Fremdsprachen lernen: Schnell eine neue Sprache beherrschen 

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Lohnen sich Babbel, Selbstlernkurse und Präsenzkurse? Die Muttersprache lernt sich wie von selbst. Durch Hören und Nachsprechen erwerben Kinder spielend Wortschatz und Grammatik. Wer zwei- oder dreisprachig aufwächst, kann später einfach zwischen diesen Sprachen wechseln. In der Schule lernt sich eine zusätzliche Fremdsprache schon deutlich mühsamer. Wer erst als Erwachsener damit beginnt, steht vor einer echten Herausforderung. Doch gerade Fremdsprachenkenntnisse sind ein wertvoller Karriere-Booster. Wie lernt sich eine neue Sprache am besten? Wir haben drei beliebte Lernmethoden unter die Lupe genommen.

Babbel: Sprache lernen mit App

In drei Wochen eine neue Sprache lernen? Klingt verlockend und zeitlich überschaubar. Aber was heißt „lernen“ in diesem Fall? Die App verspricht schnelle Erfolge. Wir sind neugierig und machen den Test. Die einzelnen Kurse sind angelehnt am gemeinsamen europäischen Referenzrahmen zum Sprachenlernen. Der Schwerpunkt liegt auf Kommunikation. Die Anfängerkurse reichen bis zum Niveau A2. Andere Kurse sind mit B1, die Business-English-Kurse zwischen A2/B1 und B2/C1 eingestuft. Zusätzlich gibt es in einigen Sprachen die Möglichkeit, Wortschatzkurse zu speziellen Themen zu absolvieren.

Wählbar sind 14 Sprachen: Dänisch, Englisch, Französisch, Indonesisch, Italienisch, Niederländisch, Norwegisch, Polnisch, brasilianisches Portugiesisch, Russisch, Spanisch, Schwedisch und Türkisch. Die Kurse beinhalten 2000 bis 3000 Wörter mit Beispielsätzen. Am Ende jedes Kurses gibt es ein Babbel-Zertifikat mit den Lerninhalten. International anerkannt ist der Ausdruck allerdings nicht.

Wie das Lernen mit Babbel funktioniert

Babbel bietet abwechslungsreiche, interaktive Kurse: Schreiben, Sprechen, Vokabeln üben und kleine Lernen mit Babbel: Spielerischer Zugang zu neuen SprachenGrammatikeinheiten. Besonders lernungewohnte Erwachsene profitieren von dem spielerischen Zugang. Die erste Lektion ist in jeder Sprache kostenlos verfügbar. So kann man das Prinzip risikolos testen. Erfolge stellen sich schnell ein. Der dadurch erhaltene Motivationsschub beflügelt. Ruckzuck haben wir ein Abo abgeschlossen. Die kurzen Lerneinheiten dauern ungefähr 10 bis 15 Minuten und sind in jeden noch so stressigen Alltag integrierbar. Das Lernen mit Babbel macht Spaß. Nützliche Extras wie ein Vokabeltrainer sorgen für die unbedingt nötige Wiederholung des Gelernten. Dabei gibt es die Möglichkeit, die Worte einzusprechen, zu schreiben oder Karteikarten zu betrachten.

Pluspunkte Babbel

  • Babbel ist flexibel nutzbar (PC, Tablet, Smartphone).
  • Der Einstieg in das Sprachenlernen ist niedrigschwellig.
  • Schnelle Erfolge motivieren zum Weitermachen.
  • Die Tonaufnahmen sind qualitativ gut.
  • Eingesprochene Dialoge wirken realistisch.
  • Abwechslungsreiche Übungen lassen beim Lernen keine Langeweile aufkommen.
  • Wiederholungseinheiten und Vokabelübungen verfestigen das Gelernte.
  • Gesprochen wird die Fremdsprache von Anfang an.
  • Lernen ist selbstgesteuert in eigenem Tempo möglich.

Minuspunkte Babbel

  • Lerngewohnte Teilnehmer vermissen wegen der recht einfachen Aufgaben möglicherweise die Herausforderung.
  • Babbel verknüpft Bilder und Worte. Ein Zusammenhang zwischen Foto und Gezeigtem ist allerdings nicht immer erkennbar.
  • Beim Einsprechen in die App kommt es zu Schwierigkeiten: Mal wird eine nuschelige Aussprache auf Anhieb als „korrekt“ akzeptiert. Mal werden von einer Muttersprachlerin eingesprochene Wörter nicht erkannt.
  • Die mit der App gelernten Standardsätze reichen bestenfalls für ein kleines Gespräch mit Muttersprachlern.
  • Nicht alle wesentlichen Wörter und Wendungen tauchen in den Vokabeln auf. Dadurch geht ein Teil des Wortschatzes unter.

Fazit: Eine neue Sprache lernen mit Babbel

Babbel ist für Einsteiger sehr empfehlenswert. Durch den niedrigschwelligen Zugang macht das Sprachenlernen Freude. Spaß und Motivation sind wesentliche Erfolgsfaktoren. Eine echte Kontrolle und Korrektur von Aussprache und Sprachmelodie kann Babbel allerdings nicht bieten. Dadurch besteht die Gefahr, einen starken Akzent in der neu gelernten Sprache zu kultivieren. Das kann nur durch Kontakt mit Muttersprachlern vermieden werden. Nach dem Abschluss von „Anfängerkurs I“ können wir uns flüssig vorstellen, andere nach ihrem Befinden fragen, Essen und Getränke bestellen, uns nach dem Weg erkundigen und einiges mehr. Das Wissen reicht für kleine Alltagsgespräche und bietet eine gute Grundlage für den Urlaub. Wer mehr will, muss weitermachen.

Langenscheidt Selbstlernsystem: „Fit in 30 Tagen“

Die Auswahl unter den Selbstlernkursen ist groß. Für unseren Test haben wir das Selbstlernsystem „Fit in 30 Tagen“ von Langenscheidt ausgewählt. Es besteht aus einem handlichen Buch inklusive mp3-CD. Die Reihe wendet sich an Anfänger und Wiedereinsteiger. Sieben Sprachen können nach dieser Methode gelernt werden: Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Schwedisch, Russisch und Japanisch.

Hält man sich an die in Tages eingeteilten Lerneinheiten, ist es möglich, innerhalb eines Monats das Level A2 zu erreichen. Das Tempo ist dementsprechend hoch. Lerngewohnte Sprachenlerner werden sich über die zügige Progression und den durchdachten Aufbau freuen. Das Absolvieren der einzelnen Lerneinheiten ist allerdings zeitintensiv. Ein bis zwei Stunden sollten pro Tag mindestens eingeplant werden.

Wie das Lernen mit „Fit in 30 Tagen“ funktioniert

Langenscheidt: Fit in 30 Tagen - NiederländischGetestet wurde „Niederländisch: Fit in 30 Tagen“. Mit dem gemächlichen Einstieg von Babbel ist dieser Selbstlernkurs nicht zu vergleichen. In der ersten Lektion lernt man die wichtigsten Charaktere kennen, durch den gesamten Kurs begleiten. Eine pfiffige Idee! Die Fortsetzungsgeschichte ist spannend gemacht: Im Zentrum steht der erfolgreiche Unternehmer Michiel van Dijk, der inzwischen seinen 70. Geburtstag feiert. Er sucht einen Nachfolger für sein Unternehmen. Gibt es jemanden in der Familie, der in Frage käme? Seine einzige Tochter Hendrijke arbeitet als Ärztin und ist von ihrem Mann Jeroen geschieden. Die beiden erwachsenen Kinder Jet und Jelle gehen eigene Wege…

Die Gestaltung der Lerntage innerhalb des Langenscheidt-Systems ist abwechslungsreich und unterhaltsam: Anfangs werden die Lernziele erklärt. Danach folgt ein Dialog in niederländischer und anschließend in deutscher Sprache. Der relevante Lernwortschatz wird Tag für Tag als Vokabelliste bereitgestellt. Hinweise zur Grammatik und zu den Redemitteln runden die Einheit ab. Fragen zum Text, verschiedene Übungen, Rätsel und Dialoge, die mit Hilfe der mp3-Aufnahmen gelöst werden müssen, ermöglichen die selbständige Anwendung der neu erworbenen Wörter. Zusätzlich macht ein Kulturtipp Lust darauf, die Niederlande zu bereisen und vermittelt spannendes Wissen rund um Land und Leute. Das Audiomaterial, ein 32-seitiger Lernkalender mit vielen Tipps und ein Trainingsplan (in Din-A3 und Din-A4) werden von Langenscheidt gratis zum Download angeboten.

Audiomaterial: Hörverstehen und Dialoge üben

Die niederländischen Dialoge sind in relativ normaler Sprechgeschwindigkeit aufgenommen. Einsteiger haben die Möglichkeit, zusätzlich die Texte 2 – 12 in verlangsamter Geschwindigkeit anzuhören. Leider wurde der Text dafür kein zweites Mal eingesprochen. Die Aufnahmen wurden mithilfe des Stretchings verlangsamt. Wegen des unnatürlichen Klangs ist sind diese Teile nicht angenehm anzuhören.

Die für die Rollen der einzelnen Charaktere ausgewählten Muttersprachler sind keine Schauspieler. Dementsprechend klingen die Texte mal mehr, mal weniger abgelesen und gestellt. Ausgerechnet die Rolle einer Niederländerin wurde mit einer belgischen Sprecherin besetzt. Keine glückliche Wahl. Wirklich störend für den Lernprozess ist teilweise die schlechte Tonqualität. Die Sprecher stehen nicht immer direkt vor dem Mikrofon. Gerade bei der Geburtstagsfeier von Michiel sollte mit dem Hall wohl ein „räumlicher Klang“ angestrebt werden. Es lohnt sich trotzdem, die Dialoge immer wieder anzuhören, um ein Gefühl für die Sprachmelodie und die korrekte Aussprache zu bekommen.

Pluspunkte Selbstlernsystem „Niederländisch: Fit in 30 Tagen“

  • Die Fortsetzungsgeschichte rund um den Unternehmer Michiel van Dijk verwickelt beim Lernen in die Handlung. Dadurch stellt sich ein schneller Lernfortschritt ein.
  • Das ausgewählte Bildmaterial ist durchweg gut.
  • Das System ist herausfordernd und spannend für lerngewohnte Teilnehmer.
  • Durch vielfältige Aufgaben werden die Vokabeln und Wendungen angewendet und verfestigen sich.
  • Die Audioaufnahmen helfen, mit der Sprachmelodie und der Aussprache vertraut zu werden.
  • Die geführten Dialoge laden zum Sprechen ein.

Minuspunkte Selbstlernsystem „Niederländisch: Fit in 30 Tagen“

  • Lernungewohnte ohne sprachliche Vorkenntnisse könnten sich überfordert fühlen.
  • Das Lernsystem ist zeitintensiv. Wer die vorgegebenen Lernziele wirklich in 30 Tagen erreichen will, sollte täglich ein bis zwei Stunden einplanen. Berufstätigen ist das nicht unbedingt möglich. Das kann zu Frustrationen führen, wenn man mehr und mehr zurückfällt.
  • Eine Korrektur der Aussprache und Sprachmelodie gibt es nicht.
  • Die Audioaufnahmen sind teilweise qualitativ nicht gut.
  • Leider wurden keine Schauspieler mit dem Einsprechen der Texte beauftragt.

Fazit: Sprache lernen mit Selbstlernkurs „Niederländisch Fit in 30 Tagen“

Das Sprachenlernsystem „Fit in 30 Tagen“ von Langenscheidt bietet abwechslungsreiche Spracherlebnisse.  Sprechen, Hören, Lesen, Schreiben und die Grammatik können auf vielfältige Weise trainiert werden. Wer Sprachkenntnisse nicht nur für den Urlaub und kleine Alltagssituationen erwerben will, liegt mit diesem Kurs richtig. Eine wesentliche Voraussetzung ist Zeit. Ohne die Bereitschaft, täglich bis zu zwei Stunden zu investieren, sind die Lernziele nicht zu erreichen. Lerngewohnte Teilnehmer werden – trotz genannter Kritikpunkte – Freude an dem Kurs haben.

Präsenzkurse: Spracherwerb in der Gruppe

Ein Präsenzkurs ist die traditionelle Möglichkeit, sich mit einer neuen Fremdsprache vertraut zu machen. Die deutschen Volkshochschulen bieten diverse Lernsprachen an, von Englisch, Französisch, Spanisch über Russisch bis zu Chinesisch und Japanisch. In den Kursen treffen die unterschiedlichsten Menschen zusammen. Angehende Auswanderer, Studierende, Senioren und begeisterte Urlauber bilden heterogene Gruppen mit unterschiedlichen Ansprüchen. Urlauber wollen vor allem lernen, was sie als Touristen gebrauchen können. Senioren wollen Demenzerkrankungen vorbeugen, Studierende Schulkenntnisse auffrischen oder erweitern. Auswanderer denken möglicherweise an die angestrebte Berufstätigkeit. Ebenso wie die Erwartungen variieren die mitgebrachten Sprachkenntnisse. Zwar wird zu Beginn eine Einstufung nach Fähigkeiten vorgenommen. Die Brandbreite in der Gruppe ist dennoch groß.

Wie das Lernen in Präsenzkursen funktioniert

In VHS-Kursen wird in der Regel mit einem vorgegebenen Lehrbuch gearbeitet. Das Lernen erinnert an den Präsenzkurse: Eine Sprache in der Gruppe lernenSchulunterricht. Arbeitsbuch, Wörterbuch und Vokabelheft müssen meistens zusätzlich angeschafft werden. Gruppenaktivitäten lockern das Lernen auf. Auf unterschiedliche Lerntypen und Lernbedürfnisse kann in einem Präsenzkurs kaum Rücksicht genommen werden. Der stattfindende Unterricht orientiert sich an der breiten Masse. Leistungsstarke werden kaum gefördert, Leistungsschwache müssen ihren Rückstand selbst aufholen. Die einen galoppieren dem Unterricht davon, die anderen hängen hoffnungslos hinterher. Dennoch bringt das Lernen in der Gruppe gewisse Vorteile mit sich: Es gibt Lernpartner für Tandemübungen. Durch den festen Termin und den sozialen Druck erscheinen die meisten Teilnehmer regelmäßig, pünktlich und vorbereitet zum Unterricht.

Unterricht von Muttersprachlern

Besonders wichtig: In der Regel führt eine muttersprachliche Lehrkraft den Unterricht durch. Von dieser hängt maßgeblich ab, ob das Lernen Spaß macht und zum Erfolgserlebnis wird. In unserem absolvierten Kurs – Norwegisch für Anfänger – waren unsere Erfahrungen durchweg positiv: Von Anfang an war Deutsch zur Verständigung tabu. Lehrerin Inger sprach nur Norwegisch, 90 Minuten lang. Mit sympathischem Lächeln begrüßte sie die Anwesenden nacheinander mit denselben Worten und stellte immer wieder dieselbe Frage: „Hei! Hva heter du? Jeg heter Inger.“ Gestik und Mimik halfen zu verstehen, was gemeint war. Irgendwann sprach jemand die Begrüßung nach: „Jeg heter Lina.“ Nacheinander nannten die Teilnehmer auf diese Weise ihren Namen.

Der Unterricht war abwechslungsreich aufgebaut. Dialoge übten wir in Zweiergruppen. Mal gab es ein Hörverstehen von CD. Oft spielten wir später einzelne Sequenzen in größeren Gruppen nach. Es wurde gelesen, gesprochen und geschrieben. Vokabeltests gehörten ebenso zur Erfolgskontrolle wie Lernzielkontrollen zur Grammatik. Von der ersten Stunde an hörte, sprach, las und schrieb man Norwegisch. Im Lehrmaterial fand sich kein deutsches Wort.

Pluspunkte Präsenzkurs Volkshochschule

  • Der feste Termin macht das Lernen zur Gewohnheit und wird in der Regel eingehalten.
  • Bei der Sprachvermittlung durch eine muttersprachliche Lehrkraft wird die Aussprache bei Bedarf korrigiert.
  • Gemeinsame Arbeitsmaterialien sorgen für einen strukturierten Spracherwerb. Oft gibt es neben einem Textbuch ein Arbeitsbuch, in dem z.B. Grammatik geübt werden kann. Dadurch sind vielfältige Übungen möglich.
  • In der Gruppe stehen andere Lerner als Tandem-Partner zum Sprechen zur Verfügung.
  • Der soziale Druck zwingt zu Pünktlichkeit, zum Lernen und Wiederholen. Niemand ist gern Schlusslicht der Gruppe. die Möglichkeit zur Gruppenarbeit abwechslungsreich und interaktiv.
  • In der Gruppe motivieren sich die Teilnehmer gegenseitig.
  • Teilweise ist es möglich, international anerkannte Zertifikate zu erwerben.

 VHS-Kurse: Tandem-Partner zum Sprachenlernen

Minuspunkte Präsenzkurs Volkshochschule

  • Ein zeitlich und räumlich unabhängiges Lernen ist nicht möglich.
  • Das Lernen ist nicht selbstgesteuert und nicht individuell.
  • Versäumen Kursteilnehmer eine Stunde, muss in der nächsten bereits Bekanntes wiederholt werden. Sonst verlieren sie den Anschluss. Für schnelle Lerner sind diese Wiederholungsphasen langweilig.
  • Häufig ist die Teilnahme an VHS-Kursen mit nicht unerheblichen Kosten verbunden. Neben der Kursgebühr fallen Fahrkosten und Kosten für das Lehrmaterial an.
  • Nicht alle Erwachsenen schätzen Gruppenarbeit und aktivierende Spiele.
  • Die Lehrkraft kann nicht überall zuhören. Bei der Partnerarbeit bleiben Sprechfehler teilweise unentdeckt.
  • In Gruppen sind Störungen (Lachen, Unterbrechungen) keine Seltenheit. Das schmälert die eigentliche Lernzeit.
  • Der Erfolg des Sprachkurses hängt maßgeblich von der Lehrkraft ab. Ist diese müde, ausgebrannt oder unmotiviert, fehlt der Schwung. Dann können 90 Minuten anstrengend und langweilig werden.
  • Teilweise kostet die Teilnahme Überwindung, besonders nach anstrengenden Arbeitstagen.
  • Einige Erwachsene verwandeln sich innerhalb des Kursraums tatsächlich in Teenager zurück: Da wird abgeguckt, getuschelt und ab und zu nebenbei etwas anderes gemacht.

Fazit: Sprache lernen im Präsenzkurs Volkshochschule

Wer ausschließlich einmal wöchentlich am Unterricht teilnimmt, wird wenig Lernerfolg bemerken. Zusätzlich zu 90 Minuten wöchentlichen Unterricht sind Wiederholungseinheiten zu Hause Pflicht. Sonst prägt sich das Gelernte nicht ein.

Der größte Vorteil, den der Präsenzkurs bietet, ist die Anleitung durch einen Muttersprachler. Auf viele Annehmlichkeiten, die Babbel und das Selbstlernsystem von Langenscheidt bieten, muss man allerdings verzichten: Selbstgesteuertes Lernen in eigenem Tempo und zeitliche bzw. räumliche Flexibilität gibt es bei dieser Lernmethode nicht. Das Lernen in der Gruppe kann – trotz Störungen – Spaß machen. Wer vor allem sprechen üben möchte, das Lernen mit anderen schätzt und kein Problem damit hat, wenn das Tempo mal zu schnell und mal zu langsam ist, sollte diese Methode ausprobieren.

Drei Methoden: Drei Wege zur neuen Sprache

Von drei von uns getesteten Methoden hat jede Vor- und Nachteile. Persönliches Fazit: Ideal ist eine Kombination aus allen. Mit Babbel lässt sich der Anfang machen. Ein Sprachkurs wie Langenscheidts „Fit in 30 Tagen“ sorgt für strukturiertes Lernen. In einem Präsenzkurs kann man das Sprechen üben und der Lehrkraft spezielle Fragen stellen.

Wissen verfestigen

Positive Emotionen: Der Schlüssel zum Lernen einer neuen SpracheDie neue Sprache sollte im Alltag präsent sein. Am besten täglich. Eine positive Einstellung, Emotionen, sorgen dafür, dass wir wie von selbst lernen. Das Gehirn muss allerdings von der Wichtigkeit der neuen Lerninhalte überzeugt werden. Brauchen wir frisch aufgeschnappte Informationen wirklich? Dann werden sie im Langzeitgedächtnis aufbewahrt. Dafür gibt es viele Möglichkeiten:

  • Vokabeln regelmäßig wiederholen. Am besten eignet sich hierfür das Karteikastenprinzip. Wörter, die oft gebraucht werden, sind offensichtlich wichtig. Also werden sie im Langzeitgedächtnis aufbewahrt.
  • Vokabeln in ein bestehendes Netzwerk einordnen. Wie viele Beispielsätze kann man mit einem Wort bilden? In welchem Zusammenhang ist das Wort nützlich? Was assoziiert man damit? Ähnelt es möglicherweise Wörtern in anderen Fremdsprachen?
  • Klebezettelmethode einsetzen. Artikel und Nomen von Gegenständen lassen sich lernen, indem Gegenstände damit beschriftet werden. Hat man sie ständig vor Augen, prägen sich die Wörter schnell ein.
  • Aufschreiben. Dinge haften stärker im Gedächtnis, wenn man sie aufschreibt. Listen, Mindmaps, eigene kleine Sätze. All das hilft beim Einprägen. Wer es sich zutraut, kann in der neuen Sprache twittern.
  • Den Wocheneinkauf mit dem Sprachenlernen kombinieren. Einkaufslisten beinhalten Artikel des täglichen Bedarfs. Es handelt sich meistens um Wörter, die zum Grundwortschatz gehören. Eier, Milch, Butter, Äpfel, Toilettenpapier, Taschentücher, Windeln… Egal, ob die Einkaufsliste per App erstellt oder wie früher handschriftlich festgehalten wird: Das geht wunderbar in der Fremdsprache!
  • Das Gelernte im Gespräch anwenden. Im italienischen Restaurant in der Landessprache bestellen. Mit dem türkischen Ladenbesitzer einen kleinen Small Talk machen. Einem Touristen unterwegs auf Englisch den Weg erklären. Für einen kleinen Wortwechsel bieten sich auch im Alltag oft Möglichkeiten.

 

Sprachbäder sorgen für Input

Um eine neue Sprache anwenden zu können, ist Wortschatz wichtig. Input bekommst du auf vielerlei Weise.

  • Waren des täglichen Bedarfs untersuchen. Es lohnt sich die Beschreibung von Shampoos, Fertiggerichten und Putzmitteln genau unter die Lupe zu nehmen. Die meisten Produkte sind international und mit vielen verschiedenen Sprachen bedruckt. Vielleicht ist die Lernsprache dabei.
  • Traditionelle Gerichte nachkochen und dabei ein Anleitungsvideo in der gewählten Fremdsprache auf YouTube anschauen. Zusätzlich empfiehlt es sich, das Rezept in Textform nachzulesen. Dadurch prägt sich die Rechtschreibung mit ein. Ist inhaltlich etwas unklar, hilft das Wörterbuch weiter. Landestypische Zutaten lassen sich im Internet unkompliziert bestellen. Selbst das kann zum sprachlichen Abenteuer werden!
  • Blu-rays in der Fremdsprache schauen. Untertitel nur in der Fremdsprache einblenden, nicht in deutscher Übersetzung. Sonst ist der Lerneffekt gering. Ideal für das Sprachtraining sind Serien: Die einzelnen Episoden sind kurz und meistens dialogintensiver als Filme. Außerdem stammt das Vokabular in der Regel aus einem bestimmten Bereich. Inhaltlich ähneln sich die Folgen. Das bedeutet, dass sich auch das Vokabular in den einzelnen Episoden wiederholt. Krimiserien konzentrieren sich auf andere Wortfelder als Seifenopern. Wer regelmäßig „House of Cards“ auf Englisch verfolgt, kann sich bald über amerikanische Politik hervorragend verständigen. Fans von Krimiserien sind fit im Themengebiet „Crime & Punishment“. Durch die Wiederholung verfestigt sich der Wortschatz schneller.
  • Audiomaterial im Auto anhören. Wer viel fahren muss, kann auf CDs von Sprachkursen, Hörbücher oder Podcasts zurückgreifen. Es ist nicht so wichtig, jedes Wort zu verstehen. Der Klang der Wörter und die Sprachmelodie prägen sich ein.
  • Beim Sport nebenbei lernen. Beim Schwitzen auf dem Heimtrainer bietet sich das Hören von Musik in der gewählten Fremdsprache an.
  • Videospiele in der Fremdsprache spielen. Besonders gut geeignet ist diese Maßnahme bei textintensiven  Rollenspielen.
  • Die Sprache auf Computer, Smartphone und Navigation umstellen. Auf unserem PC sind sämtliche Programme in englischer Sprache installiert, das Smartphone arbeitet Norwegisch und die Navigation spricht Niederländisch. Auf diese Weise begleiten schon drei Fremdsprachen kontinuierlich unseren Alltag.
  • Bücher und Comics in der Lernsprache lesen. Das können speziell aufbereitete Bücher für Lerner sein. Meistens sind Vokabelhilfen mit dabei. Die Einordnung von A1 bis C2 hilft beim Finden von Lektüre mit dem richtigen Schwierigkeitsgrad. Comics beinhalten nicht viel Text. Wer hier zu Asterix & Obelix greift, hat die Wahl zwischen 110 Sprachen und Dialekten.
  • Songs in der Fremdsprache hören, mitsingen, übersetzen. Lieder gibt es in jeder Sprache. Musik weckt Emotionen. Für das Lernen neuer Wörter eine ideale Voraussetzung! Disney-Animations-Filme wie „Das Dschungelbuch“ oder „Arielle“ kennt vermutlich jeder noch aus der eigenen Kindheit. Es gibt sie in vielen verschiedenen Sprachen. Perfekt zum Mitsingen!
  • Reisen und Kurztrips. Sprachkenntnisse lassen sich am besten dort anwenden, wo die Sprache gesprochen wird. Vorzugsweise sollte es sich bei dem gewählten Ferienort nicht um eine Touristenregion handeln. (Sonst besteht die „Gefahr“, dass dort ohnehin Deutsch gesprochen wird.)

Auf Reisen gehen und die Sprache sprechen

Vokabeln lernen: Wortkombinationen bewahren vor Fehlern

Eine Sprache besteht aus Wörtern. Dementsprechend kommt niemand um das Lernen von Vokabeln herum. Isolierte Begriffe aus einer Liste rauf und runter zu pauken, bringt wenig. Sinnvoller ist das Lernen von Wortgruppen oder gleich von kompletten sinnvollen Sätzen. Dadurch verankern sich neue Ausdrücke besser im Gedächtnis. Bei Bedarf steht ein korrekter Satz zur Nutzung parat. Sprachliche Fehler wie „I drive with the train“ passieren nicht, wenn man von vornherein „I go by train“ lernt. Diese Erkenntnis macht sich beispielsweise Babbel zunutze: Wörter übt man fast immer in nützlichen Sätzen.

Diese Art des Spracherwerbs ähnelt dem Erwerb der Muttersprache: Babys und Kleinkinder erleben Sprache zunächst passiv. Sie hören ihre Eltern ununterbrochen reden. In bestimmten Situationen gebrauchen sie immer wieder die gleichen Phrasen. Bei der morgendlichen Begrüßung ein: „Guten Morgen“, beim Zubettgehen ein „Gute Nacht!“

Wiederholen, wiederholen, wiederholen – und Spaß haben!

Letztendlich gibt es nicht die eine perfekte, ideale Weise, um eine Fremdsprache zu lernen. Wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge lernt es sich am besten über unterschiedliche Kanäle. Je mehr Sinne dabei einbezogen werden, desto besser. Sprachenlernen sollte Spaß machen und auf vielfältige Weise geschehen. Dann werden sich schnell Erfolge einstellen. Das Langzeitgedächtnis speichert nur, was wirklich wichtig ist. Das gilt für quantitative Informationen ebenso wie für qualitative. Darum ist die permanente Verknüpfung mit dem Alltag entscheidend.

Michaela Hövermann

 

Über Michaela Hoevermann 2 Artikel
Michaela Hövermann ist freiberufliche Texterin und Journalistin. Nach Beendigung ihres Studiums im Jahr 2000 hat sie ihren Traum wahrgemacht und angefangen zu schreiben. Ihre Schwerpunkte sind unter anderem Wirtschaft und Karriere, Technik, Sicherheit, Pädagogik, Psychologie, Liebe, Beziehung und Partnerschaft sowie Gesundheitsthemen. Portfolio: https://michaelahoevermann.contently.com/

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