Vorhänge und Gardinen: Geschichte und Trends

Gardinen
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Vorhänge, Gardinen, Flächenvorhänge und Schiebegardinen

Die Auswahl an dekorativem und nützlichem Fensterschmuck und Vorhängen ist groß. So, wie wir uns bezüglich Bekleidung keinem strengen Modediktat mehr unterwerfen, so sind wir auch frei, ob und wie wir unsere Fenster dekorieren. Das war nicht immer so, jede Epoche hatte ihren eigenen Stil. Ein Trend lässt sich aber seit einiger Zeit trotzdem erkennen: Schiebegardinen werden immer beliebter, bieten sie doch beinahe unendlich viele Kombinationsmöglichkeiten. Schiebegardinen und Flächenvorhänge gibt es einfarbig, gemustert, mit Motiven bedruckt, transparent und blickdicht. Fachgeschäfte und spezialisierte Online-Shops führen Flächenvorhänge und Schiebegardinen auch aufeinander abgestimmt. Sie dienen als Raumteiler, verstecken Regale oder unschöne Wände, schmücken Fenster und schaffen durch einfaches Verschieben immer wieder eine neue Raumatmosphäre.

Weitere Vorteile sind die einfache Montage und die problemlose, individuelle Kürzung – ganz ohne Nähnadel! Sie haben es wahrscheinlich schon gemerkt: Ich bin von Flächenvorhängen und Schiebegardinen begeistert und empfehle Ihnen, wenn Sie weitere Infos suchen die vielleicht umfangreichste Seite zu diesem Thema. Ich habe gegoogelt und keine andere gefunden, die so ausführlich informiert wie «Wohnfühlidee» Ich kann nicht nähen und bin auch nicht sehr handwerklich begabt und schon deshalb liebe ich diese Vorhänge. Viele verschiedene Motive und moderne Designs verwandeln einen Raum im Handumdrehen.

Bis wir diese tolle, unkomplizierte Möglichkeit des Fensterschmucks und der Raumgestaltung hatten, war es ein langer Weg. Seit jeher werden Vorhänge verwendet, um sich vor Blicken und Witterungseinflüssen zu schützen. Je nach Stoffart halten sie Sonne und Wind zurück und lassen mehr oder weniger Licht in den Raum. Und nicht erst seit heute erfüllen Stoffe vor Fenstern und Türen auch dekorative Zwecke.

Die Geschichte der Vorhänge und Gardinen

Bereits im alten Ägypten und Griechenland waren Vorhänge mit den traditionellen Ornamenten versehen. Die Römer liebten pompöse Dekorationen und wer es sich leisten konnte, schmückte sein Haus mit aufwendigen Vorhängen. Oft hatten diese keine weitere Funktion, als kunstvoll drapiert und mit Fransen und Blumenmustern versehen, den Raum aufzuwerten.

Als ab Mitte des 12. Jahrhunderts filigrane Buntglasfenster aufkamen, verloren die Vorhänge teilweise an Bedeutung. Waren die bunten Fenster zuerst den Kirchen vorbehalten, so setzte die Glasmalerei schon bald auch im privaten Wohnbereich wohlhabender Leute ein. Heimtextilien verschwanden damit aber nicht aus den Häusern, sondern übernehmen eine andere Funktion: Sie dienten vor allem als Raumteiler und hielten die Kälte ab. Florale oder geometrische Muster zierten diese Vorhänge, vorherrschende Farben waren Rot, Blau, Silber und Gold.

Fenster, Vorhang, Gardine
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Mit Ende des Mittelalters und Beginn der Neuzeit änderten sich die Vorhänge deutlich. Die Renaissance, also die Zeit des 15. und 16. Jahrhunderts, war geprägt von innovativer Kunst, Architektur und Philosophie und bemühte sich, die kulturellen Leistungen der Antike wiederzubeleben. So verzichtete man auf aufwendige Musterungen bei Vorhängen und bevorzugte oft einfache, schlichte Stoffe. Neu waren die in der Mitte des Vorhanges für diese Zeit typischen senkrechten Bordüren. Erstmals gab es verschiedene Vorhangarten: nämlich die schweren, blickdichten sowie leichtere, die meistens aus Seide gefertigt wurden.

Im Barock wurde die ruhige, klar gegliederte Kunst der Renaissance abgelöst und auf Gardinen und Vorhänge wurde bei der Wohnraumgestaltung grosser Wert gelegt. Typische Kennzeichen waren weich fließende, dichte Gardinen, kombiniert mit dickeren Vorhangvarianten. Diese wurden, verziert mit meist großflächigen Ornamenten, vor allem an Fenstern angebracht, konnten aber auch als Raumteiler genutzt werden. Typisch für diese Zeit waren Schabracken, also der versteifte Querbehang als Ergänzung der Fensterdekoration, Kordeln und Fransen.

Der Klassizismus, die Epoche von ungefähr 1770 bis 1830, war bekannt dafür, das klassische Altertum nachzuahmen. Allerdings wurden erstmals Schienen verwendet und kamen Pastellfarben in Mode. Die sich anschließende Romantik dauerte bis weit ins 19. Jahrhundert. Ihr verdanken wir die Erfindung der Gardinenstangen. Erfunden wurden in dieser Zeit auch Ringe, die das Aufhängen erleichterten sowie Haken und Klammern, mit denen die Vorhänge dekorativ drapiert werden konnten. In der bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts reichenden Epoche des Biedermeiers kannte man Stoffe in allen Arten und Farben und gefaltete Gardinen waren in dieser Zeit sehr modern.

Im Jugendstil kamen erstmals die Schienengardinen oder Bistrogardinen auf, die direkt am Fester angebracht werden und seit Jahren wieder, vor allem bei Liebhabern des Landhaus-Stils, beliebt sind. Charakteristisch für die Epoche des Jugendstils waren auch die Schienensysteme, durch die sich Vorhänge und Gardinen mittels einer Schnur zu- und aufziehen ließen. Die floralen Ornamente der Belle Époque zierten natürlich auch die Stoffe.

Jugendstil. Vorhang
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Das 20. Jahrhundert brachte verschiedene Stile hervor, oder besser gesagt: diverse Stilrichtungen existierten nebeneinander. In der Nachkriegszeit boomte die Pop Art und eine ausgeprägte Konsumhaltung. Leichte Gardinen wurden mit einem blickdichten Vorhang ergänzt. Der Minimalismus Ende des 20. Jahrhunderts führte dazu, dass an vielen Fenstern gar keine Gardinen mehr angebracht wurden: nachts genügten Rollos und Fensterläden als Sichtschutz.

Vorhänge und Gardinen Trends im 21. Jahrhundert

Wie bereits eingangs erwähnt: Wir lassen uns keine Modevorschriften mehr diktieren. Wohnungen werden nach eigenem Geschmack eingerichtet und das bezieht auch die Fensterdekoration ein. Ein Trend lässt sich trotzdem beobachten: Besonders jüngere Leute mögen es praktisch und ohne allzu viel Schnickschnack. Und somit schließt sich der Kreis und sind wir wieder bei den tollen Schienengardinen und Flächenvorhängen angekommen. Noch unkomplizierter lassen sich Fenster kaum dekorieren und Räume unterteilen, als mit dieser praktischen Erfindung!

Schiebegardinen selber machen

Vielleicht nähen Sie gerne, sind sehr kreativ und sind auch begeistert von den Schiebegardinen? Ich habe auf youtube ein Video gefunden, dass erklärt, wie Sie einen Flächenvorhang oder eine Schiebegardine selber machen können.


Welche Vorhänge bevorzugen Sie? Haben Sie eine besonders originelle Fensterdekoration selber genäht?
Wir freuen uns über Anregungen, Feedbacks und Fotos im Kommentarfeld oder auf unserer  Facebook Seite.

Sabine Itting



Über Sabine Itting 47 Artikel
Geboren und aufgewachsen in Thüringen, lebt Sabine Itting seit vielen Jahren in der Schweiz, wo sie als Texterin, Autorin und Online-Redaktorin tätig ist. Ihre Liebe zum Landleben und ihr Interesse an Traditionen, Denkmalschutz, Naturheilkunde, Reisen und Wandern, spiegeln sich in ihren Texten wieder. Ihr Projekt «Naturerlebnis Alpen – Schweizer Wanderforum» ist inzwischen mit einem eigenen Online-Magazin im Netz zu finden. Sie ist Inhaberin vom «Schweizer Textservice» und schreibt für Webseiten, Blogs und Printmedien.

1 Kommentar

  1. Ein sehr schöner und informativer Artikel! Mir hat vor allem der gut recherchierte Abstecher in die Geschichte der Vorhänge und Gardinen sehr gefallen. Meine Mutter nutzt Schiebegardinen sehr gern. Aber auf die Idee, sie selbst zu nähen, ist sie bestimmt noch nicht gekommen. Das würde ihr garantiert Spaß machen. Den Artikel leite ich ihr weiter. Danke für die Anregung!

    Bei uns gibt es keine Gardinen. Früher hatte ich als Fensterdekoration ausschließlich üppig wuchernde Grünpflanzen. Sie dienten als immergrüner Sichtschutz und sorgten für Gemütlichkeit. Dann ist Straßenkatze Matza aus Bulgarien hier eingezogen – und hat sie alle ausgegraben. Heute gibt es nur noch eine einzige Zimmerpflanze hier, einen zähen, widerstandsfähigen Kaktus. Vor den Fenstern hängen Plissees. Die sind einfach anzubringen, lassen sich hochschieben (auch von Katzen!) und sie haben sich als überraschend robust erwiesen. „Praktisch und ohne viel Schnickschnack“. 🙂

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