Die Rauhnächte – zwischen Mythologie und Aberglaube

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Die 12 Rauhnächte zwischen Weihnachten und dem 6. Januar sind seit vielen Jahrhunderten mit viel Magie und Mythos behaftet. Es gibt zahlreiche Bräuche, Vorsichtsmaßnahmen und Rituale für diese Zeit. Einen Brauch kennen Sie sicher: Dass man in diesen Tagen keine Wäsche aufhängen sollte. Warum eigentlich?

Wir machen es kurz: Sicher haben oder hatten Sie auch eine Mutter oder Oma, die geheimnisvoll und verschwörerisch erklärte, dass man in den Nächten nach Weihnachten bis 6. Januar ja keine Wäsche aufhängen sollte. Oder die Wäsche wurde in der Wohnung aufgehängt. Es hieß, man macht dies einfach nicht, Wäsche in den Rauhnächten aufhängen, weil sich sonst (Achtung!) böse Geister in der Wäsche verfangen könnten. Es gibt je nach Region aber auch unterschiedliche Regeln. Mancherorts betraf es nur die weiße Wäsche, die sich dann als Leichentuch über die Inhaber der Wäsche legen sollte. Anderenorts durfte man die Wäsche von Kindern und pflegebedürftigen Personen dann doch waschen – merkwürdig oder?

Erforscht man die Hintergründe zu dieser uns heute doch recht merkwürdig anmutenden Regel, so kommen auf einmal ganz plausible, rationale Gründe zum Vorschein. Zum einen wollte man in früheren Jahrhunderten nicht, dass in der dunklen Zeit bis zum 6. Januar die Frauen im Dunklen am Fluß die Wäsche waschen mussten. Man erzählt sich, sie wurden zu dieser Zeit besonders oft überfallen. Diente die Regel also zum Schutz der Frauen, so machte sie schon Sinn und sicher freuten sich die Frauen auch darüber mal zwei Wochen lang nicht ständig die harte Arbeit bei Eiseskälte erledigen zu müssen.

Der zweite Grund für das Vermeiden von frischer Wäsche rund ums Haus herum ist ebenso recht plausibel: Früher räucherte man in dieser Zeit Haus und Stall aus, natürlich auch wieder um böse Geister zu verscheuchen, aber auch um eine Art Reinigung zu erzeugen. Sicher hatte das Geräucher im Stall seine Funktion und vertrieb unangenehme Gerüche. Ganz klar ist nun, dass frisch gewaschene Wäsche bei diesem Ritual sehr störte, denn sie würde ja unweigerlich den Rauchgeruch annehmen.

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Die Rauhnächte – was es alles gibt…

Die 12 Rauhnächte gelten in der Esoterik und Mythologie als Sinnbild für die nächsten 12 Monate. Jeder Tag hat seine Bedeutung, nicht nur das Wetter für das nächste Jahr betreffend. Zudem sollen sie eine Art Brücke zwischen Diesseits und Jenseits bilden. Die alten Germanen waren die ersten, die in dieser Zeit Haus und Hof räucherten und die Arbeit ruhen ließen.

Ein mythologisches Überbleibsel ist das Feuerwerk zu Sylvester. Man veranstaltete auch früher extra laute Umzüge um böse Geister zu vertreiben, aber auch um das alte Jahr zu verscheuchen und das neue Jahr zu begrüßen.

Die meisten Rauhnächte-Rituale wurden mündlich überliefert. Die frühesten Erwähnungen datiert man im 16. Jahrhundert. Tatsächlich sind es eher heidnische Ansichten und Bräuche, die aber auch unser christliches Verständnis beeinflussen. Um den 24. Dezember herum ist es besonders dunkel und zu dieser Zeit sollen Geister eine besonders starke Macht haben, daher ließ man die Kirchenglocken laut bimmeln. Wahrscheinlich legte man auch Christi Geburt nachträglich auf dieses Datum, um den dunklen Mythen ein Gegengewicht zu geben. Es sollen zu dieser Zeit Geisterwesen durch die Lüfte jagen, man nennt dies mancherorts die „Wilde Jagd“.

Um die bösen Geister zu vertreiben räucherte man Haus und Hof mit Räucherpflanzen wie Lavendel, Holunder, Mistel, Beifuß, Fichtenharz oder Mistel. Man ging mit seinem Räucherwerk durch die Räume und zwar 3 x gegen den Uhrzeigersinn. Noch heute zünden wir zur Weihnachtszeit gerne Räucherstäbchen an und schauen zum Jahresende in die Zukunft. 

Ein bisschen Magie und Mythos ist in unserer heutigen Zeit ja ganz schön, aber übertreiben Sie es nicht bzw. lassen Sie sich nicht verrückt machen. Wir wünschen unseren Lesern ein frohes und erfolgreiches 2018!

 

 

 

 

 

 

Über J. Florence Pompe 46 Artikel
J. Florence Pompe ist freiberufliche Texterin seit 2010. Nach dem Studium der Germanistik und Pädagogik arbeitete sie einige Jahre in einem kleinen Lehrmittelverlag. Als Texterin führt sie mehrere eigene Wordpress-Blogs und arbeitet für Kunden redaktionell. Am liebsten schreibt sie über Mode, Schmuck, Interieur, Design und Kunst. Alles, was mit Farben und Formen zu tun hat, fasziniert sie. Zum Thema Mode hat sie eine besondere Affinität, da sie in ihrer Jugend viel genäht hat und sich mit Stoffen und Schnitten gut auskennt. Website: www.papillon-texte.de

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