Buchtipp: Spiralen – ein Spaziergang

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Was haben ein Wirbelsturm und ein Schneckenhaus gemeinsam? Beide sind spiralförmig aufgebaut. Die Spirale ist eine faszinierende Erscheinung. In zahlreichen Varianten begegnet sie uns nicht nur in der Natur. Wir finden sie auch in Architektur und Kunst, als religiöses Symbol oder als Metapher in der Sprache.

In dem Buch Spiralen – ein Spaziergang: Gärten, Parks und Plätze zeigt Claudia Molnar einen Ausschnitt dieser vielfältigen Erscheinungsformen. Dabei liegt der Fokus auf Landschaftsarchitektur und Gartengestaltung. Die Autorin erläutert zunächst die wichtigsten Spiralformen. Sie erklärt den Unterschied zwischen archimedischer und logarithmischer Spirale und stellt Sonderformen wie die Triskele vor. Dann folgen Beispiele für spiralförmige Erscheinungen in der Natur.

Die Spirale als natürliche Form

Spiralen zeigen sich in eingerollten Farnblättern, im Saugrüssel von Schmetterlingen oder im Drehwuchs von Rankpflanzen. Bemerkenswert ist, wie exakt spiralig die Samen in der Sonnenblume oder in einem Tannenzapfen angeordnet sind. Ein vom Baum fallender Ahornsamen folgt einer spiralförmigen Flugbahn, der sogenannten Schraubenlinie. Spiralen kann man häufig in der Natur entdecken, manchmal erst auf den zweiten Blick. Das ist auch Johann Wolfgang von Goethe aufgefallen, der nicht nur ein bedeutender Dichter sondern auch Naturbeobachter war. Kurz vor seinem Tod verfasste er die Abhandlung „Über die Spiraltendenz der Vegetation“.

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Die Spirale als Symbol und Gestaltungsform

Der größte Teil des Buches widmet sich der Spirale als Gestaltungselement. Als solches wird sie vermutlich schon seit der Steinzeit verwendet. Sie dient als Schutzzeichen, zeigt sich als Ausdrucksform im Tanz oder ist einfach nur zierendes Ornament. Viele Gartenobjekte sind von der Spiralform inspiriert: Brunnen und Wasserspiele, das Heckenlabyrinth oder die Kräuterspirale. In kurzen Porträts zeigt das Buch einige Beispiele: Die Energiespirale im Gesundheitspark Quellenbusch in Bottrop ist ein S-förmiger Weg. Begleitet von Stahlstäben und Formschnittgehölzen stellt er eine eher abstrakte Spiralform dar. Auf den Europahügel in Fulda gelangt man über einen spiralförmigen Pfad, der flankiert wird von typischen Baumarten Europas.

Auf verschlungenen Pfaden im Labyrinth

Mit Steinen, Ästen oder Blüten wird die Spirale gerne in Land Art Projekten inszeniert. Sie ist auch ein beliebtes Thema in der religiösen Gartenkunst. Man findet sie in Kloster- und Bibelgärten und auf Friedhöfen. Hier steht die Spiralform für den Lebensweg und die Entwicklung des Menschen von der Geburt bis zum Tod. Eine bekannte Variante ist das begehbare Labyrinth, also ein verschlungener Pfad, der üblicherweise auf meditative Art beschritten wird. Im Gegensatz zum Irrgarten, in dem es viele Sackgassen gibt, besteht ein echtes Labyrinth nur aus einem Weg, auf dem man trotz zahlreicher Windungen immer zum Ziel gelangt. 

Das querformatige Büchlein mit vielen Bildern und knapp gehaltenen Texten versteht sich als kulturhistorischer Streifzug durch die Welt der Spiralformen. Es bleibt dabei oberflächlich, gibt also keine konkreten Hinweise zum Bau von spiralförmigen Gartenelementen. Auch die Porträts der Gärten und Parks sind sehr kurz gefasst. Wer also selbst eine Kräuterspirale bauen möchte oder mehr Hintergrundinformationen zu den vorgestellten Landschaftsparks haben will, findet im Anhang einiges an weiterführender Literatur. Was nach der Lektüre bleibt, ist der geschärfte Blick für Spiralen aller Art. Plötzlich werden die gewundenen Linien an vielen Stellen sichtbar, wo sie vorher nie aufgefallen sind.

Martina Meidinger

Spiralen – ein Spaziergang: Gärten, Parks und Plätze

Claudia Molnar, pala-verlag 2017, 14.90 Euro

112 Seiten, Format 22 x 15 cm, ISBN 978-3-89566-366-6

 

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Spiralen – ein Spaziergang: Gärten, Parks und Plätze

 

Über Martina Meidinger 5 Artikel
Martina Meidinger ist Landschaftsgärtnerin und Gartenbuchautorin. 2009 hat sie den Gartenkulturführer gegründet, ein Veranstaltungsmagazin für Gartenfreunde in Bayern, für das sie nach wie vor als Texterin und Redakteurin tätig ist. Wenn sie nicht gerade im Garten ackert, bearbeitet sie ihr Lieblingsthema an der Tastatur.

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