximal 450 Euro jährlich.

Die Abgabe wird übrigens fällig, egal ob der beauftragte Künstler oder Publizist Mitglied der KSK ist oder nicht.

Weitere Informationen zur Künstlersozialabgabe finden Sie in dieser Veröffentlichung der Deutschen Rentenversicherung.

Wer wird Mitglied in der KSK?

Nach einem schriftlichen Antrag prüft die Künstlersozialkasse, ob alle Voraussetzungen für die Mitgliedschaft erfüllt werden. Demnach muss der Antragsteller:

  • Künstler oder Publizist sein,
  • selbstständig sein,
  • die Tätigkeit dauerhaft ausüben,
  • seinen Lebensunterhalt damit verdienen.

Außerdem muss der Antragsteller vorwiegend in Deutschland tätig sein.

Künstler im Sinne der KSK:

  • „Personen die Musik, bildende und/oder darstellende Kunst schaffen, ausüben oder/und lehren.“
  • Dabei orientiert sich die KSK an den Berufenbezeichnungen, die im Künstlerbericht der Bundesregierung aufgeführt sind und eigenen praktischen Erfahrungen.

Publizisten im Sinne der KSK:

  • Schriftsteller und Journalisten, auch Freiberufler, die ähnliche Tätigkeiten ausüben und Lehrende dieser Bereiche.
  • Bildberichterstatter, Autoren, Texter, Redakteure beispielsweise fallen auch unter den Schutz der Künstlersozialkasse.

In ihrer Informationsschrift 6 zur Künstlersozialabgabe listet die KSK betreffende Berufe auf, diese Liste ist jedoch nicht abgeschlossen und kann sich durchaus ändern. Die Mitarbeiter der KSK prüfen jeden Antrag individuell.

Sofern alle Voraussetzungen zutreffen, ist die Künstlersozialkasse eine Pflichtversicherung. Für den versicherten Künstler oder Publizisten lohnt sich die Mitgliedschaft, ist er doch zu erschwinglichen Bedingungen sozial abgesichert. So erhalten Versicherte, die länger als sechs Wochen arbeitsunfähig sind, beispielsweise Krankengeld. Auftraggeber müssen die Künstlersozialabgabe in jedem Fall leisten, somit sollten aus der Mitgliedschaft in der KSK keine Nachtteile bei der Auftragsvergabe entstehen.

Quelle: Webseite der Künstlersozialkasse

Die Angaben sind gründlich recherchiert und sorgfältig zusammengefasst. Jedoch ist der Text weder rechtsverbindlich noch eine Rechtsberatung. Außerdem können sich nach Redaktionsschluss Änderungen ergeben haben. Lesen Sie deshalb direkt auf der Webseite der KSK oder in dem Gesetzestext nach.

Dort, auf der Webseite, wird auch betont, dass die KSK „nicht nur eine sozialpolitische sondern auch ein kulturpolitische Errungenschaft“ ist. Weiter heißt es, damit „wird die schöpferische Aufgabe von Künstlern und Publizisten als wichtig für die Gesellschaft anerkannt“.

Für schreibende Freiberufler sind sicher auch diese Beiträge interessant.

Selbständige Künstler/innen in Österreich finden auf den Seiten des Künstler-Sozialversicherungsfonds passende Informationen.

 

Katrin Heidelberger

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