Warum ich den Herbst liebe

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Gehören Sie auch zu den Menschen, die sich einfach nur freuen, wenn in einer Serie von wolkenverhangenen Tagen einfach einmal die Sonne strahlt und einen letzten Hauch von Sommerfeeling verspricht? Oder möchten Sie sich am liebsten einfach nur in die Bettdecke eingraben und bis zum nächsten Frühling Winterschlaf halten, sobald die Tage anfangen, kürzer zu werden? Ich muss gestehen, dass hier zwei Herzen in meiner Brust schlagen, es ist mal so, mal so. Trotzdem liebe ich den Herbst, weil ich ihn für die facettenreichste und faszinierendste Jahreszeit halte.

Die weniger schönen Seiten des Herbstes

Regelrechte Hassgefühle gegen die Jahreszeit und das miese Wetter steigen mit schöner Regelmäßigkeit dann in mir auf, wenn ich bei Besorgungen oder Behördengängen unterwegs bin, von einem plötzlichen Regenschauer überrascht werde. Dieser setzt natürlich stets zum ungünstigsten Augenblick ein, nämlich dann, wenn ich meilenweit von der nächsten Bushaltestelle oder einem netten Café entfernt bin, wo ich den Regenschauer bei einem gemütlichen Latte Macchiato aussitzen könnte. Natürlich bin ich im Grunde selber Schuld. Ich hätte ja nur meinen Regenschirm mitnehmen brauchen, was ich nicht getan hab, weil´´s ja vorher nicht geregnet hat. Also latsche ich halt dann patschnass, vor mich hin fluchend und Gott und die Welt verdammend zurück, nehme eine Dusche und setz mich vor die warme Heizung. Hey, es gibt Schlimmeres!

Warum das Grau in Grau im Herbst auch schön sein kann

Natürlich drückt es massiv auf die Stimmung, wenn der ganze Tag grau in grau ist und sich die Zeit zwischen Morgen- und Abenddämmerung nicht von beiden unterscheiden lässt. Aber – ehrlich gesagt – liebe ich diese Tage, weil an diesen eine gewisse Melancholie in der Luft liegt, die dazu anhält, Abstand vom hektischen Alltag zu nehmen. Ich lebe gern an Flüssen wie der Donau, wo im Herbst besonders viele nebel- und wolkenverhangene Tage festzustellen sind. Wenn ich die Zeit dafür habe, nutze ich diese Tage, um ausgedehnt spazieren zu gehen.

Gern laufe ich an diesen Tagen auch durch die Regensburger Altstadt, die an solchen Tagen einen Hauch des Flairs vom London des ausgehenden 19. Jahrhunderts hat. Fahre mit dem Bus ins Umland und laufe durch den Wald, der genau an solchen Tagen besonders intensiv riecht. Oder gehe einfach an die Donau und beobachte den Lauf der Strömung eine Weile. Dabei nutze ich die Melancholie des Augenblicks, um über mich, mein Leben, meine Vergangenheit, meine Zukunft nachzudenken. Und ich genieße die Ruhe.

Andererseits treffe ich mich an solchen Tagen auch gerne mit Freunden und Bekannten. Wir können genau in dieser Atmosphäre, die draußen herrscht, stundenlang diskutieren, philosophieren und fabulieren. So etwas geht tatsächlich nur im Herbst. Denn: Im Winter sind die Straßenverhältnisse zu unsicher, als dass sich ein spontanes Treffen ausmachen ließe, und im Frühling oder Sommer stehen dann Familienfeste mit Verwandten, die eigentlich keiner sehen will, aber die eingeladen werden müssen, im Vordergrund… also keine Chance für den Chill-Out mit alten Kumpels.

Warum im Herbst nicht einfach ein gutes Buch lesen?

Wenn das Wetter tatsächlich nicht so mitspielt, wie ich es mir vorstelle, ziehe ich mich auch gern einmal vor den gemütlichen Kaminofen oder die warme Heizung zurück und lese einen Krimi oder Horrorroman – je nach Gemütslage. Oder ich setz mich einfach hin und male mir Dinge, die mir auf der Seele liegen, vom Herzen. Auch diese Tage haben also für mich etwas durchaus Positives. Erst recht genieße ich diese Stimmung, wenn draußen der Regen leise gegen das Fenster trommelt.

Doch am schönsten finde ich diejenigen Tage im Herbst, wenn sich die Temperaturen noch einmal von unten her der 20-Grad-Marke nähern und die Sonne vom Himmel strahlt. Die Farben der bunt beblätterten Bäumen wirken dann besonders intensiv und in der Luft liegt ein Hauch von Sommer-Feeling. An diesen Tagen suche ich mir gern ein nettes Café in der Fußgängerzone, genieße die Sonne und beobachte das Treiben um mich herum, während vielleicht sogar schon die ersten Stände für den Weihnachtsmarkt aufgebaut werden. Das sind die Tage im Herbst, die so richtig genossen werden wollen.

Über Harry 27 Artikel
Nachdem Harry Pfliegl im Bayerischen Wald aufwuchs und dort sein Abitur ablegte, absolvierte er eine klassische journalistische Ausbildung. In der anschließenden, sechsjährigen Tätigkeit als (Allein-)Redakteur hatte er die Gelegenheit, sich in alle journalistischen Ressorts fundiert einzuarbeiten und große Teile des Freistaates kennenzulernen. Seit 2012 arbeitet er nunmehr als freier Texter und bearbeitet in diesem Zusammenhang mit Vorliebe Themen aus den Bereichen Reise, Gesundheit und Psychologie. Dank der fundierten Ausbildung und breit gefächerten Interessen schaut er aber auch über den Tellerrand und arbeitet sich gern in andere Themengebiete ein, wobei Sport und Technik absolute Tabuthemen sind.

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