Lisez la France!

Französische Bücher zur Frankfurter Buchmesse

Frankreich ist der Ehrengast der diesjährigen Frankfurter Buchmesse, die vom 11. bis 15. Oktober 2017 ihre Pforten geöffnet hat. Ein Grund, einen Blick über die Grenze zu werfen und Ihnen französische Autoren vorzustellen – aktuelle, klassische und wiederentdeckte.

Es ist ein Programm der Superlative, das den frankophilen Besuchern während der Frankfurter Buchmesse erwartet. Über 130 französische Schriftsteller/innen und Kulturschaffende werden an den Main reisen, es gibt Ausstellungen, Bereiche zum Zuhören und Lesen und o là là, Bars, in denen auf typisch französische Art der Austausch gepflegt werden kann, sind ebenfalls in den Pavillon des Gastlandes integriert. Präsident Emmanuel Macron höchst persönlich will die Buchmesse am Dienstag, 10. Oktober, zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel die Buchmesse eröffnen. Privatbesucher können sich am 14. und 15. Oktober in das Abenteuer Buchmesse stürzen. Lust auf deutsch-französisches Sprachgefühl? Wir stellen Ihnen einige französische Autoren und ihre Werke vor:

Zeitgenössische Belletristik aus Frankreich

Anna Gavalda

Literatur, Frankreich, Anna GavaldaAnna Gavalda zählt zu den erfolgreichsten Schriftstellerinnen Frankreichs – über 5 Millionen Bücher hat sie allein in Frankreich verkauft. Bereits mit ihrem zweiten Buch „Zusammen ist man weniger allein“ wurde sie auch in Deutschland bekannt. Vier Gestrandete und Hoffnungslose leben gemeinsam in einer Wohngemeinschaft, mitten in Paris: Die Künstlerin Camille, die für ihren Lebensunterhalt in einer Putzkolonne schuftet, der hochintelligente Philibert, der auf andere Menschen mit großer Unsicherheit und Stottern reagiert, der rauhbeinige Koch Franck, der gutes Essen, schöne Frauen und schnelle Motorräder liebt und seine Großmutter Paulette, die aus dem Altersheim türmt. Mit leisen Tönen und warmherzigem Humor erzählt Anna Gavalda eine Parabel über die Liebe und das Leben.

Weitere Romane von Anna Gavalda: Ich habe sie geliebt, Alles Glück kommt nie, Ein geschenkter Tag und Nur wer fällt, lernt fliegen. Außerdem sind unter dem Titel Ab morgen wird alles anders Erzählungen der Autorin erschienen.


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Muriel Barbery

Die Eleganz des Igels, Literatur,, Frankreich

Die Philosophieprofessorin Muriel Barbery landete mit ihrem Debütroman „Die letzte Delikatesse“ einen Überraschungserfolg. Auch ihr zweiter Roman „Die Eleganz des Igels“ wurde in Frankreich ein literarischer Bestseller, der mehrfach ausgezeichnet und in 31 Sprachen übersetzt wurde. Der finanzielle Erfolg ermöglichte der Autorin, sich eine Zeitlang nach Japan zurückzuziehen. Japanische Kultur und Lebensweise spielen eine zentrale Rolle in „Die Eleganz des Igels“: Paloma ist 12, und des Lebens überdrüssig. Sie lebt mit ihren reichen Eltern in einem vornehmen Stadthaus in Paris und beschließt, am Ende des Schuljahres ihrem Leben ein Ende zu setzen. Doch da ist Renée, die 54-jährige Concierge des Stadtpalais, mit einer heimlichen – und Geheim gehaltenen – Schwäche für Literatur und Philosophie, Musik und Film.  Im Bunde der Dritte wird schließlich Monsieur Ozu, der japanische Geschäftsmann, der sowohl das Leben von Renèe als auch Paloma gründlich auf den Kopf stellen wird. Auf der Suche nach der Schönheit in der Welt wagt die Autorin einen wilden Ritt durch Kunst, Mangas, Philosophie, Bücher, die Nachbarn und den Rest der Welt – bitterböse, umwerfend komisch und immer berührend.

Weitere Romane von Muriel Barbery: Die letzte Delikatesse und Das Leben der Elfen.


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Fred Vargas

Literatur, Frankreich, Fred VargasFred Vargas ist eigentlich Archäologin und heißt mit bürgerlichem Namen Frédérique Audoin-Rouzeau. Ihre Krimis schreibt sie vorzugsweise in den Ferien. Als Ausgleich zu ihrer eher nüchternen Forschungsarbeit schafft sie ein Universum voll liebenswert-skurriler Typen. So gilt sie heute als „Königin des französischen Kriminalromans“ und wurde mehrfach mit bedeutenden Preisen geadelt. Es fällt schwer, unter ihren Romanen einen herauszupicken, der als Einstieg in die Welt der Madama Vargas besonders geeignet scheint. Deshalb lesen Sie am Besten alle! Die Serie um den Pariser Kommissar Jean-Baptiste Adamsberg beginnt mit „Es geht noch ein Zug von der Gare du Nord“ und endet – vorerst – mit dem „Barmherzigen Fallbeil“. Dabei leben die Krimis nicht nur von ihren Gestalten, sondern auch von der Handlung, die meist einen Abstecher ins Mystische unternimmt: Mal ist es ein Werwolf, der die Bewohner der Berge in Angst und Schrecken versetzt, mal das „wilde Heer“, das die Fieslinge in der Normandie dezimiert. Alte Mythen und Sagen verknüpft Vargas geschickt mit moderner Krimihandlung – und am Ende ist die Lösung des Falls ganz im Diesseits angesiedelt. Fred Vargas hat ihr eigenes Krimi-Genre geschaffen, das sich wohltuend von der leichten Kost des Literaturbetriebs abhebt.

Romane von Fred Vargas: Evangelisten-Reihe: Die schöne Diva von Saint-Jacques, Das Orakel von Port Nicolas, Der untröstliche Witwer von Montparnasse
Kommissar-Adamsberg: Es geht noch ein Zug von der Gare du Nord, Bei Einbruch der Nacht, Das Zeichen des Widders, Fliehe weit und schnell, Die schwarzen Wasser der Seine, Der vierzehnte Stein, Die dritte Jungfrau, Der verbotene Ort, Die Nacht des Zorns, Das barmherzige Fallbeil.


 

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Michel Bussi

Literatur, Frankreich, Michel Bussi

Michel Bussi dagegen gilt in den deutschsprachigen Ländern immer noch als Geheimtipp – und das, obwohl er mit seinen Kriminalromanen in Frankreich überaus erfolgreich und populär ist. Seine Erzählweise ist vielschichtig mit Zeiten- und Perspektivwechseln.  Außerdem ist Bussi  ein Meister im Legen falscher Fährten – was seine Kriminalromane zu echten Page-Turnern macht. Darüber hinaus spart Michel Bussi auch nicht mit Lokalkolorit, viele Schauplätze sind akribisch genau recherchiert, sodass sie durchaus dazu einladen, eine Region auf Spuren der Romane zu erkunden. So auch in „Das verlorene Kind“: Was ist dran an den wilden Geschichten des Jungen Malone, der behauptet, seine Eltern seien gar nicht seine richtigen Eltern? Der von Piraten und Schlössern fabuliert? Als der Schulpsychologe der Frage nachgehen will, ob der Junge nur phantasiert oder ob seine Geschichten der Wahrheit entspringen, findet er ein grausiges Ende an den Klippen nördlich von Le Havre… Der Roman wird derzeit verfilmt und Michel Bussi kommt persönlich zur Frankfurter Buchmesse.

Weitere Kriminalromane von Michel Bussi in deutscher Übersetzung: Das Mädchen mit den blauen Augen, Fremde Tochter, Die Frau mit dem Roten Schal, Beim Leben meiner Tochter.


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Jean-Paul Didierlaurent

Ähnlich unbekannt ist dem Deutsch lesenden Publikum Literatur, Frankreich, Jean-Paul Didierlaurentnoch Jean-Paul Didierlaurent. Der Elsässer startete seine schriftstellerische Karriere mit einem gewonnenen Literaturwettbewerb. Seinen erster Roman Die Sehnsucht des Vorlesers veröffentlichte er 2014 und schaffte es damit sogar auf die SPIEGEL-Bestsellerliste. Sein zweiter Roman Der unerhörte Wunsch des Monsieur Dinsky ist im September erschienen und erzählt den wahnwitzigen Roadtrip des 82-jährigen Samuel Dinsky. Der will nach einer niederschmetternden Diagnose, die ihm nicht mehr viel Zeit auf Erden lässt,  eine letzte Reise unternehmen – zusammen mit einer Altenpflegerin und einem Leichenpräparator. Skurril und herzerwärmend – Jean-Paul Didierlaurent feiert in seinem zweiten Roman das Leben. Der Autor ist persönlich auf der Frankfurter Buchmesse, um seinen Roman vorzustellen.


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Autobiografien aus Frankreich

Didier Eribon

Literatur, Frankreich, Didier EribonDidier Eribon gilt heute als einer der wichtigsten Intellektuellen Frankreichs. Er lehrt an der Universität in Amiens, hat mehrere Bücher veröffentlicht und schreibt regelmäßig gesellschaftskritische und philosophische Artikel in der Wochenzeitschrift Le Nouvel Observateur. Seine akademische Karriere ist dabei in Frankreich eine Seltenheit – denn Eribon stammt aus dem Arbeitermilieu. Warum so wenig Arbeiterkindern in Frankreich der soziale Aufstieg gelingt, beleuchtet Didier Eribon in seiner Autobiografie „Rückkehr nach Reims“. Und er spürt der Frage nach, warum so viele Arbeiter, die ehemals linke Parteien wählten, sich jetzt dem Front National zuwenden. Keine leichte Kost, aber ein wichtiges Buch in der aktuellen polischen Gemengelage in Europa. Auch Didier Eribon ist persönlich in Frankfurt zu Gast. 

Weitere Bücher von Didier Eribon: Gesellschaft als Urteil, erschient zur Buchmesse.


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Annie Ernaux

Auch Annie Ernaux widmet sich in ihrem Schaffen einem ähnlichen Thema, dem Heranwachsen in Frankreich außerhalb von Paris und jenseits privilegierter Schichten. Die Schriftstellerin hat zwanzig Romane veröffentlicht und wurde in Frankreich mit zahlreichen Preisen bedacht. Ihre Autobiografie „Die Jahre“ erschien 2017 auf Deutsch. Anhand alter Fotos aus dem Familienalbum spürt Annie Ernaux dabei ihrem Leben und den – vergangenen – Jahren nach: Der Kindheit in der ländlichen Normandie nach dem Zweiten Weltkrieg, ihrer eigenen Karriere an der Universität und als Schriftstellerin, der Mutterschaft, gesellschaftlichen und politischen Veränderungen, Gefühlen und Empfindungen. Aus diesen unterschiedlichen Zutaten webt Annie Ernaux eine europäische Lebensgeschichte, distanziert, melancholisch und poetisch. Auch Annie Ernaux ist auf der Buchmesse zu Gast.


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Wiederentdeckte Kultautoren aus Frankreich

Boris Vian

Sagt Ihnen der Name Boris Vian etwas? Nein? Dann wird es für ein Kennenlernen höchste Zeit. Boris Vian (1920-1959) war ein echtes Multitalent, er schrieb Bücher und Chansons, arbeitete als Journalist, Schauspieler und Übersetzer und spielte Jazztrompete. Dabei blieb seine Schriftstellerei zunächst erfolglos, allenfalls juristisch wurden seine Texte gewürdigt: Viele von ihnen landeten auf dem Index, so der Chanson „Le déserteur“, in dem Vian zur Fahnenflucht aufrief. Heute gilt Vians Roman „Der Schaum der Tage“ als ein Klassiker der Französischen Literatur. In „Der Schaum der Tage“ entwirft Vian seine ganz eigene Welt, indem Cocktails beim Pianospielen gemixt werden, Aale aus den Wasserhähnen gefangen und Räume plötzlich enger werden. Boris Vians Roman ist ein Meisterwerk surrealistischer Erzählkunst – und eine der zauberhaftesten Liebesgeschichten der Weltliteratur.


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Jean Amila

Jean Amila ist das Pseudonym des 1910 geborenen Schriftstellers Jean Meckert. Schon früh fühlte er sich zur Schriftstellerei berufen – wenn anfangs auch erfolglos. Marcel Duhamel, Herausgeber der Série Noire, entdeckte in Meckel den Kriminalschriftsteller und verpasste ihm das amerikanisch klingende Pseudonym. Ein richtiger Kriminalschriftsteller indes wurde Amila trotzdem nicht – zu bitterböse, abgründig und gesellschaftskritisch blieben seine Romane. An der deutschen Leserschaft gingen sie ohnehin vorbei, bis sie der kleine Conte Verlag ausgrub und übersetzte. Ein echter Geheimtipp!


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Jean-Marc Reiser

Frankreich ist das Mutterland der Karikatur. Und Jean-Marc Reiser (1941-1983) ist ein Urgestein der modernen, französischen Karikaturistenszene, die sich in Frankfurt ebenfalls ein Stelldichein gibt. Er veröffentlichte seine wüsten Comics erst in der Satirezeitschrift „Hara-Kiri“, als diese verboten wurde, im Nachfolgeblatt „Charlie Hebdo“. In Frankreich wurde er 1979 wegen „Beleidigung der Armee“ verurteilt, in Deutschland ohnehin erst posthum in der „Titanic“ veröffentlicht. Zu Lebzeiten waren seine Zeichnungen ein Skandal, heute wirken seine respektlosen, kruden und schräg-humorigen Strichzeichnungen wie ein zeitloses Sittengemälde. Längst werden seine Werke in Museen gezeigt, etwa im altehrwürdigen Centre Pompidou. Bis heute nichts für Zartbesaitete, aber sehenswert!


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Barbara Homolka

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Über Barbara Homolka 4 Artikel
Nach langen Jahren in den Redaktionsstuben einer altehrwürdigen Tageszeitung in Deutschland, habe ich meinen Traum wahr gemacht und lebe jetzt als freiberufliche Autorin in Frankreich. Für Urlauber mit Hunden in der Normandie betreibe ich mein eigenes Online-Portal: www.chienormandie.de

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