Trachtenmode 2017 – Dirndl, Lederhose und Co

Dirndl, Lederhosen, Trachten
Trachtenmode, Foto: Pixabay.de

Ab auf die Wies’n! – Wissenswertes rund um die Trachtenmode

Wenn es wieder heisst: «O’zapft is!» , dann tragen nicht nur die Bayern und Österreicher Lederhosen und Dirndl. Auf geht’s zum Oktoberfest!

Einmal im Jahr, und zwar im Herbst, führen auch Schweizer Modegeschäfte und Discounter Trachtenmode. Preisgünstige Dirndl, die an Fastnachtskostüme erinnern, finden dann ebenso ihre Käufer, wie hochwertige Modelle. Auch Lederhosen und entsprechende Accessoires sind gefragt. In verschiedenen Schweizer Orten finden mehr oder weniger authentische Oktoberfeste statt. Ob es sich allerdings lohnt, dafür die neusten Trachtenklamotten zu kaufen, um modisch top zu sein, das sei dahingestellt. Denn im Alltag trägt diese in der Schweiz, anders als in Bayern oder Österreich, niemand.

Das Dirndl – wer hat’s erfunden?

Die Schweizer waren es also nicht. Aber woher stammt dieses so weibliche Kleidungsstück eigentlich? Wer meint, es handle sich um eine uralte bayrische Tracht, der irrt gewaltig: Seinen Ursprung hat das Dirndl nämlich nicht mal in den Bergen. Es soll sich aus einer ehemals städtischen Dienstbotentracht entwickelt haben. Die Herrschaften der dirndltragenden Angestellten kamen erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf den Geschmack, dieses praktische Kleidungsstück in den Ferien – oder wie man es damals nannte: in der Sommerfrische – in den Bergen und auf dem Land zu tragen. Einerseits weil es bequem und robust ist, anderseits wollten die Damen sich damit der in der Ferienregion üblichen ländlichen Kleidung anpassen.

Dirn – bitte nicht verwechseln mit den Damen, die heute allgemein als Dirnen bezeichnet werden – nannte man früher in Österreich und Bayern die Magd in bäuerlichen Haushalten. Der altmodische Begriff wird teilweise auch heute noch in dieser Region für ein junges Mädchen verwendet. Davon abgeleitet wurde der Ausdruck Dirndl.

Trachtenmode, Dirndl, Lederhose
Foto: Pixabay.de

Das Dirndl ist eigentlich gar keine Tracht

Während das Dirndl in der Schweiz nur zum Oktoberfest getragen wird, sind hier bei vielen Festen richtige Trachten zu sehen. In einigen Regionen, wie zum Beispiel dem Appenzell, werden diese von Frauen und Männern gerne auch sonntags getragen. Dirndl und Tracht dürfen nicht verwechselt werden: Historische Trachten zeichnen sich durch traditionelle Farben und Ausstattungen aus, die im Gegensatz zum Dirndl eine lange Geschichte haben. Jede Region in Deutschland, Österreich und der Schweiz kennt eigene Trachten. Diesen regionalen Bezug gibt es beim Dirndl nicht. Es wird aber trotzdem unter dem Begriff „Trachtenmode“ verkauft.

Dirndl für jeden Anlass

Dirndl und Oktoberfest, zwei die weltweit miteinander assoziiert werden. Wer wissen möchte, was sich Designer für die Trachtenmode 2017 haben einfallen lassen, wirft am besten auf dem Münchner Oktoberfest einen Blick in jene Festzelte, in denen Promis feiern. Alle anderen Wies’n-Besucher werden wohl kaum Designertrachten tragen. So ein Kleid kann locker einen vierstelligen Eurobetrag kosten. Im bunten Gedränge dagegen ist alles vertreten, vom Billigdirndl bis zum traditionellen Outfit.

Wie schon erwähnt, sieht man auf Bayerns und Österreichs Strassen die schönste Dirndlmode tagtäglich. Aber nicht nur die Baumwolldirndl für den Alltag, sondern auch festliche Modelle werden hier ganz selbstverständlich getragen. Zum Beispiel sind Trachtenhochzeiten im Trend: Die Braut trägt dann meist ein elegantes Dirndl aus erlesenen Stoffen, wie zum Beispiel Seide, und auch der Bräutigam tritt in Trachtensakko und Lederhose vor den Traualtar.

Traumhafte Auswahl: gesehen am Wolfgangsee im Salzkammergut, Fotos: Sabine Itting

Trachtenmode Second-Hand

Für rund 200 Euro sind bereits schöne Trachten-Outfits zu haben. Es lohnt sich übrigens auch, in Second-Hand Läden danach zu schauen. Viele hochwertige Dirndl, die dort angeboten werden, wurden nur einmal getragen. In München ist diesbezüglich das Angebot gross und vor allem Dirndl aus dem Vintage-Store sind mega-in. Mit etwas Geduld können traumhafte Unikate aufgestöbert werden.

Stehen Dirndl wirklich jeder Frau?

Es heisst nicht umsonst, dass das Dirndl das einzige Kleid ist, welches jeder Frau steht. Frauen von ganz jung bis schon deutlich älter und von sehr schlank bis wohlgeformt, sehen in diesem Kleidungsstück umwerfend feminin aus. Trachtenmode gibt es schliesslich in vielen verschiedenen Ausführen, was beispielsweise Rocklänge oder Dekolletee betrifft, probieren Sie ruhig mehrere an, bis Sie ein wirklich passendes Modell für sich gefunden haben.

So tragen Sie das Dirndl richtig

Sie sind sich noch unsicher, welche Rocklänge geeignet und welche Accessoires passend sind? Im Fachgeschäft bekommen Sie eine professionelle Beratung. Für den Einkauf im Versandhandel oder Warenhaus, sind folgende Tipps hilfreich:

  • Für jedes Bein gibt’s das passende Dirndl. Mini sieht nur bei wirklich schlanken, jungen Frauen toll aus. Haben Sie kräftigere Waden, greifen Sie, je nach Körpergrösse, zu den Rocklängen 70 cm oder 85 cm.
    Midi-Röcke sind derzeit modisch up to date und wirken sehr weiblich, sie stehen fast jeder Frau.
  • Ein schönes Dekolletee gehört zum Dirndl und bei wenig Oberweite helfen spezielle Dirndl-BHs nach. Stehkragen und hochgeschlossene Blusen kaschieren und lenken den Blick auf Spitzen und Rüschen.
  • Ob High Heels oder Ballerinas, beides passt, aber bitte keine Turnschuhe zum Dirndl tragen!
  • Wählen Sie lieber wenige, aber hochwertige Accessoires aus, statt sich mit kitschigem Schmuck zu überladen. Ein Halsband oder eine Trachtenkette und ein Paar schlichte Ohrringe genügen.

Wo gehört die Schleife hin?

Der Sitz der Schleife ist wichtig! Foto: Pixabay.de

 

 

Das sollten Sie wissen:

Es ist übrigens nicht egal oder einfach nur Geschmacksache, auf welcher Seite die Schleife Ihres Dirndls sitzt. Laut Brauchtum ist es so:

Schleife rechts = die Dame ist vergeben.

Schleife links = die Dame ist ledig

Schleife in der Mitte = die Trägerin ist Jungfrau

Schleife hinten = die Dame ist verwitwet (oder schafft auf der Wies’n als Kellnerin)

 

Trachtenmode – die Trends 2017

Dirndl zeigen sich in diesem Jahr eher in dezenten Farben. Pastell ist nach wie vor ein Thema, knalligere Töne sollten Ton-in-Ton kombiniert werden. Sehr schön sind farblich abgestimmte Schürzen mit trendigen Borten, dezenten Stickereien und Drucken. Dirndl aus hochwertigen Stoffen wie Seide, Taft und Brokat sind ebenso angesagt, wie traditionelle Baumwolldirndl. Was in diesem Jahr neu und absolut in ist, sind Petticoats, wie man sie aus den 50er Jahren kennt, und diese dürfen gerne unter dem Rock hervor blitzen. Ebenfalls ein Muss in diesem Jahr sind Trachtenhüte. Wer aber auf die Kopfbedeckung verzichten möchte, trägt Dutt, geflochtene Zöpfe oder Pferdeschwanz. Noch mehr Frisurentipps gibt’s in diesem Video:

Herrentracht 2017

Stramme Wadln in Lederhosen – da schauen wir Frauen doch gerne hin. Zwar gibt es für die Männer auch alljährlich Trendempfehlungen, aber im Grunde genommen macht erst die über die Jahre entstandene Patina eine Lederhose so richtig stilecht. Die schönste Patina erhalten Hosen aus Wildbock- oder Hirschleder. Diese sind entsprechend teurer und die Anschaffung lohnt eigentlich nur, wenn man sie auch im Alltag tragen kann. Ansonsten empfiehlt sich Leder von Schwein oder Rind. Antik Look und Gebrauchsspuren sind derzeit besonders angesagt, diesen Look bringen gewachste Lederhosen von Anfang an mit. Vor allem ein Trend lässt sich 2017 beobachten: Die kurze Plattlerhose in Gelb, Grün und bunt bestickt wird garantiert auf der Wies’n häufiger zu sehen sein.

Anders als in den letzten Jahren üblich, sind weite Schnitte für die Herrenhemden out, in diesem Jahr trägt Mann figurbetont. Vichy-Karos sind in verschiedenen Farben zu sehen, in kräftigen, abgestimmten Farben dazu kombinierte Westen runden den Look ab. Lässige Strickjacken, wie sie schon in den Vorjahren zu sehen waren, bleiben weiterhin aktuell.

Oktoberfest in der Schweiz? – Bauschänzli Oktoberfest in Zürich

Abschliessend noch ein Tipp für meine Schweizer Leser.

Nicht jeder hat die Gelegenheit, auf der Wies’n in München zu feiern. «O’zapt is!» heisst es auch an der Limmat, und zwar seit 1995 auf dem Bauschänzli. Das traditionelle Zürcher Oktoberfest bietet speziell gebrautes Oktoberfestbier, Haxn, Hendl und Brezn, Live Musik – und gestandene Mannsbilder und fesche Madln gibt es hier natürlich auch! Vom 6. Oktober bis 4. November 2017 ist es wieder soweit. Das Bauschänzli Oktoberfest in Zürich ist übrigens das beliebteste in der Schweiz: Nutzen Sie den Vorverkauf!

Sabine Itting

 

 

 

 

 

 

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Über Sabine Itting 31 Artikel
Geboren und aufgewachsen in Thüringen, lebt Sabine Itting seit vielen Jahren in der Schweiz, wo sie als Texterin, Autorin und Online-Redaktorin tätig ist. Ihre Liebe zum Landleben und ihr Interesse an Traditionen, Denkmalschutz, Naturheilkunde, Reisen und Wandern, spiegeln sich in ihren Texten wieder. Ihr Projekt «Naturerlebnis Alpen – Schweizer Wanderforum» ist inzwischen mit einem eigenen Online-Magazin im Netz zu finden. Sie ist Inhaberin vom «Schweizer Textservice» und schreibt für Webseiten, Blogs und Printmedien.

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