Quentin Tarantino: ein geniales Multitalent

Mediamodifier / Pixabay

Irgendwie schien sich das Medium Kinofilm in den ausgehenden 1980er Jahren totgelaufen zu haben: Die Traumfabrik Hollywood hat hauptsächlich einfach gestrickte Filme produziert, deren Handlungsverlauf so offensichtlich war wie das gestrige Wetter. Zumindest bis auf einige wenige Rühmliche Ausnahmen wie die verschiedenen Vietnam-Kriegs-Epen. Große Filme wie Der Pate und grandiose Regisseure wie Alfred Hitchcock aber haben gefehlt. Quentin Tarantino hatte also die besten Voraussetzungen, mit einem neuen Erzählstil die Herzen der Filmfans im Sturm zu erobern.

Natürlich hast du das Kino nicht neu erfunden. Du hast nur völlig anders gearbeitet, als die meisten zeitgenössischen Filmemacher: Du hast mit verschiedensten Elementen aus der Pop-Kultur, vor allem mit Pulp-Elementen und Retro-Style gespielt und dich keinesfalls darauf eingelassen, eine Story einfach nur straight zu erzählen oder dich auf ein Genre festlegen zu lassen. Und vor allem: Du erzählst gute Geschichten in einer bildhaften Sprache, sodass du den Zuschauer mit jedem Film aufs Neue überraschst. Diese Herangehensweise hat dir immerhin zwei Oscars, zwei Golden Globes und eine Goldene Palme in Cannes eingebracht.

Vom Freak zum Alleskönner

Heute kannst du es dir leisten, nicht nur als Regisseur, sondern auch als Schauspieler, Produzent, Kameramann und Drehbuchautor zu arbeiten, obwohl die Voraussetzungen dafür denkbar schlecht waren. Umso größeren Respekt verdient deine Lebensleistung.

So stammst du aus eher schwierigen Verhältnissen und deine Mutter zog dich – im Alter von erst 18 Jahren ab deinem zweiten Geburtstag alleine groß. Die Leidenschaft für den Film hast du schon als Jugendlicher entdeckt, weil du in deiner Freizeit in kleinen Vorstadtkinos mit Vorliebe B-Movies geschaut hast. Schließlich hast du als 15jähriger die Schule abgebrochen und stattdessen eine Schauspielausbildung absolviert. Weil du dir bis dahin ein äußerst umfangreiches Wissen über Filme angeeignet hast, hast du mit 20 einen Job im Manhattan in der Video Archives-Biblothek bekommen. Deine Leidenschaft gehörte jedoch dem Filmemachen, sodass du nebenbei Drehbücher geschrieben hast. Darunter The Open Road, das wegen seines Umfangs von 500 Seiten aber von jedem Studio abgelehnt wurde. Aus diesem Drehbuch sollten später jedoch die beiden Filme True Romance und Natural Born Killers entstehen.

Quentin Tarantino by Gage Skidmore
Gage Skidmore [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Quentin Tarantino hatte das nötige Quäntchen Glück

Zwar hatte der Monthy Phyton-Mitbegründer Terry Gilliam dich zu einer Karriere als Regisseur ermutigt, jedoch blieb die Suche nach Investoren zunächst völlig erfolglos. Mehr Erfolg war dir auch mit dem nächsten Drehbuch Reservoire Dogs – Wilde Hunde nicht beschieden, in dem du die Geschichte eines völlig missglückten Raubüberfalls erzählst. Dem Schauspieler Harvey Keitel, der auch in künftigen Filmen regelmäßig mit Rollen bedacht wurde, ist es zu verdanken, dass du dennoch einen Geldgeber für dieses Filmprojekt gefunden hast. Und du wurdest in der Szene rasch der neue Hoffnungsträger des unabhängigen Films.

Quentin Tarantino feiert den großen Durchbruch

Ab 1993 hast du – mit relativ bescheidenen Mitteln – mit der Arbeit an Pulp Fiction begonnen. Zwar stand Pulp Fiction wegen der oft zu obsessiven Darstellung von Gewalt in der Kritik, umso mehr waren die Kritiker von der Erzählstruktur begeistert. Ich kann mich noch gut an die Vorführung im Kino erinnern: Die wenigsten Zuschauer hatten begriffen, dass du den Film so geschaffen hattest, dass verschiedene Zeitebenen durcheinander gezeigt wurden und das eigentliche Happy End in der Mitte des Films zu sehen war. Zeitweise habe ich den Film also für die umsitzenden Zuschauer moderiert. Pulp Fiction wurde nicht nur ein gewaltiger kommerzieller Erfolg, sondern bescherte unter anderem die Goldene Palme, einen Oscar für das beste Drehbuch und sechs Oscar-Nominierungen in weiteren Kategorien. Des weiteren brachte Pulp Fiction einen gewaltigen Karriereschub für die Schauspieler Uma Thurman, John Travolta und Samuel L. Jackson.

Quentin Tarantino: der Rest ist Legende

Zwar hast du nach Pulp Fiction zunächst einmal eine dreijährige Regiepause eingelegt, jedoch als Drehbuchautor weitere Meilensteine der Filmgeschichte geschaffen, nämlich Four Rooms und From Dusk Till Dawn. Deine nächste Regiearbeit, Jackie Brown besticht durch den besonderen Charme eines langsamen Erzählflusses und eine ausführliche Charakterisierung der Figuren.

In den kommenden Jahren sollten weitere erfolgreiche Filme wie Kill Bill, Django Unchained oder Death-Proof entstehen, die du zusammen mit deinem Kumpel Robert Rodriguez umgesetzt hast. Als besonders herausragend darf in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends aber der Film Inglorius Basterds aus dem Jahr 2009 gelten. Hier erzählst du die Geschichte einer US-amerikanischen Spezialeinheit, die zur Zeit des Dritten Reiches hinter den feindlichen Linien im besetzten Frankreich agiert und Sabotageakte plant und durchführt, um das Nazi-Regime zu destabilisieren. Obwohl gerade dieser Film von den Kritikern äußerst widersprüchlich aufgenommen wurde, wurde er 2016 in einer Umfrage der britischen Rundfunkanstalt in die Reihe der 100 bedeutendsten Filme des 21. Jahrhunderts gewählt.

Mein persönliches Fazit zu Quentin Tarantino

Für den einen oder anderen Filmfreund mag deine Themenwahl und die – oft heftige – Darstellung von Gewaltszenen zwar gewöhnungsbedürftig sein. Eines aber ist unbestritten: Geschichten kannst du im Medium Film hervorragend erzählen.

Harry Pfliegl

 

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Über Harry 27 Artikel
Nachdem Harry Pfliegl im Bayerischen Wald aufwuchs und dort sein Abitur ablegte, absolvierte er eine klassische journalistische Ausbildung. In der anschließenden, sechsjährigen Tätigkeit als (Allein-)Redakteur hatte er die Gelegenheit, sich in alle journalistischen Ressorts fundiert einzuarbeiten und große Teile des Freistaates kennenzulernen. Seit 2012 arbeitet er nunmehr als freier Texter und bearbeitet in diesem Zusammenhang mit Vorliebe Themen aus den Bereichen Reise, Gesundheit und Psychologie. Dank der fundierten Ausbildung und breit gefächerten Interessen schaut er aber auch über den Tellerrand und arbeitet sich gern in andere Themengebiete ein, wobei Sport und Technik absolute Tabuthemen sind.

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