Heuschrecken und Mehlwürmer auf Schweizer Tellern

Insekten als Lebensmittel
In der Schweiz sind jetzt Insekten als Lebensmittel zugelassen

Insekten als Lebensmittel in der Schweiz zugelassen

Als erste Schweizer Supermarktkette nimmt Coop Insekten ins Sortiment auf: Ab kommender Woche sorgen Hackfleischbällchen und Burger aus Mehlwürmern für Abwechslung auf dem Speiseplan. Nur wenige europäische Länder servieren Grillen, Würmer und Co. Deutschland gehört nicht dazu. In der EU sind aktuell noch keine Insekten als Lebensmittel zugelassen.

Ein bisschen Dschungelcamp in Schweizer Küchen?

Die Schweiz ist bekannt für Fondue und Raclette, für Bündner Nusstorte und Basler Leckerli, jetzt also auch für kreative Insektenküche? Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) legte fest, dass seit dem 1. Mai 2017 drei Insektenarten, nämlich Mehlwürmer, europäische Wanderheuschrecken und Grillen als Lebensmittel zugelassen werden. Sie dürfen zerkleinert, zermahlen oder im Ganzen angeboten werden.

Um vegetative Keime abzutöten, müssen Inekten vor dem Verkauf speziell behandelt werden, dafür kommen Kälte- und Hitzebehandlungen infrage. Sowieso unterliegt die Lebensmittelproduktion in der Schweiz strengen gesetzlichen Auflagen. So muss die Wurm-Mahlzeit ebenso wie jene aus Grillen und Heuschrecken gekennzeichnet sein, was vor allem für Allergiker relevant ist – und, wie ich finde, auch für Vegetarier.

Werden noch weitere Insekten in der Schweiz als Lebensmittel zugelassen?

Falls Sie nun Lust bekommen, selber Insekten als Lebensmittel zu vermarkten, müssen Sie zuvor eine Bewilligung vom BLV einholen. Als Gesuchsteller haben Sie die entsprechenden Unterlagen zu liefern, die belegen, dass die Tierchen bedenkenlos gegessen werden können. Das ist auch der Fall, wenn Sie beispielsweise Proteinextrakte aus den bereits zugelassenen Insekten gewinnen und als Lebensmittelzutat vermarkten möchten.

Geschäftsidee Insektenzucht?

Die Futtermittelgesetzgebung stuft Insekten als Nutztiere ein. Wenn Sie sich mit einer Heuschreckenfarm oder Wurmzucht selbstständig machen möchten, müssen Sie sich ausführlich über die Gesetzeslage informieren: Insektenzucht für den Verzehr unterliegt als Primärproduktion der Registrierungspflicht (Artikel 3, Absatz 1 VPrP). Insekten, die als Tierfutter «produziert» wurden, dürfen nicht auf unsere Teller gelangen und sind separat zu halten. Natürlich sind die futtermittelrechtlichen Bestimmungen, die, mit Ausnahme der Fische, für alle Nutztiere gelten, zu erfüllen. So gilt zum Beispiel, dass Insekten nicht mit tierischen Nebenprodukten, auch nicht mit Küchenabfällen, gefüttert werden dürfen. Ausnahmen gibt es: Milch und Milchprodukte und Eier zum Beispiel dürfen Sie den Heuschrecken, Grillen und Würmern anbieten.

Fall Sie sich tatsächlich näher mit dem Thema befassen möchten, finden Sie alle Informationen und rechtlichen Bestimmungen auf der Seite des BLV.

Insekten als Lebensmittel – was meinen Sie dazu?

Insektenburger
Insektenburger – würden Sie sowas essen?

In ihrem Artikel vom 30.03.2017 schreibt die Neue Zürcher Zeitung, dass die Konsumenten dem Verzehr von Insekten skeptisch gegenüberstehen.  Nur wenige möchten laut einer Umfrage der Berner Fachhochschule wirklich Insekten essen. Gesund sollen Heuschrecke und Co ja tatsächlich sein, das Ekelgefühl ist trotzdem vorhanden. Weniger problematisch sehen jene Menschen Insekten als Lebensmittel, die sowieso gerne exotische Speisen ausprobieren und Sushi oder Meeresfrüchte mögen. Coop verarbeitet die Tierchen so, dass sie zwischen vielen leckeren Zutaten gar nicht gross auffallen. Gut gewürzt und zwischen Reis, Salate und Gemüse verpackt, sollen Sie den Schweizer Markt als effiziente Protein-Lieferanten erobern.

Werden Sie einen Mehlwurm-Burger probieren? Freuen Sie sich schon darauf, mit den neuen Lebensmitteln zu experimentieren und sich einen Heuschrecken-Salat zuzubereiten? Gerne dürfen Sie uns einen Kommentar hinterlassen, Ihre Meinung interessiert uns!

 

Über Sabine Itting 37 Artikel
Geboren und aufgewachsen in Thüringen, lebt Sabine Itting seit vielen Jahren in der Schweiz, wo sie als Texterin, Autorin und Online-Redaktorin tätig ist. Ihre Liebe zum Landleben und ihr Interesse an Traditionen, Denkmalschutz, Naturheilkunde, Reisen und Wandern, spiegeln sich in ihren Texten wieder. Ihr Projekt «Naturerlebnis Alpen – Schweizer Wanderforum» ist inzwischen mit einem eigenen Online-Magazin im Netz zu finden. Sie ist Inhaberin vom «Schweizer Textservice» und schreibt für Webseiten, Blogs und Printmedien.

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