Backstage am Nürburgring

Eingang INfo-Center Nürburgring
Foto: Heidelberger

Legendärste Rennstrecke der Welt und grüne Hölle – sind geläufige Beinamen für den Nürburgring. Kommen Sie mit, auf einen Rundgang hinter den Kulissen, der auch in das neue und das alte Fahrerlager, an die Boxengasse und sogar zur Sieger-Tribüne führt.

Urlaub in der Eifel. Eigentlich hatten wir gar keinen Ausflug zum Nürburgring geplant. „Fahrt mal hin“, meinte unser Wirt, „es wird euch gefallen“. Wir haben es getan – dachten so an zwei Stunden und verbrachten dann einen ganzen Urlaubstag an der Rennstrecke. Dabei spazierten wir ein Stück an der Nordschleife und auf der Südschleife entlang und gingen auf eine Backstage-Tour.

Parkplätze gibt es ja genug dort. Wir stellten das Auto ab und schlenderten ziel- und planlos durch die riesige Halle des ring°boulevards.  Geschäfte und Imbisse waren noch geschlossen, lediglich in dem Infocenter war alles schon auf den Besucheransturm des Tages vorbereitet. So konnten wir die nette Dame um Rat fragen, was man denn hier alles machen könne. Sie erzählt von der Kartbahn, vom Ringkino und dem Erlebnismuseum. Wenn überhaupt, interessierten uns aber der Rennbetrieb und die Strecke. Also empfahl uns die Beraterin eine Backstage-Führung. Die sollte gleich beginnen, 90 spannende Minuten dauern und tolle Eindrücke ermöglichen. Außerdem war fotografieren und filmen ausdrücklich erlaubt. Kurz entschlossen kauften wir zwei Tickets.

Ein Ticket kostet (Stand 2017) 7,50 Euro – ADAC-Mitglied erhalten 1 Euro Rabat.

 

 

Start am Grundstein des Nürburgringes

Gespannt folgten wir dem Guide. Er stammt aus einer ortsansässigen Familie, hatte tolle Geschichten, Hintergrundinformationen und Anekdoten parat. Unser erster Stopp galt dem Grundstein der Rennstrecke, der aus dem Jahr 1925 stammt. Damals schuf der Bau der Strecke bitter notwendige Arbeitsplätze in der strukturschwachen Region Eifel.

Gleich gegenüber steht die historische Kommentatoren-Kabine. Augenzwinkernd erzählte der Guide von Kommentatoren, die über das Rennen berichteten, ohne die Rennstrecke überhaupt zu sehen. Deshalb mussten die Streckenposten den Berichterstatter per Kabeltelefon über den Rennverlauf informieren. Doch oft funktionierten die Apparate gar nicht und der Kommentator musste sich etwas ausdenken. Heute ist die gesamte Strecke mit Kameras bestückt, kein Meter bleibt unbeobachtet.

Historisches Fahrerlager – Geburtsort der Silberpfeile

Willkommen am Nürburgring
Eingang zum historischen Fahrerlager
Foto: Heidelberger

 

Durch diesen schlichten Eingang gingen wir in das historische Fahrerlager, das wie ein unscheinbarer Garagenkomplex wirkt.  Die meisten der 50 Boxen stehen leer, einige dienen als Lager, als Imbiss oder als Museum. Allerdings, wenn das jährliche Oldtimer-Rennen „AvD-Oldtimer-Grand-Prix“ stattfindet, geht es im Alten Fahrerlager wieder lebendig zu.

 

 

 

Museum am historischen Fahrerlager Nürburgrin
Foto: Heidelberger

 

 

Die Exponate des Museums stammen aus einer Privatsammlung und haben uns viel Freude gemacht.

historische Box im Fahrerlager
Foto: Heidelberger

In einer Box wie dieser, so  berichtete unser Guide, schlug 1934 die Geburtsstunde der Silberpfeile . Zu jener Zeit durfte ein Rennwagen maximal 750 Kilogramm wiegen, doch am Abend vor dem Rennen wog der Mercedes 752 Kilogramm. Technisch ließ sich nichts einsparen, also kratzte das Team während der Nacht die Farbe von der Karosserie. Morgens lag das nunmehr silbrig glänzende Rennauto im Gewichtslimit und fuhr pfeilschnell – wie ein Silberpfeil eben.

Spannende Einblicke und tolle Ausblicke

Weiter ging es, durch den Tunnel, vorbei an der Tankstelle und in eine moderne, zeitgemäße und völlig leere Box des neuen Fahrerlagers. Von dort durften wir vorsichtig in die Boxengasse schauen. Ganz nah sausten unentwegt  Motorräder vorbei, denn ein Motorsportverein hatte die Rennstrecke für seine Mitglieder gemietet. Einige der Biker luden uns in ihr Fahrerlager ein. Wir durften uns umschauen und auch die Heizdecken auf den Reifen anfassen, die wärmer sind, als gedacht.

Unser Guide hatte den Schlüssel für den TÜV-Rheinland-Tower und gewährte uns Zugang zu dem Siegerpodest des Nürburgringes, auf dem schon so viele berühmte Rennfahrer gejubelt haben. Irgendwie hatte ich mir dieses Podest glamouröser vorgestellt, nicht als wackeliges Treppchen mit schäbigem Rasenteppich. Wenigstens konnten wir gut in die Boxengasse sehen. Noch mehr beeindruckte die Aussicht auf der Dachterrasse des Turmes; die Nürburg schien wie zum Greifen nah und wir bekamen einen Eindruck von den beachtlichen Ausmaßen der berühmten Nordschleife.

Blick auf die Nürburg
Ausblick vom TÜV-Rheinland-Tower auf die Nürburg
Foto: Heidelberger

Anekdoten, Geschichten und Informationen – unterhaltsam erzählt

Im Flur des Treppenhauses hing eine Übersichtskarte der Rennstrecke, die den Verlauf der ehemaligen Südschleife, der Grand-Prix-Strecke und der legendären Nordschleife zeigte. Hier plauderte unser Guide noch einmal ausführlich aus dem sprichwörtlichen Nähkästchen. Unterhaltsam erklärte er, wer weshalb den Ausspruch „Grüne Hölle“ geprägt hatte, warum Kurven und Streckenabschnitte Namen wie Fuchsröhre, Kesselchen oder Wippermann tragen und vieles mehr.

Nächste Station – Presseraum, der Ort, wo Pressekonferenzen stattfinden und Arbeitsplätze für Hunderte Journalisten von Rundfunk und Fernsehen eingerichtet sind. Für die Kollegen der Printmedien gibt es wohl einen weiteren Arbeitsraum. Anschließend überquerten wir die Rennstrecke auf der BMW-Brücke. Hohe durchlöcherte Seitenwände versperrten die Sicht. An den kleinen Löchern wird während der Renntage Werbung befestigt. Sie sind gerade groß genug für die Linse der Smartphone-Kamera und erlaubten einen kurzen Videodreh. Wie im Flug, besser wie in Renngeschwindigkeit, sind zwei Stunden vergangen. Es hat Spaß gemacht, gut, dass wir den Rat unseres Gastgebers befolgt haben.

Wir wohnten etwa 25 Kilometer weit entfernt im Landhaus Krebs. Es ist ein gemütliches, familiengeführtes Hotel mit engagierten, sehr freundlichen Inhabern, der Wirt ist ein toller Koch.

Wer direkt an der Rennstrecke übernachten möchte, findet in dem Lindner Hotel und Eifeldorf „Grüne Hölle“ sicher ein komfortables Zimmer. Ein längerer Aufenthalt am Nürburgring lohnt sich, denn es gibt noch viel mehr zu erleben. Sie können sich über die Grand-Prix-Strecke fahren lassen oder selber auf der Nordschleife fahren. Zu den Attraktionen gehören eine Kartbahn, ein Motorsport-Erlebnismuseum und ein Kino.

 

Wir haben weitere Ausflugs- und Reisetipps für Sie.                                                                                                                                                                                                                                                Katrin Heidelberger

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