Bionik: eine alte Trendwissenschaft

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Schon seit einigen Jahren wird Bionik als neue Trendwissenschaft gefeiert. Hierbei handelt es sich um eine interdisziplinäre Wissenschaft, in welcher Ingenieure eng mit Wissenschaftlern aus anderen Fachrichtungen – vor allem mit Biologen – zusammenarbeiten. Das Ziel lautet, Vorbilder aus der Natur in technische Lösungen zu übersetzen. Diese Wissenschaft ist jedoch sehr viel älter, als viele Laien vielleicht meinen. Denn schon der italienische Universalgelehrte hatte zunächst einmal das Flugverhalten der Vögel studiert, bevor er die Entwürfe für seine Flugmaschinen entwickelte.

Bionik – so hat sich die Wissenschaft entwickelt

Beim Begriff Bionik handelt es sich um ein Kunstwort, welches sich aus den Begriffen „Biologie“ und „Technik“ zusammensetzt. Zwar haben Erfinder und Wissenschaftler seit jeher die Natur zum Vorbild genommen, wenn es um die Entwicklung innovativer Technologien ging. Geprägt wurde der englische Begriff „Bionics“ jedoch erst 1960 von Jack E. Steele, einem US-amerikanischen Offizier der Luftwaffe, im Rahmen einer Konferenz.

Jedoch unterscheidet sich die Definition des Begriffes im deutschen und englischen Sprachraum. So verstehen Briten und US-Amerikaner unter Bionik in erster Linie das Zusammenspiel von Elektronik und Biologie, was etwa für die Entwicklung von künstlichen Körperteilen wichtig ist. Im deutschen Sprachraum ist der Begriff Bionik wesentlich weitläufiger gefasst und bezeichnet sämtliche technischen Lösungen, die nach dem Vorbild der Natur geschaffen wurden.

Warum die Natur ein gutes Vorbild ist

Seitdem sich auf der Erde vor Abermillionen Jahren die ersten Keime des Lebens ausgebreitet hat, geht es in der Evolution im Grunde nur um eines: Die Lebewesen – ganz gleich, ob es sich um Pflanzen oder Tiere handelt – müssen sich bestmöglich an ihre Umwelt anpassen, wenn sie überleben wollen. Arten und Gattungen, welchen das nicht gelingt, sind schlicht und ergreifend zum Aussterben verurteilt. Als Paradebeispiel darf etwa das Massensterben der Dinosaurier gelten. Die Riesenechsen haben nahezu 200 Millionen Jahre lang das tierische Leben auf der Erde dominiert, bevor sie vor 66 Millionen Jahren aus noch nicht völlig geklärten Ursachen ausgestorben sind. Erst danach konnten sich Säugetiere als dominierende Lebensform durchsetzen, eben weil sie sich besser an die veränderten Umweltbedingungen anpassen konnten.

Diese Anpassung, die sich im Lauf der Evolution ergeben hat, geht so weit, dass einige Tier- und Pflanzenarten sogar in extremsten Lebensräumen einen Lebensraum gefunden haben, die für andere Arten tödlich werden. Als Beispiel dafür dürfen die Fische und anderen Lebensformen der Tiefsee gelten, die in einer extremen ökologischen Nische leben.

Das bekannteste Produkt, das aus der Bionik entwickelt wurde, dürfte wohl der Klettverschluss sein. Georges de Mestral, ein Wissenschaftler aus der Schweiz, hatte das Funktionsprinzip 1948 eher zufällig entdeckt, weil jede Menge Kletten an ihm und seinem Hund hängen blieben, wenn sie auf die Jagd gingen. Er untersuchte also mikroskopisch, wie der Haltemechanismus der Kletten funktioniert und konstruierte diesen nach.

In den vergangenen Jahren steigt das Interesse an der Bionik massiv. Der Grund: Die Verantwortlichen in Wissenschaft und Politik erwarten sich nicht nur neue Produkte, sondern auch deutliche Verbesserungen an bestehenden. So nutzen viele Fluggesellschaften mittlerweile Flugzeuge mit sogenannten Winglets, welche die Spannweite der Flügel vergrößern, wodurch die Flugzeuge wendiger werden und eine höhere Flugstabilität erreichen.

Weil das Interesse an der Bionik insgesamt gestiegen ist, werden mittlerweile auch zahlreiche Projekte aus diesem Bereich von der Bundesregierung finanziell unterstützt. Erst durch diese Subventionen war es möglich, so manches Produkt zur Marktreife zu bringen. Das ist etwa beim Speedo-Schwimmanzug gelungen, der nach dem Vorbild der Haut von Haien aufgebaut ist. Für den Träger reduziert sich dadurch der Wasserwiderstand.

Über Harry 25 Artikel
Nachdem Harry Pfliegl im Bayerischen Wald aufwuchs und dort sein Abitur ablegte, absolvierte er eine klassische journalistische Ausbildung. In der anschließenden, sechsjährigen Tätigkeit als (Allein-)Redakteur hatte er die Gelegenheit, sich in alle journalistischen Ressorts fundiert einzuarbeiten und große Teile des Freistaates kennenzulernen. Seit 2012 arbeitet er nunmehr als freier Texter und bearbeitet in diesem Zusammenhang mit Vorliebe Themen aus den Bereichen Reise, Gesundheit und Psychologie. Dank der fundierten Ausbildung und breit gefächerten Interessen schaut er aber auch über den Tellerrand und arbeitet sich gern in andere Themengebiete ein, wobei Sport und Technik absolute Tabuthemen sind.

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