SNES Mini: Zurück in die 90er zocken

Heutzutage bieten sich zahlreiche Möglichkeiten, nostalgisch in die Vergangenheit zu schauen. Nicht nur weil aktuelle TV-Serien wie „Stranger Things“ und Horrorfilme wie Stephen King’s „Es“ uns in die 80er Jahre zurück katapultieren. Erwachsene können sich inzwischen auch mit jeder Menge Spielsachen eindecken, um wohlige Gefühle aus der Kindheit zurück ins eigene Wohnzimmer zu holen. Und dazu müssen man nicht einmal die Eltern besuchen. Nintendos Revival seines Konsolen-Bestseller Super Nintendo (SNES) ist dafür bestens geeignet.

Nostalgie mit Methode

Nintendo erkannte schon im letzten Jahr den Trend zur Nostalgie und machte sich diesen mit dem Konsolen-Klassiker Nintendo Entertainment System (kurz: NES) grandios-clever zunutze. Das kastenförmige, designtechnisch nicht wirklich ansprechende Gerät wurde auf Miniaturgröße zusammengeschrumpft. 30 Games waren bereits vorinstalliert. So musste man sich die Spiele nicht in der Form von unförmigen Cartridges einzeln kaufen. Alteingesessene Nintendo-Fans ließen sich nicht lange bitten. Die Konsole selbst war allerdings so schnell wieder ausverkauft, dass es sogar Nintendo überraschte – oder vielleicht gehört der Angebotsmangel auch zur Verkaufsstrategie. Überhaupt nicht überraschend dagegen, dass der Hersteller nicht lange danach ankündigte, den in den 90ern nicht minder erfolgreichen Konsolen-Titan Super Nintendo nachzuliefern.

Alles beim Altem und doch irgendwie anders

Das Prinzip gestaltet sich ähnlich wie beim Vorgänger: Das Design des SNES-Mini unterscheidet sich rein äußerlich nicht von der Original-Konsole. Alles ist aber wesentlich kleiner und passt locker in die Handfläche eines Erwachsenen. Anstatt 30 Spiele, sind hier lediglich 21 Spiele vorinstalliert. Das ist immer noch ausreichend, um den Spieler in existentielle Krisen zu stürzen, wenn es darum geht, sich für ein Spiel zu entscheiden. Auch der Super NES Mini Classic war innerhalb von Minuten ausverkauft. Kurz vor dem offiziellen Verkauf am 29. September lieferte Amazon noch einmal nach. Allerdings hatten selbst hier nur diejenigen Glück, die zufällig darauf stießen oder von freundlichen Social Media-Kumpanen darauf aufmerksam gemacht wurden.

Mangelnder Nachschub und Wucherpreise sorgen für Frustration

Eine Hand hält einen SNES-Classic Mini
© Nintendo

Diejenigen, die schnell genug zuschlugen, können sich dieser Tage an den nostalgischen 16-Bit-Farben- und Klängen erfreuen. Alle anderen gehen vorerst leer aus und machen bei den einschlägigen Online-Händlern mit 1-Sterne-Reviews ihren Frust Luft. Nicht gerade hilfreich bei diesem Prozess sind findige Käufer, die Fans zunächst eine Konsole vor der Nase wegschnappten, nur um diese dann teuer weiterzuverkaufen. Aspirierende SNES-Spieler sollten dennoch nicht verzagen und können Aufatmen (der Atem muss aber relativ lang sein): Nintendo möchte im nächsten Jahr nachliefern.

Nintendo hält sich mit Updates zurück

Die Anschlüsse und ein paar technische Feinheiten haben sich geändert:

  • mit den Fernseher (oder Monitor) wird das Gerät per HDMI-Kabel verbunden – ein entsprechendes Kabel liegt bei, ist aber relativ kurz
  • zwei Gamepads werden direkt mitgeliefert
  • die Controller-Kabel sind mit 140 Zentimetern etwas länger als beim NES-Mini, allerdings sitzt der Spieler immer noch ziemlich nah vor dem Bildschirm
  • über ein USB-Kabel wird der SNES-Mini mit Strom versorgt, das Kabel wird zwar mitgeliefert, aber das Netzteil müssen sich die Retro-Gamer extra besorgen

Großartig umstellen müssen sich alteingesessene Nintendo-Spieler allerdings nicht. Wenn man beide Augen fest zudrückt, kann der Kabelsalat als Teil des Nostalgie-Spaßes angesehen werden. Einige Upgrades wie z.B. ein Wireless-Gamepad hätten der Neuversion allerdings gut getan.

„Nur noch ein Level!“

Die Spiele haben kaum an Sogkraft verloren. Egal ob klassisches Jump ’n’ Run, Kampf-, Renn- oder Rollenspiel, Super Mario und seine digitalen Freunde bereiten noch genauso viel Freude wie damals. Wenn Mario zum 15. Mal in den Abgrund fällt oder Ryu beim Straßenkampf zum 20. Mal vermöbelt wurde, möchte man auch gerne mal den Controller frustriert in die Ecke werfen. Schnell hat man jedoch einen halben Tag verspielt, wenn keine Autoritätsperson mit dem warnenden Finger auf die Uhr zeigt oder zum Mittagessen ruft. Das Spielangebot umfasst:

  • Contra III The Alien Wars
  • Donkey Kong Country
  • EarthBound
  • Final Fantasy III
  • F-ZERO
  • Kirby Super Star
  • Kirby’s Dream Course
  • The Legend of Zelda: A Link to the Past
  • Mega Man X
  • Secret of Mana
  • Star Fox
  • Star Fox 2
  • Street Fighter II Turbo: Hyper Fighting
  • Super Castlevania IV
  • Super Ghouls ’n Ghosts
  • Super Mario Kart
  • Super Mario RPG: Legend of Seven Stars
  • Super Mario World
  • Super Metroid
  • Super Punch-Out!
  • Yoshi’s Island

 Mit dem SNES Mini wieder Laufen lernen im 16-Bit-Universum

"Screenshot
© Nintendo

Eine Weile werden Wiedereinsteiger wahrscheinlich schon benötigen, um sich wieder an die kleinen Controller zu gewöhnen. Vor allem, wenn die betreffenden Gamer schon lang keines mehr in der Hand hatte. Das Muskelgedächtnis setzt allerdings schnell wieder ein. Alle Special Moves und sonstigen Tipps und Tricks können im Internet nachgeschlagen werden. Für ganz Verzweifelte hat Nintendo eine Rückspulfunktion eingebaut. Hiermit kann man 30 Sekunden in die Zeit zurück reisen und muss nicht ein komplettes Level wiederholen.

Viel Spektakel, wenig Sport

Die 16-Bit-Grafik wirkt insbesondere beim Rennspiel Mario Kart etwas altbacken. Bei dem noch nie zuvor veröffentlichten Weltraumschlachtspektakel „Star Fox 2“ ist kaum noch etwas nachvollziehbar oder spielbar. Darüber hinaus macht die Spielauswahl mehr Spaß, als man heutzutage glauben sollte. Beim Vergleich mit zeitgemäßen Videospielen, ihren ausgefeilten Storylines und hyperrealistischen Grafiken kann der SNES-Mini natürlich nicht mithalten. Allerdings sind schon im damaligen Level-Design und Storytelling die ersten Anzeichen für eine komplexere, virtuelle Welt zu erkennen. Ein anständiges Sportspiel wie das herrlich-überzogene „NBA Jam“ oder das ein oder andere Fußballspiel hätten das Angebot jedoch noch abgerundet.

Stefan Turiak

Über Stefan Turiak 3 Artikel
Stefan Turiak ist freier Texter und Redakteur. Er schaut viel zu viel TV und Filme, schreibt aber auch darüber, deswegen ist das gerechtfertigt. Darüber hinaus wagt er sich allerdings auch immer wieder gerne an andere Themenwelten heran - Fußball wird für ihn allerdings immer ein Rätsel bleiben.

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


*