Die Faszination The Simpsons

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Obwohl ich von Kindesbeinen an bis heute bekennender Comic-Fan bin, konnte ich mit den Simpsons absolut nichts anfangen, als sie – das muss Anfang der 1990er Jahre gewesen sein – erstmals über die Bildschirme im deutschsprachigen Raum flimmerten. Meine Comic-Welt beschränkte sich eher auf Entenhausen – das Entenhausen der Familie Duck wohlgemerkt – auf das kleine Dorf mit den unbeugsamen Galliern (Asterix), Metropolis (Superman) und Gotham City (Batman). Doch eines Tages sollte ich eine Offenbarung erleben, und die Simpsons wurden einfach nur Kult für mich.

Was hat mich an den Simpsons gestört?

Was mich an den beiden Folgen aus der ersten Staffel, die ich mir dann halt doch angeschaut habe, weil irgendwie jeder darüber geredet hat, am meisten genervt hat: Die Charaktere wirkten auf mich lieblos hingerotzt, ganz im Gegensatz beispielsweise zur Walt-Disney Legende Carl Barks, der jedes Bild in seinen Geschichten als liebevoll gestaltetes Kunstwerk – oft mit zahlreichen offensichtlichen und versteckten Details versehen – gestaltet hat. Die Simpsons wirkten auf mich eher wie: Ich klatsch halt mal ein paar Strichmännchen auf Papier und wir machen einen Zeichentrickfilm daraus.

Und auch die Storyline hat mich alles andere als überzeugt, da Bart Simpson in den ersten Folgen die tragende Figur war. Äh ja, das Schema, dass ein Rotzlöffel mit einem vertrottelten Vater und einer hyperbesorgten Mutter gegen alles und jeden rebelliert und trotzdem Sympathieträger ist, hatten wir in Film und Literatur ja auch schon einige Male, ist also auch nicht wirklich etwas, das mich vom Hocker gerissen hätte. Ergo hab ich abgeschaltet und die Simpsons künftig wegignoriert.

Die Offenbarung – hey, die Simpsons sind gut

Die „Simpsons-Offenbarung“ erlebte ich schließlich an meinem 25. Geburtstag. Ich hab mich mit einigen guten Freunden in meiner Bude getroffen und nachdem ich die Geschenke ausgepackt habe, wir den nächstgelegenen Lieferdienst geplündert, ein paar Gläser Wein miteinander getrunken und über Gott und die Welt gequatscht haben. In dieser Zusammensetzung haben wir stets gern nebenbei ein Video laufen lassen und zufälligerweise war eines der Geschenke eben ein Videotape mit zehn Folgen der Simpsons, das ich eher höflichkeitshalber in den Videorekorder gelegt habe.

Auf dem Tape war nun aber eine Folge, die mich absolut angesprochen hat. Es war jene Folge, in welcher Homer Simpson eher versehentlich wegen eines besonders geformten Muttermals zum Führer einer Geheimgesellschaft gewählt wurde. Angesprochen hat mich diese Folge besonders, weil ich mich in jener Zeit interessehalber relativ intensiv mit Bruderschaften, Geheimgesellschaften und ähnlichem Kram beschäftigt habe, Und ich hab mich gekugelt vor Lachen, weil die Folge gespickt war mit persiflierten Anspielungen auf tatsächliche oder angebliche Rituale in Geheimbünden.

Die Simpsons als Spiegel der Gesellschaft

Nach einigen weiteren Folgen, die ich nach diesem AHA-Erlebnis aufmerksamer geschaut habe, war mir klar: Genau das zeichnet die Serie aus. Es gibt nämlich nahezu keine Folge der Simpsons, in der keine ironischen Anspielungen auf den Alltag der US-Amerikaner oder auf gesellschaftliche Tendenzen in den USA gemacht werden.

Und im Laufe von weit mehr als 20 Jahren hat sich aus Matt Groenings Idee ein richtiger kleiner Kosmos entwickelt, der für eine Zeichentrickserie äußerst komplex ist. Denn es gibt einige Grundregeln im Universum der Simpsons, die von den Zeichnern strikt beachtet werden müssen. Beispielsweise scheiden die Hauptfiguren, die in einer der Folgen gestorben sind, für immer aus der Serie aus. Das ist an sich nicht ungewöhnlich und auch in anderen Serien üblich. Jedoch gibt es bei den Simpsons zwei Ausnahmen, nämlich die Halloween- und die Weihnachtsfolge, in welchen oft mehrere kurze Geschichten in einer Folge vereint sind. Hier tauchen auch verstorbene Charaktere gelegentlich auf und Figuren, die insbesondere in der Halloween-Folge sterben, leben ihr Leben in Springfield anschließend nahtlos weiter, als ob nichts geschehen wäre.

Andere Charaktere wiederum entwickeln sich – anders als bei den meisten Comics – kontinuierlich weiter. Beispielsweise wurde aus dem versifften Alkoholiker Barney Gumble, dessen zweites Zuhause Moe´s Bar war, ein Hardcore-Kaffeetrinker, der in den späteren Folgen gescheitelt auftritt und auch gelegentlich einen Spruch über die Gefährlichkeit von Alkohol ablässt. Andere Neuerungen hingegen wurden nur langsam und behutsam eingeführt. So hat sich die zeichnerische Qualität langsam aber kontinuierlich verbessert.

Ein weiteres Detail, das die Simpsons Fans schätzen: Jeder amtierende oder ausgeschiedene Präsident der USA taucht in irgendeiner Folge als völlig überzeichneter Charakter auf. Legendär ist etwa der Nachbarschaftskrieg, den sich Barts Vater Homer mit dem gerade aus dem Amt geschiedenen George Bush senior geliefert hat. Eine Konstante aber bleibt gleich: Maggie wird immer das Baby bleiben, die hochintelligente Lisa und der rotzfreche Bart werden immer in der Grundschule von Springfield bleiben und Homer wird immer der völlig inkompetente und überforderte Sicheitsinspektor im örtlichen Kernkraftwerk bleiben, der mehr Katastrophen verursacht, als er löst.

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War früher alles Besser?

Und nach wie vor macht es riesigen Spaß, einfach nur auf der Couch zu chillen und ein, zwei Folgen von den Simpsons zu schauen. Dabei ist es einerlei, ob eine der neuen Folgen läuft oder eine Wiederholung aus der Pro7-Simpsons-Dauerschleife. Auch wenn viele alte Fans bemängeln, dass es den Folgen aus den neuen Staffeln im Vergleich zu den ersten Staffeln an Witz und Tiefgang fehlt. Gut, es mag vielleicht sein, dass den Autoren und Zeichnern nach fast drei Jahrzehnten im Dienste der Simpsons die Ideen langsam ausgehen oder die Tatsache, dass jährlich eine komplette Staffel produziert werden muss, für sie einfach nur noch ein Job ist, der getan werden muss. Kann aber auch gut sein, dass wir die alten Folgen einfach nur deshalb besser finden, weil wir sie mit Erinnerungen an unsere jungen Jahre verknüpfen. Vielleicht kommen wir Simpsons-Fans aus den 1990ern aber einfach auch nur in das Alter, in dem früher sowieso alles besser war.

 

Harry Pfliegl

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Über Harry 25 Artikel
Nachdem Harry Pfliegl im Bayerischen Wald aufwuchs und dort sein Abitur ablegte, absolvierte er eine klassische journalistische Ausbildung. In der anschließenden, sechsjährigen Tätigkeit als (Allein-)Redakteur hatte er die Gelegenheit, sich in alle journalistischen Ressorts fundiert einzuarbeiten und große Teile des Freistaates kennenzulernen. Seit 2012 arbeitet er nunmehr als freier Texter und bearbeitet in diesem Zusammenhang mit Vorliebe Themen aus den Bereichen Reise, Gesundheit und Psychologie. Dank der fundierten Ausbildung und breit gefächerten Interessen schaut er aber auch über den Tellerrand und arbeitet sich gern in andere Themengebiete ein, wobei Sport und Technik absolute Tabuthemen sind.

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