Gartenkalender: Im Herbst ist Pflanzzeit

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Wenn die Nächte spürbar kühler werden und die Blätter der Pflanzen erste Verfärbungen zeigen, ist der herannahende Herbst zu spüren. Die Tage werden kürzer und das Jahr neigt sich langsam dem Ende zu. Im Gartenkalender stehen die Zeichen jedoch auf Neuanfang. Jetzt ist die günstigste Zeit, um Bäume, Sträucher und mehrjährige Stauden zu pflanzen. Früh blühende Blumenzwiebeln müssen sogar im Herbst gesetzt werden, damit sie tatsächlich im Frühling ihren bunten Flor zeigen. In der Wahrnehmung vieler Gartenbesitzer ist der Herbst als Pflanzzeit allerdings kaum noch präsent. Woran liegt das?

Pflanzen sind jederzeit verfügbar

In den letzten Jahren haben sich Angebot und Kaufverhalten bei Pflanzen stark verändert. Vor einiger Zeit wurden Bäume und Sträucher noch häufig als sogenannte Wurzelware angeboten. In dieser Verkaufsklasse werden sie nach dem Laubfall aus dem Acker der Baumschule genommen und ohne Erdballen in einer Kühlung gelagert. Im wurzelnackten Zustand lassen sie sich während der gesamten Vegetationsruhe bei frostfreiem Wetter einpflanzen. Umsichtige Gartenbesitzer erledigen das gleich im Herbst, wenn der Boden noch warm und die Pflanzen noch frisch sind. Im Profibereich ist das nach wie vor gängige Praxis, vor allem, wenn große Stückzahlen gepflanzt werden.

Wurzelware: preiswert und transportfreundlich

Aus dem Privatkundengeschäft ist die Wurzelware aber fast gänzlich verschwunden. Hier dominieren mittlerweile sogenannte Containerpflanzen, die in Töpfen gezogen werden. So kann man Gehölze und Rosen das ganze Jahr hindurch anbieten und auch in voller Blüte verkaufen. Vor allem die Gartenneulinge unter den Kunden schätzen diese anschauliche Präsentation. Manchmal kommen allerdings auch Hobbygärtner noch mit Wurzelware in Kontakt. Etwa in Spezialgärtnereien, die hunderte verschiedener Sorten einer Pflanzenart anbieten, wie Rosenzüchter oder Obstbaumschulen. Hier läuft das Geschäft meist über den Versand. Die Kunden bestellen die gewünschten Sorten vor, diese werden dann im Herbst gerodet und verschickt. Stauden mit großen Rhizomen wie Schwertlilien, Taglilien oder Pfingstrosen lassen sich ebenfalls gut auf diese Art versenden, aber auch hier ist der Trend zur getopften Pflanze unübersehbar. Im Topf oder Container können sie theoretisch das ganze Jahr über gepflanzt werden. Dennoch profitieren auch Pflanzen mit Topfballen von den Vorteilen einer Herbstpflanzung.

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Unverzichtbar hingegen ist die Herbstpflanzung des ruhenden Rhizoms bei früh blühenden Zwiebel- und Knollenpflanzen. Schneeglöckchen, Tulpen oder Narzissen kann man durchaus auch im Frühling getopft kaufen. Allerdings bringt man sich so um das Erlebnis von frischgrünen Trieben, die durch die zurückweichende Schneedecke brechen. Zumal diese Variante auch wesentlich günstiger ist: Für den Preis eines aufwändig unter Glas produzierten Narzissentöpfchens, welches kaum an frostige Außentemperaturen gewöhnt ist, bekommt man im Herbst ein Vielfaches an Zwiebeln der selben Pflanze. Hier übernehmen aussagekräftige Fotos auf der Verpackung die Aufgabe, den Kunden eine Vorahnung der zu erwartenden Blütenpracht zu vermitteln.

Frühlingsgefühle versus Herbstzauber

Es stimmt schon: Nach der winterlichen Zwangspause ist die Motivation in den Garten zu gehen ungleich stärker. Werbeaktionen des Handels tun ein Übriges, um die Gartenbesitzer im Frühling nach draußen zu locken. Für die meisten Gewächse bedeutet eine Frühjahrspflanzung aber vermehrten Stress, vor allem, wenn sie sehr spät erfolgt. Bei Tauwetter ist die Erde noch zu nass, um darin arbeiten zu können. Ist der Boden endlich abgetrocknet, bleibt oft nur ein kurzes Zeitfenster für Pflanzarbeiten. Im Frühsommer ist es oft schon sehr warm und die frisch gesetzten Pflanzen können Hitze und Trockenheit noch nicht so gut aushalten.

Im Herbst hingegen hat man mehrere Wochen Zeit und kann sich einen schönen Tag zum Pflanzen aussuchen. Der Boden ist noch warm genug, dass die Pflanzen erste Wurzeln bilden können, während sie das oberirdische Wachstum langsam einstellen. So gehen die neuen Gartenbewohner bestens vorbereitet in die Winterruhe und können im Frühjahr ohne Startschwierigkeiten loslegen.

 

Wann ist die Frühjahrspflanzung besser?

Ein paar Ausnahmen gibt es schon: Immergrüne Pflanzen leiden im Winter oft unter Trockenheit, weil über das anhaftende Laub nach wie vor Wasser verdunstet. Bei frisch gesetzten Pflanzen, die noch nicht richtig angewurzelt sind, kann das zum Problem werden. Vor allem bei starker Sonneneinstrahlung und gleichzeitigem Bodenfrost kann das verdunstete Wasser nicht über die Wurzeln wieder zugeführt werden und die Pflanze trocknet aus. Deshalb pflanzt man immergrüne Gehölze, vor allem großblättrige wie Rhododendron oder Kirschlorbeer, besser im Frühjahr und gießt sie im ersten Jahr regelmäßig.

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Bei den Stauden gilt: für Frühjahrs- und Sommerblüher ist der Herbst die ideale Zeit zum Pflanzen. Je später die Blüte, desto heikler wird die Pflanzung. Die Blütezeit kostet viel Energie, deshalb kann die Pflanze in dieser Phase nicht so gut Wurzeln schlagen. Allerdings reagieren die einzelnen Arten sehr unterschiedlich. Während Sonnenhut, Astern und Fetthenne eine Herbstpflanzung meistens glimpflich überstehen, kommen die nässeempfindlichen Herbstanemonen anschließend kaum unbeschadet über den Winter. Abhelfen kann ein Winterschutz aus Reisig, noch besser ist aber eine Pflanzung im Frühjahr. Auch Gräser die im Herbst blühen wachsen meist besser an, wenn sie im Frühling gepflanzt werden.

Die Pflanzenliste: Was pflanze ich im Herbst?

  • Laubabwerfende Gehölze wie Flieder, Weigelie oder Schneeball
  • Kletterpflanzen wie Clematis, Geißblatt oder Wilder Wein
  • Obstbäume und Beerensträucher
  • Rosen, sowohl Wildrosen als auch Gartensorten
  • Frühlingsblühende Zwiebeln und Knollen
  • Kräuter und Stauden, vor allem Frühjahrs- und Sommerblüher

Der Zeitpunkt ist außerdem günstig, um überalterte Stauden durch Teilung zu verjüngen. Überschüssige Teilstücke kann man auf Pflanzenflohmärkten loswerden oder an Gartenfreunde verschenken.

Unter Vorbehalt oder lieber im Frühling pflanzen:

  • Immergrüne Gehölze und Stauden
  • Nässeempfindliche Pflanzen
  • Arten, die sehr spät im Jahr blühen

Die Qual der Wahl: Einkaufsmöglichkeiten für Pflanzen

Mittlerweile kann man Pflanzen nahezu an jeder Ecke kaufen. Auch Supermärkte und Discounter nutzen den Umstand, dass Pflanzen ein beliebtes Produkt für Spontankäufe sind. Hier findet man selten das, was man tatsächlich sucht und die Aktionsware ist nach langen Transporten und unsachgemäßer Lagerung oft nicht mehr im besten Zustand. Wer beim Pflanzenkauf außerdem auf kompetente Beratung Wert legt, sollte auf jeden Fall ein Fachgeschäft ansteuern.

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Gärtnerei und Baumschule

Gärtnereien und Baumschulen haben in der Regel ein breites Sortiment und abgesehen von den nicht-winterharten Balkonblumen und Kübelpflanzen sind die meisten Pflanzen ganzjährig erhältlich. So kann man sie auch zum jeweiligen idealen Pflanzzeitpunkt kaufen, der normalerweise nicht der Blütezeit entspricht. Früher markierte der Herbst als wichtigste Pflanzzeit eindeutig den Höhepunkt der Baumschulsaison. Inzwischen ist auch hier eine Verschiebung Richtung Frühjahr spürbar.

Baumarkt

Im Baumarkt wechselt das Angebot und es gibt saisonale Schwerpunkte. Die Pflanzen werden bevorzugt in voller Blüte angeboten und können nicht für längere Zeit gelagert werden. So kommt es, dass in diesen Geschäften oft schon ab dem Spätsommer ein Abverkauf stattfindet, bei dem viele Pflanzen stark reduziert erhältlich sind. Für Privatkunden ist das manchmal verwirrend wenn im Herbst im Baumarkt der Pflanzen-Schlussverkauf läuft während zeitgleich in der Baumschule Saisonstart ist und es dort keine Rabatte, sondern stattdessen neue Lieferungen gibt.

Gartencenter

Gartencenter sind unterschiedlich ausgerichtet. Manche agieren – ähnlich wie der Baumarkt – nur als Händler, andere wiederum produzieren teilweise selbst oder haben angeschlossene Gärtnereien. Grundsätzlich ist es ratsam, in jedem Geschäft die individuellen Konditionen zu erfragen und sich eine Einkaufsmöglichkeit zu suchen, die den eigenen Bedürfnissen bei der Gartengestaltung am besten entgegen kommt.

Den Herbst nutzen – im Frühling mehr Zeit haben

Schnäppchenjäger werden im Herbst eher zu den Handelsketten tendieren, aber wer seine Pflanzung vorab geplant hat und bestimmte Sorten sucht, ist in Baumschulen und Gärtnereien besser aufgehoben. In jedem Fall sollte man die Herbstzeit nutzen, um den Garten für das kommende Jahr zu präparieren. Zum einen haben im Herbst gesetzte Pflanzen bessere Startbedingungen, zum anderen gibt es im Frühlingsgarten noch jede Menge weitere Arbeiten, für die dann wieder mehr Zeit bleibt.

Martina Meidinger

Bücher der Autorin zum Thema Gartengestaltung:

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Über Martina Meidinger 5 Artikel
Martina Meidinger ist Landschaftsgärtnerin und Gartenbuchautorin. 2009 hat sie den Gartenkulturführer gegründet, ein Veranstaltungsmagazin für Gartenfreunde in Bayern, für das sie nach wie vor als Texterin und Redakteurin tätig ist. Wenn sie nicht gerade im Garten ackert, bearbeitet sie ihr Lieblingsthema an der Tastatur.

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