Und sie leben doch noch: die Rolling Stones!

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Mick, Keith, Ron und Charlie, ihr seid einfach nur zu bewundern. Nichts hat mich im internationalen Kulturbetrieb in den vergangenen Jahren mehr geflasht, als die Tatsache, dass ihr 2017 noch einmal auf Tournee geht. Äh, hallo, ihr vier seid mittlerweile – teilweise weit – über 70. Jeder andere würde sich mit der Kohle, die ihr im Rücken habt, auf tropischen Inseln leben, sich rundum von Schönheiten, die eure Enkelinnen sein könnten, verwöhnen lassen und am Lebensende möglichst viel Kohle verblasen, damit die legitimen und illegitimen Erben wenig oder gar nichts abstauben können. Ihr dagegen stellt euch auf die Bühne und spielt dabei mit einer eleganten Lässigkeit, die nicht mehr feierlich ist, mal eben mit links locker und lässig jeden anderen Musiker an die Wand.

Was macht die Rolling Stones so faszinierend?

Schon die Gründungsgeschichte der Rolling Stones ist legendär und hat die Band – nicht nur für mich – so faszinierend gemacht: Mick Jagger und Keith Richards hatten sich zufällig an einer Bushaltestelle getroffen und über Platten gequatscht. Und irgendwie habt ihr beschlossen: “Hey Mann, wir verstehen uns, lass uns ne Band gründen.“ Diese schicksalhafte Begegnung hat dann eben zur Gründung der Rolling Stones geführt.

Und ihr habt mit den Rolling Stones die Welt der Musik völlig revolutioniert. Ihr wart eben nicht die braven Jungs, wie die Rock´n´Roller aus den 1950ern oder die Beatles. Ihr wart die bösen Jungs, vor denen die Väter ihre Töchter beschützen wollten, weshalb sie erst recht auf euch gestanden haben. Und ihr habt in den Sound einen herben, oft dreckigen Drive reingemacht, der den Weg für andere Bands wie beispielsweise Metallica bereitet hat.

Was mich schon als Jugendlicher besonders beeindruckt hat: Die Rolling Stones haben das Motto „Sex, Drugs and Rock´n´Roll“ nicht nur verkörpert, sondern auch auf die Spitze getrieben. Jeder von euch – außer dem chronischen Saubermann Charlie Watts – hätte eigentlich schon vor Jahrzehnten tot sein müssen. Ich denke da nur an die 1970er Jahre, als die Welttourneen der Rolling Stones im Grunde so terminiert werden mussten, dass sich die Auftritte nicht mit den gerade aktuellen Einreiseverboten in diversen Ländern für Keith Richards überschnitten. Ihr habt diese Zeit überlebt und einfach weitergemacht. Und genau das dürfte nicht so einfach gewesen sein. Nicht umsonst hatte ein Kritiker einmal festgestellt, dass es nur zwei Arten von Lebewesen geben dürfte, die einen Krieg mit atomaren Bomben überleben… Kakerlaken und Keith Richards.

Warum ich trotzdem kein Rolling Stones-Konzert mehr besuchen werde

In den 1990er Jahren gab es keine Tournee, von euch, die ich ausgelassen habe. Die Tickets hab ich zwar oft mit mehr Glück als Verstand bekommen, aber ich hatte sie bekommen. Damals hatte ich eigentlich vor, keine Tournee von euch zu verpassen. Warum? Ich fand nicht nur die Musik richtig geil, sondern auch die Tatsache, dass ihr eine bessere Show bietet, als viele Musiker, die 40 oder noch mehr Jahre weniger auf den Buckel haben.

Seit dem Sommer 2013 will ich euch nicht mehr live sehen, nie wieder. Der Grund: Damals hab ich einen Wochenend-Urlaub mit einem Kumpel in London gemacht. Er wollte die David Bowie-Ausstellung sehen, ich wollte London sehen. Mehr oder weniger planlos sind wir also durch die Stadt gelaufen und haben dabei eher zufällig mitbekommen, dass ihr an jenem Abend ein Konzert im Hyde-Park gebt. Logischerweise sind wir hingegangen – die Tickets waren natürlich komplett ausverkauft und wurden nur noch unter der Hand für völlige Mondpreise gehandelt.

Darauf konnten wir verzichten, wir haben uns also einen Platz außerhalb des Konzertgeländes gesucht und hatten das Glück, eine Stelle zu finden, an dem ein kleiner Spalt im Sichtschutzzaun den Blick auf die Bühne erlaubte. Die Bühnenshow war uns im Endeffekt sowieso egal, wir wollten die Musik hören. Und musikalisch wart ihr an diesem Abend einfach nur grandios, besser als bei jedem einzelnen Konzert vor zehn, 15, 20 Jahren. Mir war klar: Die Rolling Stones live im Hyde Park zu erleben, lässt sich nicht mehr toppen. Ich will euch also genauso in Erinnerung behalten, wie ihr an diesem Abend drauf wart.

 

Harry Pfliegl

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Über Harry 27 Artikel
Nachdem Harry Pfliegl im Bayerischen Wald aufwuchs und dort sein Abitur ablegte, absolvierte er eine klassische journalistische Ausbildung. In der anschließenden, sechsjährigen Tätigkeit als (Allein-)Redakteur hatte er die Gelegenheit, sich in alle journalistischen Ressorts fundiert einzuarbeiten und große Teile des Freistaates kennenzulernen. Seit 2012 arbeitet er nunmehr als freier Texter und bearbeitet in diesem Zusammenhang mit Vorliebe Themen aus den Bereichen Reise, Gesundheit und Psychologie. Dank der fundierten Ausbildung und breit gefächerten Interessen schaut er aber auch über den Tellerrand und arbeitet sich gern in andere Themengebiete ein, wobei Sport und Technik absolute Tabuthemen sind.

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