Biogemüse aus dem Discounter – Wie bio ist das eigentlich?

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Gesunde Ernährung ohne Giftstoffe ist ein Trend, der längst mehr als eine Modeerscheinung ist. Vor allem wenn es um Gemüse geht, greifen viele Verbraucher mittlerweile zum Bioprodukt. Das gibt’s im eigenen Garten, auf dem Marktstand, im Bioladen, als Abokiste vom regionalen Biobauern oder eben auch im Discounter und dort besonders günstig.

Ist Bio wirklich gesünder?

Weniger Pestizide und Kunstdünger und ein schonender Umgang mit der Umwelt bei der Produktion sind die Hauptgründe, weswegen sich Menschen dazu entscheiden, lieber Bio als konventionell zu wählen. Ob Biolebensmittel auch der Gesundheit guttun, war lange Zeit unklar. Im Jahr 2014 gewährte eine Studie hierzu allerdings neue Erkenntnisse. Carlo Leifert, der als Professor für Ökologische Landwirtschaft an der Universität Newcastle tätig ist, wertete in einer Metastudie 343 Untersuchungen über die Inhaltsstoffe und Pestizidrückstände in biologisch und konventionell erzeugten Lebensmitteln aus. Die wichtigsten Ergebnisse:

  • In Biogemüse und Bioobst ist der Gehalt an Antioxidantien höher als in der konventionellen Variante.
  • Der Gehalt von Nitrit und Nitrat ist in Bioprodukten deutlich geringer, ebenso der Cadmiumwert.

Der Grund für diese Unterschiede liegt laut Leifert darin, dass sich gedüngte und mit Pestiziden behandelte Pflanzen ausschließlich auf den Primärstoffwechsel, also das Wachstum konzentrieren. Biogewächse hingegen haben zusätzlich einen aktiven Sekundärstoffwechsel, über den mehr Geschmack und Antioxidantien produziert werden.

Eine neuere Studie aus Norwegen hat zudem festgestellt, dass der Verzehr von Biogemüse das Risiko von Präeklampsie, einer häufig bei schwangeren Frauen vorkommenden Erkrankung, deutlich verringert.

Biogemüse aus dem Discounter – schon längst eine Selbstverständlichkeit

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Gemüse und jede Menge anderer mit dem Biolabel versehener Produkte gehören heute auch beim Discounter zum klassischen Sortiment. Und die Konsumenten kaufen, sind die Preise doch deutlich niedriger als im Supermarkt oder Bioladen. Die renommierten Anbauverbände sind allerdings skeptisch, inwieweit Discounter-Lebensmittel mit dem EU-Bio-Siegel überhaupt dem ursprünglichen Gedanken des ökologischen Anbaus vereinbar sind, einer der Gründe ist, dass Logistik und Anbaustrategien, denen des konventionellen Anbaus sehr ähnlich und der Fokus auf Nachhaltigkeit, zum Beispiel im sozialen oder ökonomischen Bereich eher gering ist. Zum Teil wird Biogemüse und -Obst mit dem EU-Siegel deshalb auch als Bio light bezeichnet. Worin sich die Sprecher der Verbände einig sind: Lieber Discounter-Bio als gar kein Bio!

 

Reicht Ihnen der Mindeststandard?

Das EU-Bio-Logo, Quelle: EU-Kommission

 

Die europäische Bio-Zertifizierung definiert Mindeststandards für die ökologische Landwirtschaft. Das heißt jedoch noch längst nicht, dass ein Bioprodukt bzw. Biogemüse auch umweltfreundlich und mit einer guten Ökobilanz hergestellt wurde. Wer mehr tun will, sollte zusätzlich auf folgendes achten:

 

  • Das EU-Biosiegel schreibt in seinen Richtlinien vor, dass 95 % der Zutaten aus biologischer Herkunft sein müssen. Dies gilt natürlich nicht für den Bioapfel oder die Biobanane, allerdings kann es in diesem Zusammenhang sein, dass das Gemüse aus einem Betrieb stammt, der nur zum Teil ökologisch produziert und ebenfalls konventionell angebaute Produkte vertreibt.
  • Wo kommt das Biogemüse her? Lange Transportwege sorgen für einen hohen Primärenergieverbrauch und eine schlechte Ökobilanz. Äpfel aus Neuseeland sind vielleicht ökologisch angebaut, aber schon lange nicht mehr umweltfreundlich – vor allem im Herbst, wenn auch heimische Äpfel reifen, sind diese die ökologischere Wahl.
  • Die Samen, aus denen Obst und Gemüse angebaut werden, dürfen aus konventionellem Anbau stammen, nur Gentechnik oder chemische Vorbehandlungen sind unzulässig.
  • Keine Rolle spielt die Nachhaltigkeit, zum Beispiel in Hinsicht auf Transportwege oder unnötige Verpackungen.

Wer Wert auf Standards legt, die über die Mindestanforderungen hinausgehen, wählt Biogemüse mit einem Gütesiegel von Bioland, Naturland oder Demeter. Das Umweltinstitut hat genau aufgelistet, wo die Unterschiede in den Ansprüchen der einzelnen Bio-Labels liegen.

Alexandra Wagner 

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